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Bücher

Fast keine Kuppel

Paris hat einen neuen, London hat einen neuen, Kopenhagen und Dresden auch. Jetzt ist Berlin dran mit dem Neubau eines riesigen Lesesaales für eine der bedeutendsten Bibliotheken der westlichen Welt.

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So wird es aussehen: Modell des neuen Berliner Lesesaals

Die Staatsbibliothek zu Berlin erhält an historischer Stelle einen zentralen Lesesaal. Entworfen hat den fast quadratischen Kubus aus Holz, Büchern, Glas und Licht der Stuttgarter Architekt HG Merz. Das Besondere in Berlin dabei ist, dass der Lesesaal in den vorhandenen, im Krieg zu 40 Prozent zerstörten Altbau der ehemaligen preußischen Staatsbibliothek Unter den Linden hineingebaut wird.

Das alte im ehemaligen Ost-Berlin gelegene Zentralgebäude der Staatsbibliothek zu Berlin wirkt von außen unversehrt, im Inneren klafft aber seit 1945 ein riesiges Loch: Der nach dem Vorbild des Saales im British Museum von 1903 bis 1914 erbaute Kuppellesesaal im Herzen des Gebäudes wurde vollständig zerbombt. Aus purer Platznot stellte man in den achtziger Jahren an seine Stelle vier Stahlbeton-Magazintürme für zwei Millionen Bücher. Diese Beton-Silos werden nun vorsichtig mit schallgedämpften Kreissägen in handliche Teile zerlegt und in Einzelteilen aus dem beengten Innenhof abtransportiert.

20 Jahre Sanierung

Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kuppellesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden

Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kuppellesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden

Seit 1990 wird das riesige Gebäude, das an Volumen und Nutzfläche den Berliner Reichstag weit übertrifft, saniert. Zuerst mussten die 2300 Kiefernstämme, auf denen der Bau im schwammigen Berliner Boden ruhte, durch Betonpfähle ersetzt werden. Wenn alles gut geht, soll 2007 der neue Lesesaal an historischer Stelle in modernem Design eröffnet werden. Frühestens 2011 wird die Generalsanierung des Gebäudekomplexes abgeschlossen sein.

Mit mindestens 320 Millionen Euro Baukosten allein für den neuen Lesesaal rechnen Experten. Das federführende Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gibt offiziell noch keine Prognose. Sämtliche Umbau- und Neubau-Maßnahmen geschehen bei laufendem Bibliotheksbetrieb. Denn die im ehemaligen West-Berlin zu Mauerzeiten erbaute neue Staatsbibliothek (die wertvollsten Buchbestände landeten 1945 im Westen, der Katalog allerdings im Osten) ist dem Ansturm der Nutzer schon jetzt nicht mehr gewachsen. Der Standort Unter den Linden kann also für die Forschung nicht einfach auf Jahre geschlossen werden.

Neubauten in Paris und London

In Paris wurde auf Wunsch und Befehl von Francois Mitterand fast die gesamte altehrwürdige Bibliothèque Nationale aus der Rue des Archives im Quartier Marais an den Stadtrand auf das Gelände des ehemaligen Wein-Großmarktes Tolbiac verlegt. Vier Glas-Türme in der Form aufgeschlagener Bücher stellte der Architekt Dominique Perrault zum Ruhme Frankreichs und seines Präsidenten ans Ufer der Seine. Doch unter scharfer Kritik: Die klimatischen Verhältnisse in diesen Magazintürmen sind für die Bücher katastrophal. Außerdem gibt es mit der Haustechnik so viele Probleme, dass der neue, "Francois Mitterand" genannte Bibliotheksbau immer wieder tagelang geschlossen werden muss. Nur die Handschriften und Rara blieben im nun "Richelieu" genannten alten Gebäude im Zentrum.

In London musste aus Platzgründen nach 150 Jahren die Symbiose von British Museum und Bibliothek aufgegeben werden. Der berühmte Kuppellesesaal in dem Karl Marx an seinem "Kapital" arbeitete, ist jetzt ein Museum. Die Bibliothek bekam nach 25 Jahren Planung und Aufschub einen Neubau in St. Pancras, der bei seiner Eröffnung 1998 bei der Architekturkritik als ästhetisch veraltet durchfiel, seitdem aber höchstens wegen Benutzerfreundlichkeit und gutem Service auffällt.

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