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Aktuell Deutschland

Fast jeder achte Asylbewerber verschwindet

Der Aufenhalt von mehr als 130.000 registrierten Flüchtlingen ist den deutschen Behörden nicht bekannt. Das musste das Bundesinnenministerium einräumen. Noch höher soll die Zahl nicht registrierter Migranten sein.

Rund 13 Prozent der als Asylbewerber registrierten Menschen kamen im vergangenen Jahr nicht bei der zuständigen Aufnahmeeinrichtung an. Das berichtet das Bundesinnenministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken im Bundestag, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Als mögliche Gründe für das Verschwinden registrierter Migranten nennt das Ministerium unter anderem Weiterreisen in andere Länder und das Untertauchen in die Illegalität. Nach Angaben der Zeitung gehe es um mehr als 130.000 Menschen.

Weise: Identität von 400.000 Migranten unbekannt

Zudem vermuten die Behörden, dass sich bis 400.000 Flüchtlinge in Deutschland aufhalten, deren Name und Identität nicht bekannt ist. Das sagte der Chef des Bundesamtes für Migration (BAMF), Frank-Jürgen Weise, bei einer DIHK-Veranstaltung in Berlin.

Frank-Juergen Weise, Chef des Bundesamtes für Migration (Foto: Reuters/F.Bensch)

Frank-Juergen Weise, Chef des Bundesamtes für Migration

Aus der Antwort des Innenministeriums an die Links-Fraktion geht der SZ zufolge außerdem hervor, dass Deutschland immer weniger Asylbewerber an eigentlich zuständige EU-Länder abgeben kann. Laut dem Dublin-System der EU ist derjenige Mitgliedsstaat für den Schutzsuchenden verantwortlich, in dem der Flüchtling erstmals nachweislich EU-Gebiet betritt.

Dublin-System funktioniert nicht mehr

Doch von den fast 45.000 sogenannten Übernahmeersuchen an andere Staaten, die Deutschland 2015 stellte, wurden lediglich knapp 3600 vollzogen. Zugleich schickten umgekehrt andere EU-Staaten gut 3000 Asylsuchende in die Bundesrepublik, so dass in der Bilanz nicht einmal 600 Menschen aus Deutschland in die EU verteilt wurden.

Zudem stellten die deutschen Behörden im Vorjahr nur noch bei jedem zehnten Asylbewerber die Anfrage an einen EU-Partner, diesen zurückzunehmen; 2014 war dies noch bei jedem fünften der Fall. Ein Grund dafür könnte sein, dass Deutschland für Syrer das Dublin-Prinzip zeitweise nicht nur faktisch, sondern auch rechtlich außer Kraft gesetzt hat.

ww/mak (afp, dpa, rtr)

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