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Europa

Fast 140 Initiativen zum Schutz der Ostsee

Eindringlich haben die Teilnehmer eines Gipfels der Anrainerstaaten zur Rettung der Ostsee aufgerufen. Fast 140 Initiativen folgten in Helsinki bereits einem Aufruf, die Umweltbelastungen des Meeres zu verringern.

Einige Teilnehmer des Ostsee-Gipfels in Helsinki (Foto: dpa)

Einige Teilnehmer des Ostsee-Gipfels in Helsinki

"Es muss etwas getan werden - und zwar schnell", sagte die finnische Präsidentin Tarja Halonen zur Eröffnung des eintägigen Treffens am Mittwoch (10.02.2010) in Helsinki. Hauptziel des Gipfeltreffens war ein umweltpolitisches Programm mit konkreten Verpflichtungen, um das stark verschmutzte Binnenmeer vor dem ökologischen Kollaps zu bewahren.

Halonen nannte es eine Tragödie, dass an der verschmutzten Ostsee ausgerechnet einige der reichsten und besonders umweltbewussten Länder der Welt lägen. Wenn diese bislang noch nicht genug getan hätten, so müssten sie es jetzt schaffen, das ökologische Gleichgewicht der Meeresumwelt zu retten. Die Gastgeberin unterstrich, sie erwarte keine Wunder, aber "ernsthafte Anstrengungen von uns allen, die ein Wunder bewirken könnten".

Fast 140 Selbstverpflichtungen

Ein entsprechender Aufruf fand schon im Vorfeld breites Gehör. Fast 140 Unternehmen, Stiftungen, Schulen und Nichtregierungsorganisationen gaben bis Mittwoch Selbstverpflichtungen zur Rettung des stark belasteten Gewässers ab. Unter anderem sagten die Hafenstädte Kopenhagen und St. Petersburg zu, Anlagen zur Reinigung der Abwässer aus Kreuzfahrtschiffen bereitzustellen.

Einziger deutscher Name in der Liste: Die finnische Unternehmenstochter von Siemens bietet kostenfreie Dienstleistungen im Wert von 50 000 Euro für Umweltverbesserungen in finnischen und baltischen Häfen an.

Erheblich belastetes Gewässer

Auch Fähren wie diese in der Lübecker Bucht belasten die Ostsee (Foto: dpa)

Auch Fähren wie diese in der Lübecker Bucht belasten die Ostsee

Die Ostsee gilt als eines der am meisten verschmutzten Seegebiete der Welt. Besonders dringende Probleme sind die Algenbildung durch Überdüngung, die Überfischung und der ständig zunehmende Schiffsverkehr. Über Jahrzehnte hinweg wurde das Binnenmeer zudem mit Schrott aus zwei Weltkriegen sowie Öl, Abwässern, Düngemitteln und Giften verseucht. Die Verschmutzung ist eine Gefahr für die 90 Millionen Menschen in den küstennahen Regionen. Weil die Ostsee nur durch eine schmale Öffnung mit dem Atlantik verbunden ist, kann eine natürliche Säuberung des Wassers nur langsam erfolgen. Daher gilt die Ostsee ökologisch als besonders gefährdet.

Zu der Konferenz reisten rund 400 Teilnehmer nach Helsinki, darunter Präsidenten, Regierungschefs und Kabinettsminister aus den Anrainerstaaten Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Russland und den drei baltischen Staaten. Deutschland wird von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vertreten. Veranstalter des Gipfels ist die Helsinki-Kommission (HELCOM), die vor 35 Jahren zum Schutz der Meeresumwelt von den Ostseeanrainern gegründet wurde.

Gleichgewicht gestört

Algenteppiche schwimmen im Hafen von Stralsund (Foto: dpa)

Algenteppiche schwimmen im Hafen von Stralsund

"Jeden Sommer sehen wir die Ausbreitung von Algen, die uns daran erinnern, wie sehr das Gleichgewicht des Ökosystems des Meeres gestört ist", sagte der schwedische König Carl XVI. Gustaf. Das Algenwachstum wird gefördert durch die beiden chemischen Elemente Phosphor und Stickstoff, die bei der Zersetzung von ins Meer geleiteten Exkrementen freigesetzt werden. Sie stammen insbesondere aus der Landwirtschaft. Der polnische Vize-Ministerpräsident Waldemar Pawlak kündigte Investitionen in Höhe von acht Milliarden Euro an, um die von Polen ins Meer geleiteten Exkremente bis 2015 um 75 Prozent zu verringern.

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite wies auf eine weitere Belastung für die Ostsee hin. In dem Gewässer seien 40.000 Tonnen chemische Waffen versenkt worden und wahrscheinlich würden auch noch konventionelle Waffen am Meeresgrund gefunden. Grybauskaite rief zu gemeinsamen internationalen Anstrengungen auf, um den Rüstungsmüll zu beseitigen.

Streitapfel auch in Helsinki: Die Gas-Pipeline

Ein zentrales Thema der Konferenz war das umstrittene Projekt einer Gas-Pipeline von Russland nach Deutschland. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin bemühte sich, die Bedenken der Umweltschützer zu zerstreuen. Diese befürchten, dass bei der Verlegung der Gasleitung giftige Chemikalien am Meeresboden aufgewühlt werden könnten. In der 1220 Kilometer langen Pipeline soll russisches Gas nach Deutschland transportiert werden.

Das russisch geführte Konsortium Nord Stream kündigte in Helsinki an, man wolle die für den Bau der Pipeline erhobenen Umweltdaten aus der Ostsee allgemein zugänglich machen. Dazu sagte in Stralsund der Ostsee-Experte der Umweltorganisation WWF, Jochen Lamp: "Das ist doch sowie eine Selbstverständlichkeit". Der WWF hat ebenfalls am Mittwoch mit dem Umweltverband BUND beim Oberverwaltungsgericht Greifswald Klage gegen die Bundesregierung wegen der Zustimmung zum Bau von Nord Stream eingereicht. Die Pipeline verursache erhebliche neue Umweltbelastungen für die Ostsee, so die Begründung.

Autor: Reinhard Kleber (ap, afp, dpa)
Redaktion: Ursula Kissel

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