Fast 100 Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul | Aktuell Asien | DW | 27.01.2018
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Afghanistan

Fast 100 Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Erst vor einer Woche war ein Luxushotel in der afghanischen Hauptstadt von Terroristen attackiert worden. Die Sicherheitslage hat sich seit Ende der NATO-Kampfmission vor drei Jahren dramatisch verschlechtert.

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Verheerender Anschlag erschüttert Kabul

Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden nach jüngsten offiziellen Angaben mindestens 95 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Der Sprengsatz sei in einem Krankenwagen versteckt gewesen, teilte das afghanische Gesundheitsministerium mit. Das Fahrzeug sei auf einen Kontrollposten der Polizei zugefahren und in die Luft geflogen, berichteten Augenzeugen. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

Patienten auf Rasen vor Krankenhaus behandelt

Die Detonation ereignete sich in einem Stadtviertel, in dem das Innenministerium und die Vertretung der Europäischen Union ihre Büros haben. Fotos in sozialen Netzwerken zeigen eine riesige Rauchwolke über dem Gebiet. Krankenhäuser waren wegen der großen Zahl der Verletzten so überlastet, dass Patienten auf dem Rasen vor dem Krankenhaus oder in Fluren behandelt werden mussten. Dejan Panic, Koordinator des "Emergency Hospitals", das von einer italienischen Hilfsorganisation betrieben wird, sprach von einem "Massaker". 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Anschlag als hinterhältig und grausam. «Mein tiefes Beileid gilt den Angehörigen der Opfer, erklärte er in Berlin. Das Internationale Rote Kreuz in Afghanistan nannte die Benutzung eines Krankenwagens für einen Anschlag erschütternd und inakzeptabel. Die Regierung in Kabul sprach von einem "Kriegsverbrechen". 

Attentat auf Kinderhilfsorganisation

Erst am Mittwoch hatten bewaffnete Angreifer das Büro der Hilfsorganisation Save the Children in Dschalalabad - rund 100 Kilometer östlich von Kabul - gestürmt. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) reklamierte diese Tat inzwischen für sich.

Afghanistan Anschlag in Jalalabad (Reuters/Parwiz)

Nach der Attacke in Dschalalabad auf die NGO Save the Children am Mittwoch

Als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan gilt inzwischen die Hauptstadt Kabul. Dort hatten die radikalislamischen Taliban vor einer Woche ein Luxushotel attackiert und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer.

Taliban kontrollieren 13 Prozent Afghanistans

Die Sicherheitslage hat sich seit Ende der NATO-Kampfmission vor drei Jahren drastisch verschlechtert. Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach Militärangaben mittlerweile wieder rund 13 Prozent des Landes. Auch der IS verübt immer wieder Anschläge im Land.

An diesem Samstag hatten die afghanischen Behörden in einer Sicherheitswarnung speziell an Ausländer vor möglichen neuen Angriffen des IS gewarnt. Die Dschihadisten, so hieß es, planten Anschläge auf Supermärkte, Geschäfte und Hotels, die von Ausländern besucht werden.

Experte: Antwort auf neue Afghanistan-Strategie der USA

Ein Sicherheitsexperte, der afghanische Ex-Brigadegeneral Mohammad Arif, wertete den Anschlag wie auch die Attacke auf das Intercontinental-Hotel in Kabul am vergangenen Wochenende als Antwort der Taliban auf die neue Militäroffensive der USA vor allem in den Provinzen Helmand, Nangarhar und Kunduz. Arif sagte der DW: „Normalerweise beginnen die Taliban ihre Offensive immer nach dem Winter (als Frühjahrsoffensive), aber sie haben nun diese Offensive offensichtlich als Antwort auf die neue Afghanistan-Strategie der USA vorverlegt. Sie wollen damit zeigen, dass sie noch längst nicht besiegt sind.“

sti/jj/AR (dpa, afp, rtr)

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