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Fasching ist kein Karneval – eine kleine Narrenkunde

Beide Feste gelten in ihren jeweiligen Regionen als „Fünfte Jahreszeit“, beide haben ähnliche Ursprünge und Bräuche. Aber trotzdem gibt es deutliche Unterschiede zwischen Fasching und Karneval. Vorsicht!

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Fasching ist kein Karneval – eine kleine Narrenkunde

Was ist denn das für ‘ne Irreführung. Ein echt kölscher Tusch als Auftakt zum bayerischen Fasching! Tünnes und Schäl einerseits und die Bavaria andererseits werden dabei erbleichen – nicht nur wegen der falschen Verwendung des Tuschs. Aber warum?

Heinrich Bölls Sichtweise auf Karneval und Fasching

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll mit einem Lächeln auf dem Gesicht

„Karneval ist vulgär, Fasching ist eine Erfindung der Bohème.“

Heinrich Böll, Kölner aus Leidenschaft und von Geburt, hat die Feste – den rheinischen Karneval und den im süddeutschen Sprachraum beheimateten Fasching – wie folgt abgegrenzt: „Karneval ist vulgär, mit aller Größe und allem Schrecken des Vulgären. Aber nie frivol. Fasching ist eine Erfindung der Bohème. Der Karneval stammt aus dem Volke. Er ist klassenlos – so wie eine ansteckende Krankheit keine Klassenunterschiede kennt. Den Fasching bemerkt man nicht im Leben einer Stadt. Man kann ihn ignorieren. In Köln den Karneval ignorieren zu wollen, wäre zwecklos. Man kann sich nur aus der Ansteckungszone entfernen.“

Im Karneval schunkelt jeder mit jedem. Die „ahl Frau Schmitz“ aus dem Severinsviertel hat sich die Karte zur Prunksitzung buchstäblich vom Mund abgespart. Da sitzt sie dann vielleicht grad neben der Frau Direktor Schmitz. Beide schunkeln und rufen begeistert dreimal „Kölle Alaaf, Alaaf, Alaaf!“ Die große Integration beginnt.

Fasching: mal volkstümlich, mal versnobt

Der Fasching aber findet auf zwei Ebenen statt: einerseits volkstümlich und andererseits fein, auf Bällen. Die Bälle sind exklusives Terrain der Society oder einer Gesellschaft, die sich für die Society hält. Und das auch betont. Vielleicht liegt der Grund in der Geschichte. Denn Erfinder der Bälle und Künstlerfeste war Ludwig I. Er hatte sie bei einem Aufenthalt in Rom kennengelernt und Gefallen daran gefunden. Grad das Richtige für meine Residenz, sagte er sich.

Schäfflertanz in Bayern: Männer halten begrünte Reifen fest, im Vordergrund steht prominent ein in rote Jacke und schwarze Hose mit einem befederten Hut bekleideter Mann, der einen begrünten Reifen in der rechten und einen blau-weißen in linken Hand hält.

Sehr volkstümlich: der Schäfflertanz.

Immer wieder waren es Künstler, die den versnobten Fasching von seinem hohen Ross holten. Die Künstler und die Ur-Münchner, die die deftigen Späße und Bräuche pflegten – zum Beispiel den traditionellen Schäfflertanz. Offiziell das erste Mal erwähnt wurde der Fasching übrigens im 16. Jahrhundert. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es dann Fastnachtsrennen und komische Pantomimen. Und natürlich Bauernhochzeiten, die besonders lustig waren.

„Kini“ für eine Saison?

Jedes Jahr am 11.11. versammelt sich auf dem Münchner Viktualienmarkt viel närrisches Volk: zur Inthronisation des Prinzenpaars. Ein Treiben und Treffen wie in alten Tagen, wo man den Herrschern zujubelte.

Dabei mag sich der alte Traum so mancher Bayern, von Monarchen wieder regiert zu werden, für den einen oder anderen erfüllen – wenn's auch nur die Regentschaft im Königreich der Narren und für eine Saison ist!

Einige Gemeinsamkeiten

Tanz mehrerer Marktweiber auf dem Viktualienmarkt in München

Höhepunkt des Münchner Faschings: der Tanz der Marktweiber

Trotz mancher Unterschiede haben Fasching und Karneval doch ein paar Gemeinsamkeiten – zum Beispiel den Grundsatz: „Nicht übel nehmen, bitte!“ Beide haben einen ähnlichen Ursprung: die Vertreibung des Winters. Beide entsenden Vertreter in den „Bund Deutscher Karneval“, wählen närrische Tollitäten, veranstalten deren Inthronisation, haben einen „Narrenadel“ und verleihen Orden an ihr Narrenvolk.

Beide haben einen traditionellen Umzug: den Rosenmontagszug im Karneval, den Gaudiwurm am Sonntag im Fasching. Im Fasching wie im Karneval gibt's auch einen Tag speziell für die Frau. Was dem Karneval die Weiberfastnacht am Donnerstag ist, ist dem Münchner der Faschingsdienstag. Auf dem Viktualienmarkt herrschen Tanz, Tollheit und Treiben der Marktfrauen im Kostüm. Münchner Marktweiber – auch Standlweiber genannt – tanzen am Faschingsdienstag maskiert miteinander oder mit ihrer Kundschaft.

Achtung: Imi!

Wer es aber ganz zünftig münchnerisch antreffen will, der besuche das „Fest der Turmfalken“. Die Turmfalken sind ein Verein, bei dem sich abenteuerlich gekleidete Menschen, die sogenannten „Damischen Ritter“ vom Hofherzog Kasimir, selbst auf den Arm nehmen. Und das tun sie dann auch sehr deftig. Und beinahe ohne Tabus. Aber das gehört doch zum Karneval. Oh, pardon! Fasching. Dafür gibt's nämlich kein Pardon. Wer Karneval und Fasching verwechselt, ist ein hoffnungsloser Imi. Neutraler ausgedrückt: ein ungebildeter Laie in Sachen Narretei.




Arbeitsauftrag
Bildet in eurer Lerngruppe kleine Arbeitsgruppen und lest euch den Text durch. Unterstreicht alle Vokabeln, die euch unbekannt sind, und schlagt sie im Lexikon nach oder recherchiert ggfs. im Internet. Stellt anschließend auf einem Arbeitsblatt sieben Fragen zum Textverständnis. Tauscht eure Arbeitsblätter untereinander aus und kontrolliert anschließend, ob die gegebenen Antworten richtig sind.

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