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Asien

Farzana Ali, Pakistan

Wie gehen Journalistinnen, die in Krisengebieten arbeiten, mit eigenen Traumata um? Bei einem Workshop in Peschawar konnten 12 Frauen über ihre Erfahrungen sprechen. Die Journalistin Farzana Ali war eine von ihnen.

Pakistan Journalistin Farzana Ali

Farzana Ali, Büroleiterin bei Aaj TV in Peschawar

Nordpakistan ist eine Region mit traditionellen und wertekonservativen Gesellschaftsstrukturen, nur sehr wenige Frauen können direkt aus den Krisengebieten berichten. Farzana Ali ist da eine Ausnahme. Sie ist Büroleiterin von Aaj TV in Peschawar und berichtet seit einigen Jahren über terroristische Anschläge in der nordwestlichen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa (KP) und den krisengeschüttelten Stammesgebieten. Doch man muss gar nicht immer die Stadt verlassen, um mit Trauma konfrontiert zu sein – oft genug passiert es in unmittelbarer Nähe, erzählt sie.


Über welche Ereignisse ist es Ihnen als Journalistin schwer gefallen zu berichten?

Ich habe von Bombenanschlägen und hot spots berichtet, doch die schmerzlichste Erfahrung für mich war der Terroranschlag auf die Army Public School im Dezember 2014. (Anm. d. R.: Sieben Kämpfer der islamistischen Tehreek-e Taliban stürmten eine Schule in Peschawar und töteten 141 Menschen, darunter 132 Kinder). Es war ein immenser Schock. Überall lagen Leichenteile und Frauen und Kinder weinten. Ich habe mit rund 100 Familien gesprochen, die davon betroffen waren.

Wie hat es Sie persönlich herausgefordert?
Ich hatte in der Zeit Albträume, die Erinnerungen an das, was ich gesehen hatte, rissen mich aus dem Schlaf. Ich fühlte mich schwach und depressiv. Und ich begann, mir große Sorgen um meinen 15-jährigen Sohn zu machen. Ich nahm ein paar Tage frei, um die Stadt zu verlassen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Über was für Erfahrungen haben Sie und die anderen Journalistinnen während des Workshops gesprochen?
Es waren zwei andere erfahrene Journalistinnen dabei, die auch aus Konfliktregionen berichtet haben. Die anderen kamen aus den Bereichen Bildung oder Gesundheit. Doch wir alle sind von diesem Terroranschlag emotional tief getroffen worden. Viele weinten, als sie über ihre Gefühle sprachen. Ich selbst musste auch sehr viel weinen.

Pakistan Journalistin Farzana Ali

Frauen eine Stimme geben: Farzana Ali führt Interviews in einem Krankenhaus

Reagieren Frauen und Männer unterschiedlich auf Trauma?
Als Frauen verbergen wir zunächst unsere Gefühle und Emotionen. Wir sprechen nur ungerne über Trauma, weil es etwas mit der Psyche zu tun hat. In unserer Gesellschaft sind solche Themen tabu, man wird schnell als geistig und seelisch unausgeglichen bezeichnet. Doch anders als die meisten Männer reden Frauen zumindest untereinander über ihre Erfahrungen.

Was konnten Sie im Workshop lernen?
Wir haben uns damit auseinandergesetzt, wie man mit posttraumatischen Belastungen umgehen kann und welche Vorsorge man leisten kann. Doch das ist meist sehr schwierig. Als Krisenjournalist steht man zwischen den Fronten der Militärs und der radikal-islamistischen Gruppen. Gleichzeitig möchte man die ethischen journalistischen Grundsätze befolgen.

Oft erkennen wir die Symptome von Trauma nicht. Beim Workshop habe ich realisiert, dass ich selbst unter einem Trauma leide. Das ist ein großer Schritt: Um Trauma zu bewältigen, muss man sich zunächst eingestehen, dass man traumatisiert ist. Ich habe begonnen, Sendungen über das Thema zu produzieren, um damit auch ein Bewusstsein zu schaffen.


Der eintägige Workshop war Teil der Diskussionsreihe „Focus Group Discussions“ für Journalisten, die mit Traumata konfrontiert sind. Er wurde von Prof. Dr. Erum Irshad, Leiterin der Fakultät für Psychologie an der Universität Peschawar organisiert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Altafullah Khan, Leiter der Journalistischen Fakultät, leitet sie ebenfalls das erste Traumazentrum für pakistanische Krisenreporter, welches der Universität angesiedelt ist. Bis heute konnten bereits 40 Reporter, darunter auch Frauen, behandelt werden.

Desweiteren haben etwa 400 Journalisten an Diskussionsveranstaltungen teilgenommen und das Zentrum besucht. Viele haben durch die umfassende mediale Berichterstattung von der Einrichtung erfahren. Das Traumazentrum wurde November 2014 gestartet und führt seine Arbeit durch Unterstützung der DW Akademie fort.

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