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Nahost

Faruk Husni geht in die Stichwahl

Der ägyptische Kulturminister Faruk Husni hat gute Chancen, neuer Generaldirektor der UNESCO zu werden - trotz zahlreicher Vorwürfe wegen Antisemitismus. Die Stichwahl wird es entscheiden.

Faruk Husni (Foto: dpa)

Favorit: Faruk Husni

Jahrelang hat Faruk Husni auf die Position des Generaldirektors bei der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation - besser bekannt als UNESCO - hingearbeitet. Doch seine antiisraelischen und antisemitischen Aussagen passen so gar nicht in das Bild eines Mannes, der bei der UNESCO zur Völkerverständigung beitragen soll. Trotz seiner Äußerungen gilt er aber als Favorit auf das Amt. Seine einzige Gegenkandidatin bei der Abstimmung am Dienstag Abend (22.09.2009) ist die bulgarische Diplomatin Irina Bokova.

Anfang September hatte Husni dem Exekutivrat der UNESCO sein Kulturprogramm vorgestellt. Seine Kandidatur, so der Kulturminister, glaube an "eine grundsätzliche Philosophie, die des Friedens zwischen allen Völkern." Doch genau das Gegenteil werfen ihm seine Gegner vor. Wegen antisemitischer und antiisraelischer Äußerungen ist seine Kandidatur auch in Deutschland umstritten.

Aufregung wegen Antisemitismus

Husni, der seit 22 Jahren ägyptischer Kulturminister ist, sprach sich im vergangenen Jahr im ägyptischen Parlament unter anderem für die Verbrennung israelischer Bücher aus. "Zeig mir diese Bücher, und wenn es sie gibt, werde ich sie vor deinen Augen verbrennen", sagte er einem Abgeordneten, der die Sorge äußerte, in der Bibliothek von Alexandria könnten auch hebräische, anti-arabische Bücher stehen.

Faruk Husni in einer Ausstellung (Foto: dpa)

22 Jahre Kulturminister in Ägypten - jetzt will er zur UNESCO

Doch Husnis Aussagen erregten erst die öffentliche Aufmerksamkeit, als Mitte Mai die französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und Claude Lanzmann sowie der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel in einem Gastbeitrag im französischen "Le Monde" Husni als "geistigen Brandstifter" bezeichnet hatten. Er habe unter anderem öffentlich erklärt, dass die israelische Kultur aggressiv, rassistisch und überheblich sei, schrieben sie. Er sei auf keinen Fall dazu geeignet, eine Weltorganisation wie die UNESCO zu führen, die sich die Völkerverständigung und die Unterstützung des kulturellen Austauschs als Ziel gesetzt habe.

"Aus dem Kontext gerissen"

Faruk Husni weist die Vorwürfe zurück. Er sei zwar nicht unbedingt für normalisierte Beziehungen zwischen seinem Land und Israel, solange es keinen Frieden mit den Palästinensern gibt. Als Generaldirektor der UNESCO wäre es dennoch "gerade für mich einfach, gewisse kulturelle Beziehungen zwischen Arabern und Israelis aufzubauen", sagte er. Die Verbrennung israelischer Bücher habe er nicht wörtlich gemeint. Diese Äußerung sei aus dem Kontext gerissen. "Es war ein Wortgefecht mit einem islamistischen Abgeordneten der Muslimbruderschaft. Es war als hätte ich auf Englisch gesagt: go to hell (geh zur Hölle!)", so der Kulturminister weiter. Solche Ausdrücke gebe es in allen Sprachen der Welt. Als Beweis gegen den Vorwurf des Antisemitismus führte er auf, dass er 1998 angefangen habe, alle Synagogen in Ägypten zu restaurieren. "Zudem habe ich gar kein Problem, nach Israel zu reisen", fügte Husni hinzu.

(sm/es/wa/kk/mt/dh/afp/dpa/ap)

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