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Welt

"Farce, Schande, Ohrfeige"

In Deutschland hat das Ergebnis von Kopenhagen bei Politikern, Umweltschützern und Kirchen große Ernüchterung hervorgerufen.

Merkel gestikuliert in Kopenhagen (Foto: ap)

Wie viel ist so viel?

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zog eine kritische Bilanz des Gipfels in Kopenhagen. "Wir sind einen Schritt vorangekommen, ich hätte mir aber mehr Schritte gewünscht". Die Verhandlungen seien "extrem schwierig" gewesen. Ein Scheitern sei aber verhindert worden, sagte die Kanzlerin am Samstag (19.12.2009). Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sprach von einem verpassten historischen Moment. "Wir wollten mehr, aber es war das, was erreichbar war."

"Eine Schande"

Sigmar Gabriel beim SPD Parteitag im November 2009 (Foto: ap)

Deutliche Worte

Die Opposition fand deutliche harschere Worte: "Ich finde, es ist eine Schande, wie die Staats- und Regierungschefs die Zukunft ihrer eigenen Kinder und Enkelkinder aufs Spiel setzen", sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. "International ist das eine mittlere Katastrophe", kritisierte der frühere Umweltminister. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte, sie sei fassungslos und wütend. "Kopenhagen ist ein gescheiterter Gipfel."    

"Die Welt wurde enttäuscht"

"Die Welt hat auf Kopenhagen geschaut. Die Welt wurde bitter enttäuscht", sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. "Das Kopenhagen- Ergebnis ist eine Ohrfeige für das Weltklima." "Die Welt ist damit eher auf einem Pfad in Richtung 3,5 Grad Temperaturanstieg als 2 oder gar 1,5 Grad", sagte Christoph Bals, Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch. Das globalisierungskritische Netzwerk attac nannte das Ergebnis eine "reine Farce". "Kopenhagen war höchstens in Bezug auf das Ausmaß seines Scheiterns ein historischer Gipfel."

Man habe kostbare Zeit verloren, die den Kampf gegen den Klimawandel weiter erschwere, teilte der World Wide Fund For Nature (WWF) mit. "Ohne abgestimmte Ziele für die Treibhausgas-Reduzierung ist die Erderwärmung nicht auf zwei Grad Celsius zu begrenzen", sagte Peter Lemke, der leitende Klimawissenschaftler am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut.

"Ein Armutszeugnis"

Der Erzbischof der Erzdiözese Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (Foto: dpa)

Enttäuschung beim Bischof

Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zeigte sich enttäuscht: "Der Klimawandel ist eine ethische Herausforderung, der sich alle Staaten in Solidarität und Verantwortung für das globale Gemeinwohl stellen müssen." Das katholische Hilfswerk Misereor nannte den Ausgang der Konferenz "ein Armutszeugnis für die Politik, eine Schande für die Industrieländer und eine Katastrophe für die Menschen in den Entwicklungsländern".

Autor: Oliver Samson (mit dpa, ap)

Redaktion: Susanne Eickenfonder