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Aktuell Amerika

FARC: Wir haben General Alzate

Jetzt ist es "offiziell": Die linksgerichteten Rebellen haben den kolumbianischen Offizier in ihrer Gewalt. Den Friedensverhandlungen mit der Regierung in Bogotá erweisen die FARC damit einen Bärendienst.

Die linksgerichtete FARC-Guerilla in Kolumbien hat eingestanden, General Rubén Alzate (Artikelbild) entführt zu haben. Alzate sei am Fluss Atrato abgefangen worden, teilten die Rebellen mit. Staatschef Juan Manuel Santos hatte wegen der Verschleppung des Befehlshabers der Streitkräfte in dem westkolumbianischen Department Chocó die Friedensverhandlungen mit den Rebellen ausgesetzt.

Alzate hatte sich am Sonntag in einem Boot in Zivilkleidung und unbewaffnet in die Ortschaft Las Mercedes begeben. Dort wurde er nach Zeugenausgaben mit seinen zwei Begleitern - einem Unteroffizier und einer Rechtsanwältin - von Rebellen festgenommen. Ein Soldat, der das Boot führte, konnte fliehen.

Appell von Präsident Santos

Kolumbiens Staatsführung hatte am Montag ein eindeutiges Friedensbekenntnis der FARC ("Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens") verlangt. "Von ihrer Entscheidung hängt es ab, ob die Gespräche zur Beendigung des Konflikts und der Versöhnung fortgeführt werden können", ermahnte Santos die Rebellen in einer Fernsehansprache. Solange diese Frage nicht gelöst sei, werde die Regierungsdelegation die Friedensgespräche nicht fortsetzen.

Tatsächlich haben die seit zwei Jahren andauernden Verhandlungen zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen in Kubas Hauptstadt Havanna mit der Verschleppung Alzates ihren bisher schwersten Rückschlag erlitten. Der Konflikt zwischen den Aufständischen und dem kolumbianischen Staat dauert nun schon ein halbes Jahrhundert an. 220.000 Menschen wurden getötet, Millionen vertrieben. Derzeit gehören der Guerilla rund 8000 Kämpfer an.

Friedensgespräche dauern weitaus länger als geplant

Für die Zeit der Friedensgespräche wurde kein Waffenstillstand vereinbart. Bei drei von fünf Themen signalisierten die Konfliktparteien grundsätzlich Einigung: In der Agrarfrage, dem Drogenhandel und bei der Eingliederung der Rebellen ins öffentliche Leben. Der vierte Punkt, der Umgang mit den Opfern des Krieges, kommt nur langsam voran. Immerhin sitzen mittlerweile auch Repräsentanten der Hinterbliebenen mit am Tisch.

Ursprünglich sollten die Verhandlungen nicht länger als zwölf Monate dauern. Der Verzug bringt Santos unter Druck, die Kolumbianer wollen Ergebnisse sehen. Zudem gehen die Kämpfe im Land weiter. Jede Woche gibt es Meldungen über getötete Soldaten, Guerilleros und Zivilisten. Die Regierung lehnt bislang eine Waffenruhe ab. Doch angesichts des Zeitdrucks willigte Santos ein, den letzten Punkt der Agenda vorzuziehen: Die militärischen Führer beider Seiten verhandeln nun über die Abgabe der Waffen der Guerilla.

sti/qu (afp, dpa)