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Aktuell Amerika

FARC-Rebellen schwören Geiselnahmen ab

Die kolumbianische Rebellengruppe FARC will künftig angeblich auf Entführungen verzichten. Gleichzeitig teilte die Guerillagruppe mit, ihre verbliebenen zehn Geiseln frei zu lassen.

"Wir kündigen an, dass wir ab sofort diese Praktiken im Rahmen unseres revolutionären Kampfes verbieten", erklärte die Führung der kurz FARC genannten "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" auf ihrer Internet-Seite. Die letzten zehn "Kriegsgefangenen" würden freigelassen. Keine Angaben machten die Rebellen allerdings zu den hunderten Zivilisten, die sie ebenfalls in ihrer Gewalt haben.

Präsident Santos sieht Schritt in die richtige Richtung

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos zeigte sich in einer ersten Reaktion denn auch erfreut. "Wir würdigen die von der FARC angekündigte Abkehr von Entführungen als einen wichtigen, notwendigen, zugleich aber nicht ausreichenden Schritt in die richtige Richtung", schrieb Santos in einer Nachricht über den Internet-Dienst Twitter. Gleichzeitig bot er Garantien für eine reibungslose Übergabe der Geiseln an. Santos steht unter Druck, den jahrzehntelangen Konflikt mit den Rebellen zu beenden, bei dem Zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind.

Zuletzt konnten die Streitkräfte einige wichtige Erfolge gegen die linksgerichtete FARC erzielen. So wurden auch die beiden Anführer der Rebellen getötet. Eine Abkehr von Entführungen hatte Santos stets als Voraussetzung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen erklärt.

Ob die Ankündigung der Rebellen vom Sonntag unmittelbar umgesetzt wird, war zunächst nicht klar. Insbesondere, da einzelne Splittergruppen im Land weitgehend unabhängig voneinander operieren und nicht klar ist, welche Geiseln wo gehalten werden. Einige von ihnen sind bereits seit mehr als zehn Jahren in den Händen der FARC.

FARC kämpft seit Jahrzehnten gegen Regierung in Bogota

Ingrid Betancourt, author of Even Silence Has an End: My Six Years of Captivity in the Colombian Jungle, pauses as she is interviewed Tuesday, Sept. 21, 2010 in New York. Betancourt, a dual French-Colombian national, was kidnapped by the Revolutionary Armed Forces of Colombia, or FARC, in February 2002 while campaigning for president and was held captive for six years. (AP Photo/Tina Fineberg)

Sie war die prominenteste Geisel der FARC: Ingrid Betancourt

Die FARC gilt als einflussreichste und größte Rebellenorganisation Kolumbiens. Ihr sollen nach Schätzungen rund 9000 Kämpfer angehören, die vor allem in den Grenzgebieten zu Venezuela und Ecuador aktiv sind. Seit den 1980er Jahren versuchen die Rebellen insbesondere durch Entführungen von Beamten und Politikern Druck auf die Regierung auszuüben. Über viele Jahre standen Teile des Landes faktisch unter ihrer Kontrolle. Ihre prominenteste Geisel war die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die Mitte 2008 nach rund sechseinhalb Jahren Gefangenschaft freigelassen wurde. Von der Europäischen Union und den USA wird die FARC als Terrororganisation eingestuft.

Erst am vergangenen Montag hatte die zweitgrößte kolumbianische Rebellengruppe der Regierung des Landes einen Waffenstillstand angeboten. In einem Schreiben erklärte die linksgerichtete Nationale Befreiungsarmee (ELN), sie werde auf weitere Angriffe verzichten, wenn die politische Führung in Bogota Friedensgesprächen zustimme. Die ELN hat Schätzungen zufolge mindestens 3000 Kämpfer in ihren Reihen und hatte die Zahl ihrer Anschläge in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht.

qu/gmf (rtr,dpa,dapd,afp)