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Amerika

FARC-Rebellen lassen Geiseln frei

Mit viertägiger Verspätung ist in dieser Woche die erste Freilassung von FARC-Geiseln seit Amtsantritt von Präsident Santos beendet worden. Sechs Gefangene wurden ohne Gegenleistung durch die Regierung freigelassen.

Marcos Baquero, eine der sechs Geiseln, die die FARC in dieser Woche freigelassen hat (Foto: AP)

Marcos Baquero, eine der sechs Geiseln, die die FARC in dieser Woche freigelassen hat

Bei den Geiseln handelt es sich um zwei Lokalpolitiker, zwei Militärangehörige und zwei Polizisten. Einige von ihnen waren vor über drei Jahren durch die FARC entführt worden. Einzige Bedingung war, dass die Armee ihre Operationen gegen die FARC während der Übergaben einstellt, berichteten kolumbianische Medien. Die Freilassungen waren nach Genehmigung durch die Regierung unter Vermittlung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes und der früheren Senatorin Piedad Córdoba zustande gekommen.

FARC setzen auf Verhandlungen

Mit der "Geste des guten Willens" wollen die Rebellen nach Einschätzung politischer Beobachter die Voraussetzungen für Friedensgespräche verbessern und ihr Image aufpolieren. Allerdings bewirken die Details, die die Freigelassenen aus der Zeit ihrer Geiselhaft im Dschungel erzählen, eher das Gegenteil. Der Kommunalpolitiker Armando Acuña berichtete gegenüber der Presse über grausame Methoden der Rebellen. Aber er rief die Kolumbianer auch zur Beendigung des bewaffneten Konfliktes auf: "Ich habe am eigenen Leib die Härte des Krieges erlebt und rufe die Kolumbianer um des Friedens Willen zur Einheit auf." Nach offiziellen Angaben befinden sich jetzt noch sechzehn Uniformierte und eine unbekannte Zahl von Zivilisten in der Gewalt der Rebellen.

Angehörige der FARC-Rebellen bewachen ein Dschungelcamp, in dem Geiseln gefangen gehalten werden (Foto: AP)

16 Militärs und zahlreiche Zivilisten sollen sich noch in den Händen der FARC-Guerilla befinden

Staatspräsident Santos hatte der Gruppierung Verhandlungen für den Fall angeboten, dass sie alle Geiseln entlassen. Nachdem eine Übergabe der beiden zuletzt befreiten Gefangenen zunächst gescheitert war, hatte er die Aktion als "Show" der Guerilla bezeichnet, deren Wiederholung er keinesfalls dulden würde.

Zuletzt hatte die FARC im März 2010 eine Geisel freigelassen: nach zwölf Jahren konnte damals Unteroffizier Pablo Moncayo zu seiner Familien zurückkehren. Insgesamt hat die FARC seit 2008 vierzehn Geiseln ohne Gegenleistung freigelassen.

EU fordert Freilassung aller Geiseln

Die Europäische Union zeigte sich zufrieden über die Befreiung der sechs FARC-Geiseln. Die bedingungslose Freilassung sei "ein wichtiger Schritt hin zur Umsetzung des internationalen humanitären Rechts", hieß es in einer Erklärung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Die Umstände der Übergabe der Geiseln an die Vertreter des Roten Kreuzes ließen jedoch Zweifel am guten Willen der FARC aufkommen, so das Kommuniqué weiter. Die letzten beiden Geiseln waren erst vier Tage nach dem vereinbarten Zeitpunkt befreit worden, angeblich weil es zu Missverständnissen über Ort und Zeitpunkt der Übergabe gekommen sein soll.

Die EU forderte die "sofortige" Freilassung aller noch in den Händen der Rebellen befindlichen Personen und kritisierte in diesem Zusammenhang die Entführung von zwei Arbeiten zu Beginn der Woche, noch bevor die letzten der sechs Geiseln freigekommen waren. Catherine Ashton versicherte die kolumbianische Regierung der weiteren Unterstützung durch die EU im "Kampf gegen den Terrorismus, mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens."

Santos weist Ratschläge von außen zurück

"Niemand, weder aus dem Ausland noch im Inland, wird uns Vorgaben für einen Dialog mit der FARC-Guerilla" machen, teilte Präsident Juan Manuel Santos mit. Die Tür zu Verhandlungen werde nur unter bestimmte Bedingungen geöffnet, so der Staatschef auf einer öffentlichen Veranstaltung in Villa de Leyva im Osten Kolumbiens. "Der Schlüssel zu einem möglichen Dialog liegt zwar nicht auf dem Meeresgrund, aber die Tür ist zu und solange unsere Bedingungen nicht erfüllt werden, wird sie sich auch nicht öffnen"“, machte Santos deutlich. Als Bedingung fordert die Regierung die Abkehr der FARC "vom Terrorismus, von den Entführungen, vom Drogenschmuggel und der Erpressung".

Der kolumbianische Präsdint Juan Manuel Santos (Foto: AP)

Der kolumbianische Präsdint Juan Manuel Santos will nur unter Vorbehalt mit der FARC verhandeln

Geschwächte Rebellen

Santos' Amtsvorgänger Alvaro Uribe hatte während seiner achtjährigen Präsidentschaft (2002 – 2010) eine Politik der harten Hand gegenüber der FARC verfolgt: Es gab keinerlei Verhandlungen, statt dessen wurden die Rebellen mit militärischer Gewalt aus den Städten und urbanen Zentren des Landes vertrieben und in immer entlegenere Teile des Dschungels zurückgedrängt. "Die FARC hat begriffen, dass die Geiselnahme als Druckmittel nicht mehr funktioniert und von der Gesellschaft auch nicht mehr akzeptiert wird", so Patricia Vervauwhede von der belgischen Nichtregierungsorganisation Broederlijk Delen gegenüber DW-WORLD.de. Die erfolgreiche Befreiung der einstigen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt nach sechsjähriger Geiselhaft im Juli 2008 habe Uribe in die Botschaft umgemünzt, mit der FARC könne man nicht verhandeln.

Unter dem jetzige Präsidenten Santos hingegen zeichne sich ein vorsichtiger Wandel der Strategie gegenüber den Rebellen ab. Allein die Tatsache, dass die Regierung zugestimmt habe, die Militäraktionen gegen die FARC während der Dauer der Geiselbefreiung einzustellen, sein ein wichtiges Indiz, so Patricia Vervauwhede, die bei Broederlijk Delen für Ecuador und Kolumbien zuständig ist. Sie fordert von der EU eine aktive Vermittlerrolle im Dialog zwischen Regierung und Rebellen in Kolumbien.

Autorin: Mirjam Gehrke
Redaktion: Anne Herrberg

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