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Amerika

FARC bekennt sich zu Massaker an Ureinwohnern

Die kolumbianische Guerrilla will Gebiete der Ureinwohner unter ihre Kontrolle bringen. Wer sich widersetzt wird ermordet.

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Zerstörte Dörfer als Racheaktion der FARC für vermeintliche Kollaboration mit dem Militär

Die Guerrilla-Organisation bekannte sich in einer offiziellen Erklärung zum Mord an acht Indios in der südwestlichen Provinz Nariño. Beobachter sprechen von 27 getöteten Indios. Nach eigenen Angaben entkommene Ureinwohner berichteten zudem, die FARC habe mehrere Awa-Indios gefoltert.

In einer via Internet verbreiteten Erklärung übernahm die FARC die Verantwortung für das Massaker. Sie beschuldigte die Angehörigen des Awa-Stammes der Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Armee. Deren General Freddy Padilla de Leon dementierte eine Verbindung zu den Getöteten.

Kolumbien, Geiselfreilassung

Freilassung von Geiseln: nur ein Ablenkungsmanöver der FARC?

Neue Strategie

Die linksgerichtete FARC-Guerrilla in Kolumbien verfolgt angesichts des massiven militärischen Vorgehens durch die Regierung Uribe seit einem Jahr eine neue Strategie. Erklärtes Ziel ist es jetzt, die von Ureinwohnern besiedelten Gebiete im Südwesten des Landes zu besetzen und die dort lebenden Bauern zwangszurekrutieren. Die jedoch widersetzen sich der FARC. Viele von ihnen bezahlen den Widerstand mit dem Leben.

Die kolumbianische Tageszeitung 'El Tiempo' zitiert aus dem E-Mail-Verkehr zwischen dem neuen FARC-Chef Alfonso Cano und seinen Kommandanten. Darin werden die Kämpfer dazu aufgerufen "von Ureinwohnern bewohntes Gebiet zurückzuerobern und diese dazu aufzurufen, sich mit der Guerrilla zu solidarisieren und den Kampf der FARC zu unterstützen." Die neue Strategie sieht vor, die Ureinwohner für den Kampf zu rekrutieren.

Des weiteren sehen die Anweisungen von Guerrilla-Chef Cano vor, die strategisch wichtigen Korridore durch die südlichen Provinzen Nariño, Cauca und Valle unter Kontrolle der FARC zu bringen. Die Verbindungen vom Hinterland zur Pazifikküste sind von großer Bedeutung für den Drogenschmuggel. Laut 'El Tiempo' gibt es in dem von der Armee beschagnahmten E-Mail-Verkehr zwischen den Guerilla-Kommandanten klare Anweisungen "den Koka-Markt um jeden Preis zu verteidigen." Der in Bogotá erscheinenden Zeitung zufolge heißt es darin weiter, es gehe darum "die bürgerliche, konsumorientierte Jugend (in den USA) zu zerstören und den natürlichen Feind unserer bolivarischen Revolution auszuschalten."

FARC-Chef Manuel Marulanda

Nach dem Tod des ehemaligen FARC-Chefs Manuel Marulanda hat sein Nachfolger Alfonso Cano eine neue Strategie ausgerufen: Krieg gegen die Ureinwohner.

Diese Anspielung zielt auf das vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez ausgerufene Projekt des Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Chávez sieht sich selbst als politischer Erbe des lateinamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar, der Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Bolivien Anfang des 19. Jahrhunderts von der spanischen Kolonialherrschaft befreite.

Kleinbauern und Händler

Die Awá leben relativ zurückgezogen in der Provinz Nariño an der Grenze zu Ecuador, wo sie kleinbäuerliche Landwirtschaft und Handel betreiben. Durch ihr Siedlungsgebiet führt die Straße, die die Küstenstadt Tumaco mit der Provinzhauptstadt Pasto verbindet. In der schwer zugänglichen Region im Südwesten Kolumbiens gibt es 26 Schutzgebiete für die Awá, wo schätzungsweise 30 000 Menschen leben.

Doch die von der kolumbianischen Verfassung garantierte Selbstverwaltung wird sowohl von der FARC als auch vom Militär, bzw. paramilitärischen Einheiten zunehmend ausgehöhlt, erklärt der Politikwissenschaftler Theodor Rathgeber. “Diese Autonomie ist ein Dorn im Auge der Guerrilla, die das politische Sagen über das ganze Gebiet beansprucht, in dem sie aktiv sind.“

Diese Selbstverwaltung berührt auf der anderen Seite auch staatliche Interessen, wenn es zum Beispiel um militärische Aktionen geht, erläutert Theodor Rathgeber im DW-Interview. “Die indigenen Dorfältesten sind der Meinung, dass sie zu fragen sind, wenn das Militär auf ihren Gebieten Operationen durchführt, wenn sie Gemeindehäuser beschlagnahmen oder wenn sie sich in die Familienhäuser einquartieren, wie Anfang Februar geschehen, was dann den Rückschlag durch die Guerrilla ausgelöst hat.“ Die indigenen Völker befinden sich in einem Konflikt, dessen Wurzeln Jahrzehnte zurückreichen, so Theodor Rathgeber, und der nicht gelöst werden kann, solange die FARC-Guerrilla international weiterhin politische Unterstützung genießt.

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