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Wirtschaft

Farbenfrohes Fußballfest

Im Johannesburger Soccer-City-Stadion werden Auftakt- und Endspiel der Fifa-Fußball-WM ausgetragen. Von außen leuchtet die Arena rot, gelb und braun. Die Farbe dafür kommt aus Deutschland

Soccer City Stadion Johannesburg (Foto: South Africa Tourism)

Soccer City Stadion Johannesburg

Beschreibung Made in Germany auf Versandsack voller Farbpulver bei Lanxess in Krefeld (Foto: DW)

Versandsack voller Farbpulver

Wenn in Johannesburg während des Fußball-Weltturniers das Soccer-City-Stadion unter den Jubelstürmen der Fans erzittert und die ganze Welt zuschaut, wird sich Wilfried Burow in Krefeld vor seinem Fernseher zurücklehnen und sich freuen. Ein bisschen stolz ist er schon, gibt der Chemiker zu. Immerhin hat seine Firma Lannxess dafür gesorgt, dass das Soccer-City-Stadion in Johannesburg alles andere ist als grauer Beton. Die 28.000 Quadratmeter Außenseite der Arena wurden mit Unmengen kleiner, bunter Betonplatten verkleidet - und die Farbe dafür kam direkt aus dem Krefelder Chemiekonzern.

Bunter Beton

Die deutsche Firma gilt als der größte Hersteller anorganischer Pigmente weltweit. Es geht um synthetische Eisenoxide in den Farben Rot, Gelb, Braun und Schwarz und um das grüne Chromoxid. Trotz einiger Produktionsanlagen im Ausland: 80 Prozent der Farbpigmente werden nach wie vor am Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Krefeld hergestellt.

Farbmaschine bei Lanxess (Foto: DW)

Farbmaschine bei Lanxess

Mit einem lauten Schmatzen klatscht dort die gelbe Farbe an die Kesselwand. Immer und immer wieder wird sie gequirlt, spritzt hoch, fällt dumpf blubbernd in sich zusammen. Die ganze Produktionshalle ist mit gelben Farbspritzern übersät, die Decke, die Maschinen sowieso. In der Nachbarhalle ist alles rot gefärbt.

Farbe aus Müll

Das Besondere an der Farbe aus Krefeld: Sie entsteht aus einem Abfallprodukt. Lastwagen und Güterzüge bringen tonnenweise Metallabfälle auf das Produktionsgelände. Die Stahlschnipsel und Eisenstückchen sind Reste aus der Automobil- und Stahlindustrie, kleine Verschnittteile, die niemand mehr braucht - eigentlich.

Eiffelturm in Paris (Foto: dpa)

Geschützt mit Farbe aus Krefeld: Eiffelturm in Paris

Denn in Krefeld werden die Metallabfälle in eine spezielle Lösung gelegt, Salze hinzugegeben. Ein chemischer Prozess löst die Eisenstücke auf. Übrig bleibt Farbe, Eisenoxid, je nach Zusammensetzung in Rot, Gelb, Schwarz oder Braun. Jetzt werden in vielen Verarbeitungsstufen die übrig gebliebenen Salze aus der Farbe herausgefiltert. Am Ende wird die Farbe getrocknet. Heraus kommt ein farbintensives Pulver, das in Säcken verpackt in die ganze Welt verschifft werden kann. Je nach Bedarf können die Pigmente dann Betonmischungen beigefügt oder mit Wasser wieder aufgerührt werden. So wurde mit Krefelder Farbe erst kürzlich der Pariser Eiffelturm neu gestrichen.

Tontopf als WM-Stadion

In Johannesburg hat die Farbe eine ganze besondere Wirkung: Durch die gedeckten Rot-, Gelb- und Braun-Töne, zusammengesetzt wie ein Mosaik, erinnert das Stadion an eine "Calabasch", den traditionellen afrikanischen Tontopf. Damit soll es sich tagsüber perfekt der afrikanischen Landschaft anpassen. Nachts lassen die dünnen Betonplatten etwas Licht hindurch, so dass das Stadion geheimnisvoll schimmert. Und so viel es im afrikanischen Winter auch regnen mag: Abgewaschen werden kann die Farbe nicht. Die Pigmente der deutschen Chemiefirma wurden direkt mit der Betonmasse vermischt und sind damit genauso haltbar wie die gesamte Bausubstanz.

Alles, nur nicht grau

"Unser Engagement bei der Fußball-WM motiviert unsere Mitarbeiter enorm", sagt Jörg Hellwig, Manager in Krefeld. "Wir Deutschen sind derart fußballbegeistert. Dass dann der Arbeitgeber für die Farbe des WM-Stadions sorgt, kommt wirklich gut an." Der Manager hat als Jugendlicher selbst begeistert Fußball gespielt – und ist froh, dass die Zeit grauer Stadien und hässlicher Kunstrasen endgültig vorbei ist.

Grasgrüner Kunstrasen

Kunstrasen auf Fußballplatz (Foto: dpa)

Erstmals darf auf Kunstrasen gespielt werden

Auch beim Rasen hat der deutsche Chemiekonzern mitgemischt - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn erstmals in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaft hat es die Fifa in diesem Jahr erlaubt, dass die Spiele auf Kunstrasen ausgetragen werden. "Die Qualität des Kunstrasens wurde in den vergangenen Jahren erheblich verbessert", so Hellwig. "Heute verbrennt sich keiner mehr die Haut, wenn man auf Plastikrasen ausrutscht.

Die Ähnlichkeit zu echtem Gras ist enorm. "Mit dem entscheidenden Unterschied, dass Kunstrasen nicht nach jedem Spiel ausgetauscht werden muss. Außerdem muss er nicht bewässert werden. "Unter ökologischen Gesichtspunkten ist Kunstrasen besonders in Afrika absolut sinnvoll." Nur - egal ob künstlich oder nicht: Gras sollte grün sein. Saftig grasgrün. Die Farbe für den südafrikanischen Kunstrasen kommt auch aus Krefeld. Ebenso die Farbe für die Lärmschutzmauern, für die Sitzschalen, für die Pflastersteine vor den Stadien. Der deutsche Chemiegigant hat Südafrika zur Weltmeisterschaft an vielen Stellen ein Stück bunter gemacht.

Autorin: Anna Kuhn-Osuis

Redaktion: Klaus Ulrich

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