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Fokus Osteuropa

Fans oder Rassisten im russischen Fußball?

Wie stark Fußballfans und Rechtsradikale in Russland miteinander verwoben sind, ist unter Experten umstritten. Einig sind sie sich darin, dass Fans, Nationalisten und Skins oft schlecht voneinander abzugrenzen sind.

Ausschreitungen in Moskau von Fußballfans und Rechtsextremisten (Foto: dpa)

Krawalle von Fußballfans und Rechtsradikalen in Moskau

Fußballfans und Rechtsradikale seien in Russland oft gar nicht mehr voneinander zu unterscheiden, meint die russische Politikexpertin Galina Koschewnikowa vom Moskauer Sowa-Forschungszentrum. "Die Fan-Gruppierungen bestehen zu 80 Prozent aus Rechtsradikalen. Bei jedem Spiel der russischen Meisterschaft sind rassistische Transparente zu sehen", sagte sie im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Aufmarsch einer rusischen rechtsextremen Gruppierung (Foto: AP)

Rechtsextreme Gruppierungen umwerben Fußballfans

Dass vier von fünf Besuchern im Stadion radikale Nationalisten sein sollen, glaubt Aleksej Tarasenko vom Russischen Fußballverband nicht. Gegenüber der Deutschen Welle betonte er, die Anzahl fremdenfeindlicher Straftaten seien in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, dank höherer Strafen für Fußballklubs, deren Fans bei fremdenfeindlichen Aktionen auffielen.

Tarasenko gab allerdings zu, es sei nicht ganz zu vermeiden, dass sich radikale Nationalisten unter Fußballfans mischten. Verantwortlich dafür sei aber nicht der Fußballverband, sondern dies sei vielmehr eine Folge einer verfehlten Jugend- und Sozialpolitik der Regierung. Solange es keine staatliche Jugendarbeit gebe, werde es nicht gelingen, junge Menschen von Aktionen radikaler Nationalisten fernzuhalten, glaubt Tarasenko

Soziale Nähe zwischen Fans und Skins

Viele Fußballfans würden aus armen Familien stammen und meist am Rande Moskaus leben, erläuterte Andrej Tichonow, der einen Fanclub von Spartak Moskau leitet. In den Vorstädten bestehe eine soziale Nähe zwischen Fußballfans und Skins. Dies habe zur Folge, dass die Fans oft in der Subkultur der Skins aufgehen würden. "Die Fans haben keine eigentliche Subkultur und sie werden oft von der Subkultur der Skins einfach aufgesogen", so Tichonow.

Ihm zufolge liegt es in der Natur des sportlichen Wettkampfs, dass man "Fremde" besiegen will. Dies machten sich nationalistische Bewegungen zunutze. "Wenn die Fans 'Vorwärts, Russen!' schreien, dann bedeutet dies nur, dass man sich den Sieg der russischen Mannschaft wünscht. In dem Fall ist das keine nationalistische Losung", so Tichonow. Da aber radikale Nationalisten gleiche Parolen hätten, würde Verwirrung entstehen.

Organisierte Netzwerke im Visier

Gregorij Telingater von der russischen Zeitung Sport-Express ist nicht der Meinung, dass sich Fußballfans und Rechtsradikale zunehmend vermischen. Das Gegenteil sei der Fall. In letzter Zeit würden junge Menschen immer stärker zwischen Politik und Fußball unterscheiden. "Unter den Fußballfans gehört Nationalismus nicht mehr zum guten Ton, wenn man das so sagen darf", so der Experte. Zwar hätten immer noch viele Fans Verbindungen zu verschiedenen rechtsradikalen Bewegungen, aber immer mehr Fans würden sich von ihnen distanzieren.

Portrait von Galina Koschewnikowa (Foto: DW)

Koschewnikowa: 80 Prozent der Fans sind Rechtsradikale

Dennoch bestehe nach wie vor das Problem, so Telingater, dass sich Fußballfans außerhalb des Stadions oft an Aktionen von Nationalisten beteiligten. "Die Fans können sich organisiert versammeln, sie pflegen Kontakt über das Internet, verabreden sich" sagte er. Diese Netzwerke würden aber auch diejenigen ausnutzen, die Kundgebungen organisierten - ob regierungsfreundliche, regierungsfeindliche oder nationalistische, so der Journalist.

Die gut organisierten Fans würden aber besonders rechtsradikale Gruppierungen umwerben, so die Politikexpertin Koschewnikowa. Die Krawalle Ende des Jahres in Moskau seien ein Beispiel dafür. Im Dezember 2010 war es zu gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Fußballfans und kaukasischstämmigen Jugendlichen gekommen. An den Unruhen waren auch viele Ultranationalisten beteiligt. "Das brauchen vor allem die Rechtsradikalen, um sagen zu können, dass sie so zahlreich seien", so die Expertin.

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Gero Rueter

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