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Wirtschaft

Familienunternehmen trotzen europäischer Krise

Der Staatsschuldenkrise zum Trotz geht es der deutschen Wirtschaft gut. Besonders erfolgreich sind die großen Familienunternehmen. Sie wollen weiter modernisieren, wachsen und einstellen. Außer in Griechenland.

In Deutschland gibt es rund 3,7 Millionen Unternehmen. 95 Prozent davon befinden sich in Familienbesitz oder werden maßgeblich von einer Familie gesteuert. Wirtschaftlich besonders interessant sind unter den Familienbetrieben die ganz großen, das sind Unternehmen, die im Jahr mehr als 50 Millionen Euro Umsatz machen. Zu ihnen gehören beispielsweise so bekannte Namen wie BMW, Miele, Dr. Oetker und Bahlsen.

Bezogen auf alle Unternehmen würden die Großen zwar gerade einmal 0,1 Prozent aller deutschen Unternehmen ausmachen, erklärt Frank Wallau vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Volkswirtschaftlich gesehen hätten sie aber eine enorme Bedeutung. "Rund jeder fünfte Euro in Deutschland wird durch sie umgesetzt und rund jeder siebte sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet für ein großes Familienunternehmen."

Seit vier Jahren analysiert Wallau einmal im Jahr im Auftrag der Deutschen Bank und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie die Lage der 400 größten Familienunternehmen in Deutschland. Nach der aktuellen Umfrage beurteilen fast Dreiviertel der befragten Firmenchefs ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut. Etwa jedes zweite Unternehmen will mehr investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.

Unternehmen mit Bodenhaftung

Beispielhaft für diese Entwicklung steht Arndt G. Kirchhoff, der mit seinem Konzern Automobilteile, Werkzeug, Abfallsammelmaschinen und Fahrzeugumbauten für gehandicapte Menschen herstellt. "Unsere Stärken sind die Standortverbundenheit, eine langfristige Geschäftsausrichtung, Wertorientierung und relativ flache Hierarchien." Die langfristige Perspektive stehe vor kurzfristigem Gewinnstreben, betont Kirchhoff, denn das Ziel sei vor allem immer, das Unternehmen in die nächste Generation zu übertragen. Daher würden auch nur bedingt Dividenden ausgeschüttet. "Die langfristige Geschäftsausrichtung treibt natürlich auch die Innovationen an. Wir sind immer darauf bedacht, dass wir das Produkt der nächsten Generation auf keinen Fall verpassen und die Marktgeschwindigkeiten sind hoch und wir müssen uns ständig anpassen."

Eine griechische Euro-Münze neben einer Sanduhr, Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Bleibt Griechenland in der Euro-Zone?

Neun von zehn der großen deutschen Familienunternehmen machen Geschäfte im Ausland. Ihre besten Kunden sitzen nach wie vor in Europa, vor allem in Frankreich, dicht gefolgt von China, den USA und Russland. Familienunternehmer Kirchhoff sagt, er beobachte die Lage in den südeuropäischen Euro-Krisenländern mit wachsender Sorge. Wenn die Banken in Spanien kein Geld mehr an die Wirtschaft verleihen würden, dann könnten seine Kunden dort nicht mehr zahlen und auch für die Lieferanten werde es eng.

Sonderfall Griechenland

In Griechenland ist das bereits der Fall. Dort geht es inzwischen um viel mehr, nämlich den Verbleib des Landes in der Euro-Zone. Das habe bereits Konsequenzen, sagt Jürgen Fitschen, der designierte Chef der Deutschen Bank. Auch die deutschen Familienunternehmen würden sich diese Frage stellen und sich nicht nur Gedanken darüber machen, sondern auch handeln. "Ganz simpel ausgedrückt versuchen sie alle liquiden Mittel aus diesen Ländern rauszuziehen, weil sie damit ihr eigenes Risiko minimieren für den Fall, dass wieder die Drachme eingeführt wird." Es sei ja die spannende Frage, welchen Kurs die Drachme dann hätte und wie die Unternehmen dann ihre Euro zurückbekommen, die sie noch in Griechenland haben, so Fitschen. Immer häufiger würden auch die Vertragsbedingungen verändert, die Unternehmen wollten in jedem Fall sicherstellen, dass ihre Forderungen in Euro bedient würden.

Vollkommen unbeschädigt würden die deutschen Familienunternehmen daher nicht aus der Krise hervorgehen, meint Fitschen. Allerdings erwarten zwei Drittel der Firmen trotz der Probleme auf den europäischen Absatzmärkten, dass sie ihre derzeitige Exportquote im laufenden Jahr halten können. Rund ein Drittel rechnet der Umfrage zufolge sogar mit einer steigenden Ausfuhrquote in 2012.

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