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Wirtschaft

Familienunternehmen trotzen der Krise

Fast jedes zweite Unternehmen klagt, dass es schwierig ist, einen Bankkredit zu bekommen. Von großen deutschen Familienunternehmen hört man solche Klagen kaum. Denn sie haben, was anderen oft fehlt: Eigenkapital.

Einkaufswagen eines Tengelmann-Supermarktes (Foto: AP)

Jedes Familienunternehmen geht auf seine Weise durch die Krise

Automobilteile, Werkzeuge, Abfallsammelmaschinen, Fahrzeugumbauten für gehandicapte Menschen - der deutsche Kirchhoff-Konzern ist breit aufgestellt. Von China über Amerika bis zum Schwerpunkt Europa, weltweit wird mit 4.200 Mitarbeitern in 39 Werken produziert.

Gebündelte Euro-Scheine (Foto: dpa)

Wer mehr Geld will, muss Eigenkapital haben

Trotzdem ist Kirchhoff ein traditionelles Familienunternehmen. An der Spitze ein Vater und seine drei Söhne. Einer von ihnen ist der geschäftsführende Gesellschafter Arndt G. Kirchhoff. Wegen der Wirtschaftskrise hätten ihre Expansionspläne zwar einen Dämpfer erlitten, im vergangenen Jahr konnte der Konzern aber dennoch 66 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. "Sie sehen mich hier ganz fröhlich stehen", kokettiert Kirchhoff. Weil sie mehrere Branchen hätten, die unterschiedlich auf die Krise reagiert hätten, sei das Unternehmen insgesamt stabil geblieben.

Direkte Nachbarn: Rekordjahr und Überlebenskampf

Kirchhoff ist eines von rund 2.700 großen deutschen Familienunternehmen. Sie sind oft wenig bekannt, dafür insgesamt aber sehr erfolgreich und innovativ. Sie stellen nur 0,1 Prozent der Unternehmen, dennoch entfielen im Jahr 2007 auf sie, 18 Prozent der Gesamtumsätze und etwa ein Siebtel aller Beschäftigten. Die Krise hätten die großen Familienunternehmen unterschiedlich gemeistert, sagt Jürgen Fitschen, der im Vorstand der Deutschen Bank für das Deutschland-Geschäft zuständig ist. Er kenne eine ganze Reihe Unternehmen, die auch die letzten beiden Jahre gut über die Runden gebracht hätten. Viele berichteten sogar von einem Rekordjahr. "Aber gleichzeitig gibt es viel mehr Unternehmen, die ums Überleben kämpfen."

Je mehr Eigenkapital, desto eher fließt Geld

Hand mit Stempel über Steuererklärung (Foto: dpa)

Viel Eigenkapital kostet viel Steuern

Dreh- und Angelpunkt ist das Eigenkapital, also das Firmenvermögen, das nach Abzug aller Schulden übrig bleibt. Wenn ein Unternehmen bei seiner Bank einen neuen Kredit beantragt, dann will die Bank wissen, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals an der gesamten Bilanz des Unternehmens ist. Dabei gilt: Je höher, desto besser, denn wer wenig Eigenkapital vorweisen kann, der bekommt nicht nur schwerer einen Kredit, sondern der muss der Bank auch mehr dafür bezahlen.

Bei der letzten - deutlich kleineren - Wirtschaftskrise 2001 hoben die Unternehmer ihre Eigenkapitalquote im Schnitt auf zehn bis 15 Prozent an. Dann kam die große Krise 2008: Die Quote stieg auf 20 bis 25 Prozent, bei Familienunternehmen sogar auf bis zu 35 Prozent. "Ich kann ihnen aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es besser ist, 50 oder 60 Prozent zu haben, dann kommen sie auch besser mit den Banken klar“, sagt Kirchhoff.

Steuern machen Eigenkapitalquote zunichte

Ein Leibniz-Keks wird im Forschungslabor der Bahlsen AG in Hannover in einem so genannten Texture Analyser zerbrochen (Foto: dpa)

Familienunternehmen wie Bahlsen forschen überdurchschnittlich viel

Familienunternehmen finanzieren sich traditionell besonders häufig über Bankkredite. Sie scheuen in der Regel davor zurück, fremde Gesellschafter aufzunehmen, oder andere Kapitalgeber an der Firma zu beteiligen. Ein Grund mehr, so Kirchhoff, die Gewinne in der Firma zu belassen und damit die Eigenkapitalquote zu steigern. Doch dadurch entsteht den Unternehmen ein Nachteil: Für Eigenkapital zahle man mehr Steuern als für Fremdkapital. "Die Eigenkapitalbildung wird weggesteuert, wenn sie den Gewinn im Unternehmen lassen", empört sich Kirchhoff und fordert die steuerliche Gleichstellung.

Eine steuerliche Förderung wünscht sich Kirchhoff aber nicht nur für die Bildung von mehr Eigenkapital, sondern auch für die Forschung. Große Familienunternehmen investieren überdurchschnittlich stark in ihre Zukunft und geben im Durchschnitt fast fünf Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Die entsprechende Quote im Durchschnitt aller deutschen Unternehmen liegt nur bei 3,9 Prozent. Wenn der Staat die Forschung zum Beispiel mit Hilfe von Steuergutschriften für einen Teil der nachgewiesenen Ausgaben fördern würde, so Kirchhoff, dann müsste er zwar zunächst auf vier Milliarden Euro Steuern verzichten. In Zukunft könnten sich aber aus der Forschungsförderung zwölf Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung ergeben.

Autor: Sabine Kinkartz
Redaktion: Zhang Danhong

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