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Politik & Gesellschaft

Familien der Attentatsopfer auf Todesinsel

Vier Wochen nach dem Blutbad in Norwegen haben Angehörige der Opfer die Insel Utøya aufgesucht - den Ort des Massakers. In dem Land haben dreitägige Trauerfeiern begonnen, am Sonntag ist eine Gedenkzeremonie geplant.

Angehörige der Terroropfer werden zur Insel Utøya gebracht (Foto: dapd)

Zum ersten Mal sehen die Hinterbliebenen den Ort, wo ihre Angehörigen starben

Gedenken am Ort des Geschehens: Die Familien der getöteten Jugendlichen wurden am Freitag (19.08.2011) mit einer Fähre und einem Militärschiff auf die 40 Kilometer von der Hauptstadt Oslo entfernte Insel Utøya gebracht. Dort hatte der mutmaßliche Attentäter Anders Behring Breivik im Juni 69 Menschen erschossen.

Für die Trauernden standen Mediziner, Psychologen, freiwillige Helfer vom Roten Kreuz, Pastoren und Imame bereit. Auch die Polizei war vor Ort, um auf mögliche Fragen der Angehörigen antworten zu können. Polizisten sollten ihnen zudem zeigen, an welchem Ort der Insel sie die Toten gefunden hatten. Von den insgesamt 69 direkt betroffenen Familien wollten 50 den Ort des Massakers besuchen. "Ich glaube, dass der Besuch den Trauernden viel bedeutet", sagte Gesundheitsministerin Anne-Grete Strøm-Erichsen dem norwegischen Fernsehsender NRK. "Sie können sehen, wo ihre Angehörigen ihre letzten Tage verbracht haben."

500 Trauende auf der Insel erwartet

Blumen, Kerzen und Flaggen zum Gedenken an die Opfer (Foto: dpa)

Blumen, Kerzen und Flaggen - Norwegen trauert

Die Angehörigen durften Utøya seit dem Attentat zum ersten Mal besuchen. Seit der Schießerei haben die Behörden die Insel von Hunderten Patronenhülsen gesäubert und die Spuren des Blutbads beseitigt. Der Besuch der Angehörigen wurde vom norwegischen Zivilschutz organisiert. Erwartet wurden rund 500 Menschen.

Am Samstag wollen auch die Überlebenden des Attentats auf die Insel zurückkehren, den Ort, an dem sich ihr Leben so dramatisch veränderte. Am Sonntag ist eine nationale Gedenkveranstaltung in Oslo geplant. Vertreter der Regierung, des norwegischen Königshauses sowie Familien der Opfer, Überlebende und Rettungskräfte nehmen daran teil.

Attentäter bleibt in Einzelhaft

Die Insel Utøya (Foto: dapd)

Die Insel Utøya - der Ort des Massakers

Vor einem Osloer Gericht wurde am Freitag darüber verhandelt, ob der Attentäter weiterhin in Einzelhaft bleibt. Dazu wurde er hinter verschlossenen Türen erneut angehört. Das Gericht in Oslo entschied anschließend, dass Breivik noch einen weiteren Monat in Isolationshaft bleiben muss. Der Richter begründete dies mit der Gefahr, dass Beweise verschwinden könnten, falls Breivik die Möglichkeit erhält, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Der Angeklagte hatte ein Ende der Isolationshaft beantragt. Bei der Anhörung sagte er, die völlige Abschottung sei eine "sadistische Foltermethode".

Der 32-jährige Breivik hat im Polizeiverhör gestanden, am 22. Juli im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und anschließend unter Jugendlichen das Massaker auf Utøya angerichtet zu haben. Bei den Explosionen starben acht Menschen, 69 weitere Menschen erschoss der Attentäter auf der Insel. Die meisten Opfer auf der Insel waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren. Sie hatten dort an einem Ferienlager der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen.

Attentäter erst nächstes Jahr vor Gericht

Auf dem Weg zur Verhörung: der mutmaßliche Attentäter Anders Behring Breivik (Foto: dapd)

Auf dem Weg zum Verhör: der mutmaßliche Attentäter Anders Behring Breivik

Der Attentäter soll sich laut Staatsanwaltschaft für jeden Mord einzeln verantworten. Zu einer Verhandlung kommt es wahrscheinlich erst im kommenden Jahr. Möglicherweise wird Breivik wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt. Das würde eine Verurteilung zu 30 Jahren Haft ermöglichen. Breivik gab an, aus Hass auf den Islam und auf die regierenden Sozialdemokraten gehandelt zu haben.

Zur Zeit beschäftigen sich zwei Psychiater mit dem 32-Jährigen. Sie sollen seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und dem Gericht ihr Gutachten bis Anfang November vorlegen. Breiviks 1500-seitiges "Manifest" wird ebenfalls beurteilt werden. Es könnte dabei helfen, den Attentäter und dessen Motive zu beurteilen. In dem online veröffentlichten Schriftstück wendet er sich unter anderem gegen "Kulturmarxismus" und die Einwanderung von Muslimen. Der norwegische Geheimdienst ist der Ansicht, dass Breivik selbstverantwortlich und aus Berechnung tötete. Für seine Behauptung, in Norwegen und im Ausland gewaltbereite Komplizen zu haben, gibt es bislang keine Beweise.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, dapd)

Redaktion: Hajo Felten

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