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Kultur

Familie Popolski: die Erfinder des Pop

We will rock you, Ganz in Weiß, Final Countdown – diese und eigentlich auch alle anderen Top-Hits hat eine verarmte Musikerfamilie aus Polen komponiert: die Popolskis. Mit ihrer Show touren sie jetzt durch Deutschland.

Die Brüder und Musiker Mirek (Mirko van Stiphaut) (l-r), Danusz (Daniel Barrios) und Pavel (Achim Hagemann) Popolski (Foto: dpa)

Der Wodka darf bei der "Popolski Show" nicht fehlen

Das ist also die wahre Geschichte der Popmusik. Nicht in den USA liegt die Wiege des Pop, nein, so gut wie alle Top-Hits der letzten Jahrzehnte stammen von einer völlig unbekannten, verarmten Musikerfamilie aus Polen: den Popolskis. "Unser Opa hat 128.000 Top-Ten-Hits geschrieben", erklärt, Pavel Popolski, "großer Bruder und Oberhaupt der Familie."

Nur leider schafften es die Popolskis nicht, mit Opas Hits Geld zu verdienen, weil die wichtigsten Unterlagen den Brüdern auf listige Weise von einem windigen Gebrauchtwagenhändler entwendet wurden. Pawel Popolski alias Achim Hagemann erläutert: "Wir nehmen damit eigentlich nicht die Polen auf die Schippe. Denn dann würden wir ja nicht die Familie spielen, die die Popmusik erfunden hat, sondern wahrscheinlich eine Familie, die eine Auto-Lackiererei hat."

Kleidung aus den Siebzigern

Die Popolskis vor der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 (Foto: dpa)

2008 gab es für die "Popolski Show" immerhin eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreises

Ein wenig nehmen die Musiker die Polen allerdings schon hoch, gibt er zu, denn Komödie ohne Übertreibung – das funktioniert nicht, sagt Hagemann. "Die Kleidung zum Beispiel ist in Polen natürlich nicht mehr so, die haben wir natürlich aus den Siebzigern irgendwie wieder zurück geholt, aber das gehört halt dazu."

Im März 2008 haben die Musiker es mit ihrer pseudo-polnischen Show ins Spätprogramm des WDR-Fernsehens geschafft, seitdem sind ihre Konzerte oft ausverkauft. An diesem Abend spielt die Familie in der Klosterruine Marienthal, bei Görlitz, keine zehn Kilometer von der Grenze zur Heimat entfernt. Ein Fünftel der Konzertgäste sind mittlerweile tatsächlich aus Polen, sagt Hagemann. An diesem Abend sind es wohl noch mehr. Es ist kurz nach 18.00 Uhr. Die Gäste stehen im Konzertsaal, Sitzplätze gibt es hier nicht. "Damit man tanzen kann. Wir haben auch vor sitzendem Publikum gespielt, aber viele wollen sich bewegen, tanzen und klatschen und im Stehen geht es leichter."

Ohne Wodka geht's nicht

Das erste Klischee gleich zu Beginn: Es geht um Wodka. Die Popolski Brüder servieren dem Publikum den Schnaps in kleinen Plastikbechern und zählen an. Bei "vier" heben alle an, trinken den Wodka in einem Zug. Und dann - wirft jeder seinen leeren Becher über die Schulter. Wer zu langsam trinkt, beglückt seinen Hintermann mit einer Ladung Schnaps. Weglassen konnten sie die Wodka-Nummer einfach nicht, sagt Hagemann, schließlich spielen auch ein paar echte Polen bei der Show mit. "Wenn wir da sagen würden, wir lassen den Wodka weg, sie würden mich alle angucken und sagen, man bist du bescheuert. Die Witze, die die Polen vorschlagen, sind oft härter als die, die wir uns trauen zu bringen."

Vor allem geht es bei der Popolski-Show natürlich um Musik, die Hits in ihrer "richtigen", "ursprünglichen" Form. So wird aus dem Deutschland-sucht-den-Superstar-Hit "We have a dream" (Pavel Popolski: "Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen") eine Metal-Version mit Headbanging. Stücke wie "Final Countdown" und "Crying at the Discotheque" spielen die Popolskis dagegen als ruhige Balladen — gesungen von Cousin Isidor und "Cousinetta" Dorota Popolski.

Popolski-Konzert (Foto: DW)

Ein Fünftel der Konzert-Besucher sind Polen

Achim Hagemann, der älteste der Popolski Brüder, hat in Düsseldorf klassische Musik studiert, danach viel fürs Fernsehen gearbeitet, aber irgendwann wollte er wieder auf die Bühne zurück. So entstand das Projekt "Der Popolski Show." Und die kommt nicht nur beim Publikum an: Mittlerweile wurden die Show schon für diverse Preise nominiert, unter anderem für den rennomierten Grimme-Preis.

Nach einer Stunde ist Pause. Zeit, die Deutsche und Polen zum lebhaften Austausch nutzen: Im Foyer stehen zwölf junge Polinnen, alle in Nationalfarben gekleidet, für das Konzert sind sie über die Grenze gekommen. "Mit Sicherheit ist das nicht unser letztes Mal. Wir haben gehört, dass die Polen die Show nicht verstehen. Obwohl es gar nicht so ist, wie man in Polen sagt, dass man sich hier über die Plattenbauten lustig macht, über polnische Traditionen."

Für sie ist das ganze einfach gute Unterhaltung und das sieht auch der der deutsche Besucher Ludgar Haas so. "Ich finde, die Show macht Lust nach Polen zu fahren und zu sagen: die Musik ist bei euch geil und ich will den Plattenbau sehen."

Autorin: Iwona Metzner

Redaktion: Manfred Götzke