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Wirtschaft

Falsche Fünfziger

Geldfälscher sind wieder aktiver. Aber trotz mehr falschen Euroscheinen ist der Schaden, den sie verursachen gesunken.

500 Euro Scheine

Gefälscht werden mit Vorliebe 50 Euro Scheine

Sie nimmt gewaschene, gerissene, geknitterte Geldscheine an und tauscht sie gegen neue ein – aber für Falschgeld rückt die Bundesbank keinen Ersatz heraus. Wer „Blüten“ im Portemonnaie hat, muss selbst den Schaden tragen. Im vorigen Jahr wurden den Händlern und Tankstellen in Deutschland falsche Geldscheine im Gegenwert von 3,1 Millionen Euro untergeschoben. Der Schaden war geringer als 2008, als er noch bei 3,5 Millionen Euro gelegen hatte, aber die Zahl der einkassierten Fälschungen schnellte um 28 Prozent auf 52.000 falsche Euro-Banknoten hoch.

Mehr Fälschungen, weniger Schaden, das liege daran, dass die Fälscher von den hohen Stückelungen die Finger ließen, sagt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums Falschgeld bei der Bundesbank. Denn: Aus den Werkstätten kommen weniger falsche 100 Euro-Noten, dafür vermehrt solche mit 50 und 20 Euro-Aufdruck. „Dadurch müssen die Fälscher mehr Geldscheine in Umlauf setzen, um den gleichen ‚Gewinn’ zu machen, erklärt Rainer Elm.

Infografik: Falschgeldaufkommen in Deutschland 2. Quartal 2009 (Grafik: DW)

Vor fünf Jahren hatte die Bundesbank rund 81.000 gefälschte Banknoten einkassiert, ein Jahr später mit 74.000 nur geringfügig weniger. Dann sanken die Funde deutlich. Mit der Weltkonjunktur aber habe das nichts zu tun, sagt Elm. Das Auf und Ab der Geldfälscherei hänge vor allem an polizeilichen Fahndungserfolgen. 2004 habe es eine „sehr aktive Fälschergruppe“ aus dem Baltikum gegeben, die ihre Fälschungen in Deutschland „bandenmäßig verbreitet“ habe. Die sei 2005 entdeckt und ausgehoben worden, ebenso ihr Netzwerk, über das das falsche Geld verbreitet wurde. Das habe zwischen 2006 und 2008 zu einem „sehr guten Falschgeldniveau“ in Deutschland geführt. „Das hat sich jetzt erst im letzten Jahr etwas zurückentwickelt nach oben“, so Elm.

Auch jetzt werden die Blüten vor allem im Ausland gedruckt. In Deutschland werden sie nur verteilt. Voriges Jahr kam das falsche Geld vor allem aus Italien, Spanien, Serbien und Bulgarien. Jedenfalls wurden dort Druckplatten, Farben und Spezialpapier sichergestellt und Werkstätten ausgehoben.

Deutschland noch wenig betroffen

Symbolbild: Scheine im Portemonnaie

Deutschland ist im EU Vergleich noch relativ wenig betroffen.

Deutschland ist in der Eurozone nicht das Verteilzentrum schlechthin für falsches Geld. Hier sind voriges Jahr sechs Fälschungen je 10.000 Einwohner entdeckt worden. In der gesamten Währungsunion waren es dagegen 27 falsche Scheine auf 10.000 Einwohner. Die Bundesbank führt die unterdurchschnittliche Betroffenheit auch auf ihre Bemühungen zurück, den Handel darüber zu informieren, wie man Falschgeld erkennt. Sie bietet dem Handel und den Banken kostenlose Schulungen an. Die dauern in der Regel zwei Stunden. Danach, so Elm, „ist man in der Lage, auch im täglichen Berufsalltag, also an der Kasse zum Beispiel, falsche Banknoten schnell zu erkennen.“ An 1.200 solcher Schulungen hätten voriges Jahr rund 25.000 Beschäftigte aus Handel und Kreditwirtschaft teilgenommen.

Das sei ein seht guter Wert, sagt Elm, gleichwohl steigerungsfähig. Doch der Handel muss auch auf andere Betrugsquellen achten: Seine Schäden, die er durch falsches Geld erleidet, sind kleiner als die durch Ladendiebstahl und Betrug mit Kredit- und EC-Karten.

Autor: Michael Braun

Redaktion: Insa Wrede

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