Fallender Ölpreis lässt Ifo-Index steigen | Wirtschaft | DW | 18.12.2014
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Fallender Ölpreis lässt Ifo-Index steigen

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im Dezember weiter gestiegen. Die Unternehmen sehen erwartungsvoll ins nächste halbe Jahr. Für das aktuelle Quartal ist die Stimmung allerdings verhaltener.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Dezember weiter aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich im Dezember zum zweiten Mal in Folge und stieg von 104,7 Punkten im Vormonat auf 105,5 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in München mitteilte.

Die Unternehmen zeigten sich für die kommenden Monate optimistischer als noch im November. Der Erwartungsindex stieg von 99,7 Punkten auf 101,1 Punkte, während der Index für die aktuelle Lage auf dem Vormonatswert von 110,0 Punkten verharrte.

Öl zum halben Preis

Fallende Ölpreise und ein sinkender Euro-Kurs bescheren die deutsche Wirtschaft zur Weihnachtszeit", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn den Anstieg. Sein Institut sieht zunehmend positive Signale für die Konjunktur. "Die Anzeichen einer Trendwende mehren sich", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

In den vergangenen Monaten war der Ölpreis drastisch gesunken und hatte sich fast halbiert. Das dämpft die Energie-und Produktionskosten vieler Unternehmen. Zudem stützt es die Kaufkraft der Konsumenten, die weniger für das Heizen oder Tanken ausgeben müssen.

"Der Absturz des Ölpreises schiebt die Binnennachfrage stärker an, als der Einbruch der russischen Wirtschaft die Exporte belastet", sagte Ökonom Holger Sandte von der Nordea-Bank. "Der tiefere Ölpreis wird auch die Nachfrage bei wichtigen deutschen Handelspartnern wie etwa den USA und Frankreich beleben."

Reißt Russland Deutschland mit?

Im aktuellen Ifo-Geschäftsklimaindex ist der gegenwärtige Verfall des Rubel allerdings noch nicht abgebildet.

Fraglich ist, wie stark der Währungsverfall in Russland die deutsche Wirtschaft noch belasten wird. Der Chefvolkswirt der KfW-Bank, Jörg Zeuner, mahnte angesichts der aktuellen Entwicklung in Russland zur Vorsicht. "Die sich in den letzten Tagen verschärfende Krise in Russland dürfte leider für weitere Verunsicherung bei den deutschen Unternehmen sorgen."

Die Commerzbank sieht die deutsche Wirtschaft aber gewappnet, da sinkende Russland-Exporte den Ifo-Index auch in den vergangenen beiden Jahren nicht gebremst hätten. "Offenbar hat die russische Wirtschaft schon bisher nicht das Gewicht, die deutsche Wirtschaft nach unten zu ziehen", sagte Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Der Ifo-Geschäftsklima-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie aus der Bauwirtschaft werden gebeten, ihre momentane Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. Sie können ihre gegenwärtige Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für das folgende halbe Jahr als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" beurteilen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hatte sich zuletzt sechsmal in Folge verschlechtert, ehe sie sich im November überraschend wieder aufhellte. Andreas Scheuerle von der Dekabank sagte dazu, zwei Anstiege des Ifo-Geschäftsklimas in Folge seien zwar keine Trendwende, die Wahrscheinlichkeit für eine solche sei nun jedoch recht hoch.

jw/hb (afp, dpa, rtr)