1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Fall

Zu einem Fall zu werden, ist meist unangenehm, selbst wenn es nicht gleich ein Todes- oder Mordfall sein muss. Immerhin gibt es auch noch den Glücksfall, der wiederum mit dem Zufall zu tun hat. Klarer Fall, oder?

Wie wird jemand zum Fall? Ist es ein bestürzender, schneller unnatürlicher Tod, ist es der Verdacht, sich am Rande oder gar außerhalb der Legalität zu bewegen beziehungsweise sich bewegt zu haben, oder ist es die Annahme, jemand habe sich in zweifelhafter Weise bewusst Vorteile verschafft, die ohne eine gewisse Machtposition nicht zu erreichen gewesen wären? Jemand ist in solchen und ähnlichen Fällen natürlich nicht irgendjemand, sondern eine Person des öffentlichen Lebens – also der Politik, der Kultur, des Sports, der Medien.

Physikalisch ist der Fall eindeutig …

Wie auch immer und wer auch immer, eins lässt sich auf jeden Fall festhalten: Wer zum Fall wird, befindet sich entweder in einer sehr kritischen und meist für ihn oder sie äußerst nachteiligen Situation oder hinterlässt – so beispielsweise nach einem äußerst ungewöhnlichen Todesfall – der Nachwelt die traurige Pflicht, nach dem Wie und Warum, also den, wie es dann heißt, "tragischen Umständen" zu fragen.

Was die Physik unter dem "Fall" und insbesondere dem "freien Fall" versteht, lässt sich leicht in bildhaften Sprachgebrauch übertragen. "Der freie Fall", sagen die Physiker, "ist der gesetzmäßig beschleunigte Fall eines Körpers, auf den außer der Schwerkraft keine zusätzliche Kraft einwirkt." Mit anderen Worten: Ein freier Fall ist eine unaufhaltsame Bewegung von oben nach unten. Das gilt auch für den Apfel, der im Herbst vom Baum fällt und für alles andere Obst auch. "Fallobst" sagt man.

… juristisch nicht immer

Der Fall ist, dramatisch ausgedrückt, der Sturz in die Tiefe. Er/Sie ist tief gefallen, sagt man, wenn jemand abgestürzt ist – von seiner oder ihrer vermeintlich unangreifbar hohen und sicheren Position – und sich plötzlich nach schmerzhafter Landung auf dem Boden der Tatsachen und möglicherweise vor den Schranken des Gerichts wiederfindet; also zum juristischen Fall geworden ist.

Unser Stichwort ist in der Rechtssprache geradezu ein Schlüsselbegriff, "der Fall für den Staatsanwalt" sozusagen sprichwörtlich geworden. "Fall" bedeutet hier "Gegenstand einer Untersuchung" respektive Verhandlung. Denn ist der Fall nicht klar, muss er gelöst werden. Bei einem leichten Fall wird dies im Allgemeinen rasch gelingen, bei schweren Fällen sieht die Sache schon anders aus. Und nicht zu vergessen: die ungelösten Fälle.

Alles klar?

Das krasse Gegenteil ist der "klare Fall". Ein Ausdruck der Umgangssprache, der so viel wie "natürlich", "selbstverständlich" bedeutet. "Klarer Fall" heißt auch, da gibt es nichts zu fragen, da ist alles klar. Im Lexikon heißt es verallgemeinernd: "Der Fall ist eine sich in einer bestimmten Weise darstellende Angelegenheit, Sache und Erscheinung."

Darunter fällt durchaus der klare Fall, aber auch der schwere, leichte, komplizierte, der typische, der hoffnungslose und der unheilbare. Letzterer gehört in den Bereich der Medizin. Den "Fall" als grammatikalischen Begriff klammern wir in diesem Stichwort aus, wollen ihn aber für alle Fälle wenigstens erwähnt haben als Form der Beugung von Substantiven, Adjektiven und Pronomen.

Alea iacta est

Interessanter scheint uns zum Schluss des Stichworts, den Fall oder genauer das Fallen der Würfel zu erwähnen. "Die Würfel sind gefallen", lautet eine Redensart. Was ist gemeint? Übertrieben ausgedrückt könnte man sagen, das Schicksal hat entschieden, nun ist es so gekommen, nun haben wir uns alle danach zu richten. In der Tat hat das Bild der fallenden Würfel etwas Schicksalhaftes. Wer kann sagen, welche Zahlen oben liegen werden? Wird der Wurf zum Glücksfall für den Spieler, den drei Sechsen retten können? Zufall, Glücksfall, Unglücksfall – für den einen dies, für den anderen jenes. Das ist von Fall zu Fall verschieden.


Fragen zum Text:

Auf welchem Gebiet spielt der Fall als Fachbegriff keine Rolle?

1. Mathematik

2. Justiz

3. Grammatik

Wenn eine Sache eindeutig ist, ist der Fall …

1. selbstverständlich.

2. klar.

3. natürlich.

Hat das Schicksal entschieden, so …

1. gibt es Fallobst.

2. sind die Würfel gefallen.

3. fällt das nicht ins Gewicht.

Arbeitsauftrag:

Das Wort "Fall" hat ganz unterschiedliche Bedeutungen, die wenig miteinander zu tun haben bzw. deren Zusammenhang kaum mehr zu erkennen ist, wie "Sturz", "Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung" oder "grammatischer Kasus". Finden Sie noch mindestens drei andere Substantive, die mehrere ganz unterschiedliche Bedeutungen haben.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads