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Aktuell Deutschland

Fall Drygalla: Sport geht auf Politik los

Die Neonazi-Affäre um die deutsche Olympia-Ruderin Nadja Drygalla hat Streit zwischen Sport und Politik ausgelöst. Der Oberolympier Bach zeigt sich erbost.

"Ich bin nicht nur verwundert, sondern erbost über Äußerungen aus der Politik in Deutschland. Ich halte das für ein inakzeptables Vorgehen, die Aussagen und das Vorgehen der Mannschaftsleitung in Zweifel zu ziehen", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, vor Journalisten in London. Das Innenministerin von Mecklenburg-Vorpommern hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Kontakte Drygallas zu Rechtsextremisten bereits 2011 bekanntgeworden seien.

"DOSB erst am Donnerarag informiert"

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Olympia 2012: Der Fall Drygalla

Der DOSB erfuhr nach Angaben von Generaldirektor Michael Vesper erst am Donnerstag (02.08.2012) von den Vorwürfen gegen Drygalla. Die Ruderin soll laut Medienberichten mit einem Mann liiert sein, der im vergangenen Jahr in Rostock als Direktkandidat der rechtsextremen NPD zur Landtagswahl angetreten war. Vesper hatte betont: "Wenn wir nur den leisesten Hinweis hätten, dass jemand in  unserem Kader fremdenfeindlich ist, wäre diese Person nicht in der Olympia-Mannschaft."

Drygalla hatte nach einem Gespräch mit Vesper das Olympische Dorf in London am Donnerstagabend freiwillig verlassen. Die 23-jährige Rostockerin hatte mit dem Frauen-Achter den letzten Platz belegt und sollte an keinem weiteren Wettbewerb teilnehmen. Mehrere deutsche Ruderer bestätigten der Nachrichtenagentur dapd nach deren Angaben, Drygallas Gesinnung sei ein "offenes Geheimnis" gewesen. Die Sportlerin selbst hat sich öffentlich bislang nicht geäußert.

SPD-Sportpolitikerin verlangt Aufklärung

Die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages Dagmar Freitag (SPD),  kündigte an, das Gremium werde sich "vermutlich noch im September" mit der Affäre befassen. Es müsse nun aufgeklärt werden, "wer wann was gewusst" habe. Es stellten sich in dem Zusammenhang eine Menge Fragen. Zwar dürfe es keine "Sippenhaft" geben, aber einen solch gravierenden Vorwurf hätte sie "gerne im Vorfeld" der Olympischen Spiele geklärt gehabt. Sie stelle sich die Frage, warum die zuständigen Sportfunktionäre nichts gewusst hätten.

Ruderin Nadja Drygalla (Foto: dpa)

Ruderin Nadja Drygalla

Nach Darstellung des Innenministeriums in Mecklenburg-Vorpommern quittierte Drygalla Ende September vergangenen Jahres freiwillig den Polizeidienst. In einer in Schwerin veröffentlichten Erklärung hieß es: "Nachdem im Jahr 2011 dem Innenministeriun bekannt wurde, dass auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind, wurden mit ihr intensive Personalgespräche geführt, die dazu führten, dass Nadja Drygalla einen Antrag auf Entlassung stellte". Das Innenministerium in Schwerin teilte dem "Sportinformationsdienst" - SID - mit, der Landesruderverband und der Landessportbund seien im Herbst vergangenen Jahres `unmittelbar" über die Vorgänge um Drygalla informiert worden.

Der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern räumte derweil "Kommunikationsprobleme" ein. Man habe zwar seit mehr als einem Jahr gewusst, dass es Probleme mit Drygallas Freund gebe, sagte der Vorsitzende desLSB, Wolfgang Remer. Den Olympischen Sportbund habe man aber nicht über ihren Kontakt zu dem mutmaßlichen Rechtsextremisten unterrichtet. Auf die Idee sei man nicht gekommen, weil der LSB mit der Nominierung der Athleten nichts zu tun habe.

wl/gmf (sid, dpa)

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