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Wirtschaft

Fairtrade - in Deutschland ein Nischenmarkt

Wer einen großen deutschen Supermarkt betritt, der wird von der Vielfalt der angebotenen Waren geradezu erschlagen. Wer allerdings gezielt nach fair gehandelten Produkten sucht, muss schon "mit der Lupe" suchen.

Mit Lupe Fairtrade-Produkte suchen (Grafik: DW)

Gerade einmal ein Prozent aller in Deutschland gehandelten Lebensmittel tragen ein Fair-Trade-Siegel. Diese Kennzeichnung verspricht nachweislich, dass die vorzugsweise in Entwicklungsländern lebenden Produzenten von ihrer Arbeit angemessen leben können, sagt Antje Edler, Geschäftsführerin des Forums Fairer Handel (FFH), ein Netzwerk, das den fairen Handel in Deutschland organisiert. Der faire Handel setze auf langfristige partnerschaftliche Handelsbeziehungen, und das sei etwas ganz Wichtiges, weil damit Planungssicherheit für die Produzenten geschaffen werde. "Es geht darum, möglichst direkt zu handeln und unfairen Zwischenhandel auszuschließen, und es ist so, dass im fairen Handel grundsätzlich existenzsichernde Preise und Löhne gezahlt werden und auf Wunsch auch Vorfinanzierung geleistet wird", so Edler.

Deutsche Konsumenten achten auf den Preis

Mit dem TransFair-Siegel versehene Bananen (Foto: dpa)

In Deutschland finden sie wenig Beachtung: fair gehandelte Bananen

Kaffee, Tee, Zucker, Kakao, Schokolade und Bananen werden am häufigsten fair gehandelt. Doch während beispielsweise in der Schweiz bereits jede zweite verkaufte Banane aus fairem Handel stammt und in Großbritannien bei einzelnen Produkten Anteile von 25 bis 30 Prozent erreicht werden, bringt es in Deutschland selbst das am häufigsten fair gehandelte Produkt, nämlich Kaffee, lediglich auf einen Marktanteil von 1,25 Prozent.

Das liegt auch daran, dass die deutschen Konsumenten sehr genau auf den Preis achten. "Uns ist es daher auch ein großes Anliegen, immer wieder darüber aufzuklären, welche Kosten durch niedrige Preise im Nachhinein anfallen. Wir sind auch mitverantwortlich, wenn Produzenten im Süden nicht davon leben können und ihre Kinder nicht in die Schule schicken können", sagt Antje Edler.

Fairer Handel, so betont die FFH-Geschäftsführerin, könne auch einen langfristigen Beitrag zu mehr Ernährungssicherheit in der Welt liefern. Denn fairer Handel bedeute immer auch ländliche Entwicklung. Dreiviertel der weltweit hungernden Menschen leben auf dem Land, die meisten sind Kleinbauern und landlose Landarbeiter.

Kleinbauern schließen sich in Kooperativen zusammen

Kleinbauer in Ghana vor einer Waage (Foto: dpa)

Gemeinsam sind sie stärker auf dem Markt

Obwohl sie Agrargüter produzieren, reicht ihr Einkommen nicht aus, um sich und ihre Familien zu ernähren. Schließen sich die Kleinbauern aber in Kooperativen zusammen und bauen Partnerschaften mit Fairtrade-Importeuren auf, dann verbessert sich nicht nur ihr Einkommen. "Da geht es zum Beispiel um die Verbesserung von Anbautechniken, also, sie sollen mehr und auch bessere Qualität produzieren", so Antje Edler. Und wenn dann noch die Produkte weiterverarbeitet werden könnten, seien die Kleinbauern nicht nur in der Lage, an Importeure zu verkaufen, sondern sie könnten auch ihre Märkte besser versorgen.

Noch sind fair gehandelte Produkte vor allem in Deutschland nicht mehr als ein Nischenprodukt. Antje Edler ist jedoch optimistisch, dass sich die Verkaufszahlen weiter erhöhen werden. Das Bewusstsein der Konsumenten nehme zu, sagt sie. Die Verbraucher würden sozial verantwortungsvolles Verhalten zunehmend auch von Lebensmittelherstellern und der Gastronomie einfordern.

Tatsächlich steigerte sich in Deutschland 2010 die Anzahl der Kantinen, Restaurants, Cafes und Bäckereien, die faire Produkte anbieten, um 20 Prozent auf 18.000 Betriebe. Der Kaffeehaus-Betreiber Starbucks hat seit dem vergangenen Jahr in seinen europäischen Filialen alle Espresso-Getränke auf Fairtrade zertifizierten Espresso umgestellt.

Politische Rahmenbedingungen ändern

Mehr Engagement wünscht sich das Forum Fairer Handel vor allem im Bereich Kakao und Schokolade, denn dort gebe es häufig Kinderarbeit. Die großen Unternehmen, so weiß Antje Edler, seien hier aber noch sehr zurückhaltend. Aus der Nische heraus werde der faire Handel tatsächlich nur kommen, wenn auch konventionelle Unternehmen und vor allem große Konzerne ihre Rohstoffe Schritt für Schritt aus fairem Handel beziehen würden. "Wenn sie tatsächlich umsteigen und nicht nur sagen, in Ordnung, wir nehmen jetzt ein Fairtrade-gesiegeltes Produkt auf, sondern am besten komplett auf fairen Handel umstellen, wird das tatsächlich auch Wirkung entfalten", so Edler.

Faires Konsumieren reiche allein aber nicht aus, um die Ernährungssicherheit in der Welt zu verbessern. Alle im Fairen Handel engagierten Verbände fordern daher mit Nachdruck veränderte politische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft und den Welthandel. In allen Politikbereichen, vor allem aber in der Agrar-, der Handels-, wirtschafts- und Entwicklungspolitik müsse Ernährungssicherheit in den Mittelpunkt aller Bemühungen gerückt werden.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Monika Lohmüller

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