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Politik

Fairnesspokal knapp verpasst

War das wirklich Jürgen Trittin, die grüne Speerspitze des Umweltschutzes? Der morgendliche Radiohörer staunte nicht schlecht, als er kürzlich einem Interview zum Thema Hochwasser mit dem Umweltminister lauschte.

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Nach Erörterung der Ursachen für solche Katastrophen ganz im Allgemeinen fragte der Moderator den Grünenpolitiker: Sind der bayrischen CSU-Landesregierung beim Hochwasserschutz in den Alpen Versäumnisse vorzuwerfen? Da war sie, die Steilvorlage für den Grünenpolitiker Trittin, mitten im Wahlkampf. Die Chance, dem politischen Gegner in Gestalt der CSU und des bayrischen Ministerpräsidenten Stoiber Unfähigkeit zu bescheinigen. Ein Leichtes wäre das gewesen. Denn egal ob in Deutschland oder sonst wo auf dem Erdball: wenn gerade Städte und Dörfer unter Wasser stehen, sind die Regierungsverantwortlichen in Erklärungsnot. Doch was tut dieser grüne Bundesminister? Er widersteht der Versuchung, dem politischen Lieblingsfeind einen "reinzuwürgen". Im Gegenteil: Trittin lobt die "sehr energischen Konsequenzen", die Bayern aus einem früheren Hochwasser gezogen habe. Gerade im CSU-regierten Freistaat werde für den Hochwasserschutz "seit geraumer Zeit sehr viel Geld in die Hand genommen".

Trittin rudert zurück

Bayrischen Landespolitikern der Grünen, aber nicht nur ihnen, muss in dieser frühen Stunde der Rasierer respektive Fön aus der Hand gefallen sein. Hatten Sie doch tags zuvor der bayrischen Staatsregierung und Ministerpräsident Stoiber persönlich gravierende Versäumnisse beim Hochwasserschutz vorgeworfen. War ihr Parteifreund Trittin von allen guten Geistern verlassen?

In den Stunden danach müssen die Telefone geglüht haben. Und siehe da: Am Nachmittag geschah das Erwartete. Der Grüne Jürgen Trittin ruderte zurück, pfiff auf einen in Aussicht stehenden etwaigen Fairnesspokal und erklärte per Pressemitteilung: Eigentlich habe das CSU-regierte Bayern ja doch nicht soviel Geld für den Hochwasserschutz in die Hand genommen, sondern die Mittel für 2004 sogar gekürzt.

Klare Fronten

SPD-Bundesinnenminister Schily rügte vor laufenden Kameras mit besorgter Miene die Bayern und der SPD-Kanzler persönlich tat desgleichen. CSU-Stoiber konterte, dass Bayern unter allen Bundesländern immer noch mit Abstand das meiste Geld für den Hochwasserschutz ausgebe und dass es die rot-grüne Bundesregierung sei, die ihren Finanzbeitrag für Hochwasser-Prävention gekürzt habe. Der normale Mensch war nun vollends verwirrt, aber wenigstens der Frontverlauf im Wahlkampf waren wieder geklärt.