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Welt

Fairer Tee ist in Indien wenig bekannt

Rund 800 Teeplantagen gibt es im indischen Bundestaat Assam. Nur wenige von ihnen verkaufen Tee zu fair gehandelten Bedingungen - denn das Konzept des fairen Handels ist in Indien zu wenig bekannt.

Eine Frau pflückt Teeblätter in Indien (Foto: Julia Kuckelkorn/DW)

Von März bis Dezember werden die Teeblätter gepflückt

Mindestlöhne, mietfreies Wohnen, kostenlose Behandlung im Krankenhaus, subventionierte Lebensmittel und eine Grundschule vor der Haustüre: Den Arbeitern auf den Teeplantagen in Assam wird all das per Gesetz garantiert - und zwar schon seit 1951. Doch wer auf der Teeplantage Maud arbeitet, bekommt zu alledem noch ein wenig mehr: Energiesparlampen, um Stromkosten zu sparen, Moskitonetze, Schultaschen für die Kinder, einen Kredit, um gute Milchkühe zu kaufen, und Wasserfilter.

Extra-Geld für die Gemeinschaft

Ein großes Schild steht in einer Teeplantage Eco-friendly zone (Foto: Julia Kuckelkorn/DW)

Nicht zu übersehen: Maud baut biologischen Tee an

Möglich ist das, weil Maud dem Fairen Handel angeschlossen ist und eine Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommt. Pro Kilogramm verkauftem Fairtrade-Tee erhält die Teeplantage je nach Teesorte zwischen 50 US-Cent und einem US-Dollar. Dieses Geld ist für die Arbeiter bestimmt: "Wir nutzen es zum Wohl der Arbeiter dieses Teegartens. Manchmal helfen wir damit auch gleichzeitig den Nachbargemeinden - zum Beispiel, wenn wir Straßen ausbessern", erklärt Dilip Changmai. Seine Augen hinter den Brillengläsern funkeln lebhaft. Der schüchterne Mann lebt spürbar auf, wenn er über Maud spricht. Er arbeitet seit 30 Jahren auf der Plantage und ist Mitglied des so genannten Joint Body, einem Gremium, in dem Arbeiter und Management gemeinsam darüber entscheiden, wofür die Fairtrade-Prämie ausgegeben wird.

Die Teeplantage Maud ist in Assam noch eine große Ausnahme. Die meisten Inder wissen nicht einmal, dass es so etwas wie ein Fairtrade-Siegel und damit auch eine Prämie gibt. Die Menschen auf der Straße, Gewerkschafter und Industrievertreter - sie alle haben keine Ahnung, was sich hinter dem Siegel, das auf den fairen Produkten zu sehen ist, verbirgt.

Neue Chancen im Ausland, wenige im Inland

Sajay Kumar Singh auf einer Teeplantage (Foto: Julia Kuckelkorn/DW)

Sajay Kumar Singh steht hinter dem Fair-Trade-Gedanken

Nicht nur die Arbeiter profitieren davon, dass die Teeplantage ein Fairtrade-Siegel hat. Dem Unternehmen eröffnet sich ein neuer Absatzmarkt: der internationale Markt. "Ausländische Konsumenten achten sehr auf die richtige Zertifizierung", sagt Sajay Kumar Singh, Manager der Teeplantage Maud. "Sie zahlen gerne etwas mehr, wenn sie wissen, dass die Arbeiter davon profitieren."

In Indien selbst wird es der Fairtrade-Tee schwer haben. Der Grund: Er ist teurer als der Tee ohne entsprechendes Siegel. Die Leute seien eher darauf bedacht, günstige Waren zu kaufen - als darauf, den Arbeitern faire Löhne zu garantieren, sagt Robin Borthakur, Experte aus der Teebranche.

Langsamer Prozess

Tassen mit schwarzem und grünen Tee stehen auf einem Tisch (Foto: Julia Kuckelkorn/DW)

Schwarz oder grün: alles fair gehandelt

Fairtrade-Tee wird es in Indien nicht leicht haben. Gewerkschafter und Industrievertreter weisen darauf hin, dass die Arbeiter auch ohne das - in Europa so bekannte - Siegel fair behandelt werden. Die Inder selbst sind gegenwärtig weder bereit noch in der Lage, mehr Geld für fairen Tee auszugeben.

Doch vielleicht kann die Teeplantage Maud zumindest ein Umdenken bewirken. Die Arbeiter selbst wissen jedenfalls die Vorteile des Fairen Handels zu schätzen. "Ich würde ungern woanders arbeiten", sagt Punam Boraik, die seit 16 Jahren auf der Plantage beschäftigt ist. In ihrem Haus leuchten Energiesparlampen. Ihre Kinder packen ihre Schulbücher in kostenlose Schultaschen. Und dank der ausgebesserten Straßen ist es für sie auch einfacher, von einem Ort zum anderen zu reisen. "Hier haben wir Dinge, die es woanders nicht gibt."

Autorin: Julia Kuckelkorn
Redaktion: Beatrix Beuthner

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