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Afrika

Fairer Handel im Senegal

Trotz "Fair Trade" machen im Senegal statt den Kleinbauern immer noch die Vertiebsfirmen das große Geld. Es ist also höchste Zeit, "Mam Kumba" kennenzulernen und die Frau, die hinter dieser Marke steckt.

Senegalese auf dem Feld(Foto: dpa)

Die Kleinbauern schuften, die großen Vertriebe machen das Geld

Nie im Leben hätte die kleine resolute Frau gedacht, dass sie eines Tages eine Mini-Fabrik in Dakar leiten würde. Doch seit ein paar Jahren hat sich die Ingenieurin Aissatu Dène dem fairen Handel verschrieben. Die 50-Jährige hatte es satt, immer nur Reis aus China und Indien, Palmöl aus Malaysia oder Zwiebeln aus Holland zu kaufen. Denn diese Produkte überschwemmen auch den Senegal und machen den heimischen Bauern das Leben schwer. Sie habe mit den Kleinbauern Verträge abgeschlossen, damit diese das ganze Jahr über ihre Waren zu festen Preisen lieferten, sagt Dène. Denn nur so gebe es keine Unterbrechungen. Doch nicht nur für die Kleinbauern engagiert sich die Ingenieurin: "Ich habe Frauengruppen hier in Dakar ins Leben gerufen, die sich dann um die Verarbeitung und die Vermarktung kümmern. Vom Hersteller bis zum Verkauf - es ist also alles aus einem Guss."

Weltweite Exporte

Fair Trade Kaffee (Foto:dpa)

Kaffee, Marmelade oder Hirse bald "Fair Trade" aus dem Senegal?

Aissatu Dène beschäftigt rund 70 Mitarbeiter, die sie selbst geschult hat. In der Fabrikhalle wird Hirse zu Couscous und zu Mehl verarbeitet und verpackt. Aus Malvenblüten wird Tee gemacht und Tamarinden und Orangen zu Saft gepresst oder zu Marmelade gekocht. Ein echter Geheimtipp, wie Aissatu findet. Insgesamt mehr als 40 Produkte tragen den Markennamen "Mam Kumba", den Namen ihrer Mutter. Jeden Monat exportiert das kleine Unternehmen Assiatus einen großen Container mit 18 Tonnen Ware ins Ausland. "Ich exportiere vor allem Hirse, denn die wird von den Afrikanern in aller Welt besonders nachgefragt – vor allem für das Couscous. In Frankreich, Spanien, Italien – überall in Europa. Die USA werden auch immer interessanter", freut sich Assiatu. Was die Preise angehe, so lägen die natürlich etwas höher als die vor Ort. Aber sie hofft, das sie mit den Exporten trotzdem noch genug Gewinn machen kann, damit sie auch in Zukunft wieder investieren und in vernünftigen Mengen produzieren kann.

Die Kleinen arbeiten, die Großen profitieren

Eine Hoffnung, die sich aber leider nur selten erfüllt, bedauert die 50-Jährige. "Als Unternehmen profitieren wir nicht wirklich. Den Gewinn machen bislang noch die Firmen, die von hier aus unsere Produkte in aller Welt vertreiben. Wir können ja nicht so teuer verkaufen, weil wir vom Vertrieb abhängig sind." Hätte ihr kleines Unternehmen direkten Zugang zu den Abnehmern in Europa, dann wäre die Situation eine ganz andere. Denn im Momentan verdiene der Vertreiber zum Beispiel an einem Sack Hirse von "Mam Kumba" das Fünffache des Preises, zu dem er ihn bei der Firma Aissatus gekauft habe.

"Mam Kumba" bald in Deutschland

Kind aus Senegal (Foto: UNICEF)

Bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung durch Fair Trade

Eine schmerzhafte Erfahrung, die vor allem viele kleine Unternehmen machen, die mutig sind und afrikanische Produkte auf den Weltmarkt bringen wollen. Und zwar ohne dabei die heimischen Bauern auszubeuten. Mohamed Songhi ist Sprecher von COFTA, der panafrikanischen Fair Trade-Organisation. Die momentanen Bedingungen seien ein echter Nachteil für Afrikas Kleinbauern und der Handel sei alles andere als fair, sagt Songhi, denn die Konditionen für Export und Import seien ungleich. Doch das sei nicht das einzige. "Viele Märkte sind nicht frei, werden manipuliert, und das macht es für manche Produzenten extrem schwer."

Aissatou Dène ist stolz, dass ihre Produkte das Gütesiegel des landwirtschaftlichen Instituts von Dakar tragen. Eine Auszeichnung für ihre harte Arbeit und für die gute Qualität ihrer Produkte, die ihr schon viele Türen geöffnet hat. Doch leider, sagt sie, noch nicht die Tür nach Deutschland. Das internationale Fairtrade-Siegel ist deshalb ihr nächstes Ziel. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann bald Marmelade aus dem Senegal auf deutschen Frühstückstischen, oder Couscous zum Abendessen. Natürlich von "Mam Kumba".

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Michaela Paul