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Globale Zusammenarbeit

"Faire Kamelle“ für das Narrenvolk

Rund 150 Tonnen Süßigkeiten werden jährlich allein im Kölner Straßenkarneval verteilt. Der Verein "Jecke Fairsuchung" will dem Narrenvolk fair gehandelte "Kamelle" schmackhaft machen.

Faire Süßwaren auf einem Karnevalswagen (Foto: Jecke Fairsuchung e.V)

Faire Süßwaren auf den Straßenzügen sollen mehr werden

Der 2006 aus einer Landeskampagne hervorgegangene Verein "Jecke Fairsuchung" wirbt in ganz Nordrhein-Westfalen bei den Karnevalsgesellschaften, in Schulen und Kindergärten für Süßigkeiten aus dem fairen Handel und klärt über die Produktions- und Handelsbedingungen auf. Langfristig sollen zehn Prozent der Bonbons, Schokolade, Kaugummis und Gummibärchen sein, in Köln also etwa 15 Tonnen, aus einer fairen Produktion kommen. "Derzeit liegen wir bei drei bis fünf Tonnen", schätzt Mohlberg, "wir haben aber bei unter einer Tonne angefangen".

Die Kontakte des Vereins reichen bis nach Rheinland-Pfalz und Hessen. "Der rheinische Karneval ist ein Wahnsinnsmedium, um ein größeres Publikum für einen nachhaltigen Lebensstil zu begeistern", so Mohlberg. Entscheidend sei der gute Draht zu den Dachverbänden des organisierten Frohsinns: den Festkomitees und –ausschüssen der jeweiligen Stadt. In traditionell karnevalsverrückten Gegenden öffne das viele Türen. In Köln ist der Verein unter anderem an den Vorbereitungen für die Schul- und Veedelszüge beteiligt und organisiert Infoabende an den Schulen. Es gibt auch eine Aktionsmappe, die im Geografie- oder Politikunterricht eingesetzt werden kann.

Ergänzung, aber kein restloser Ersatz

Manfred Holz, Urvater der Fairhandelsbewegung (Foto: Jecke Fairsuchung e.V)

Manfred Holz, Urvater der Fairhandelsbewegung, verteilt faire Kamelle

Ein Tütchen Fruchtgummis aus dem fairen Handel kostet 0,35 Euro, das konventionelle kostet die Hälfte.Je nach Abnahmemenge manchmal sogar weniger. Bei der Schokolade sind die Preis-Unterschiede kleiner. Die höheren Kosten schreckten einige Karnevalisten allerdings ab, sagt Mohlberg. Ihr Budget sei begrenzt und sie wollten dem Narrenvolk nicht mit leeren Händen entgegentreten. Außerdem kommt es hier auf Masse und nicht auf Klasse an, denken sicherlich viele: Ein Großteil der Süßigkeiten bleibt schließlich im Straßendreck liegen.

"Unsere jedoch nicht", ist Mohlberg überzeugt. Die Sesamriegel, Mango Monkeys - Fruchtgummis aus Mangopüree - und Schokotäfelchen seien meistens auch Bioprodukte und schmeckten einfach besser: Für die lohne es sich, sich zu bücken. Die Hoffnung ist natürlich, dass nach Ende der so genannten "fünften Jahreszeit" Fairtrade-Produkte dann öfter im Einkaufskorb landen.

"Der Absatz der fairen Kamelle bewegt sich in den letzten Jahren auf stabilem, aber relativ niedrigem Niveau", sagt Brigitte Frommeyer, Pressesprecherin der GEPA. Die Fairtrade-Organisation gehört zu den Handelspartnern von "Jecke Fairsuchung". Gut eine Tonne verkauft GEPA jährlich. Fast die Hälfte davon ging diesmal an die Stadtwerke Düsseldorf, die schon seit Jahren ihren Karnevalswagen komplett mit fair gehandelter Ware bestücken. Insgesamt aber, so Frommeyer, "trägt die Karnevalssaison nicht erheblich dazu bei, den Verkauf unserer regulären Produkte zu steigern".

Jan von Werth wurden zu Fairen Jecken ausgezeichnet (Foto: Jecke Fairsuchung e.V)

"Jan von Werth" wurden zu Fairen Jecken ausgezeichnet.

Preis für die "fairen Jecken"

Besonders Engagierte zeichnet die Initiative einmal jährlich als "Faire Jecken" aus und das schon seit acht Jahren. In dieser Saison ist es das 130 Mann starke Kölner Reiter-Korps "Jan von Werth". Seit 2008 hat dieser 300.000 "Mango Monkeys" unters Volk gebracht. Hergestellt wurden die „Äffchen“ von der Kleinbauer-Kooperative Manduvira aus Paraguay und dem philippinischen Kinderschutzzentrum Preda. Der Anteil des fair gehandelten Wurfmaterials ist noch nicht allzu groß, gibt Reiter-Korps-Präsident Jörg Mangen zu: "Für uns ist jedoch entscheidend, dass wir mit der jetzigen Menge erste Schritte in diese Richtung gehen".
 

Autorin: Matilda Jordanova-Duda
Redaktion: Diana Hodali

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