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Globale Zusammenarbeit

Faire Jobs als Entwicklungsmotor

Faire Jobs bringen gute Entwicklung, so der neue Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Dagegen sind Dumpinglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse schlecht für die Gesellschaft und für die Wirtschaft.

1,5 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern können von ihrer Arbeit kaum leben. So viele Beschäftigte müssen sich als Tagelöhner oder in anderen prekären Beschäftigungen durchschlagen, so

der neue Weltarbeitsbericht der UN-Organisation in Genf

, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Dabei könnten faire Arbeitsbedingungen Entwicklung voranbringen. Eine ILO-Arbeitsgruppe hat die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt in 145 Entwicklungs- und Schwellenländern untersucht und festgestellt, dass in den Ländern, wo Gesetze, Tarifverträge und Sozialsysteme, die Rechte und die soziale Absicherung der Arbeiter regeln, die gesamte Entwicklung des Landes positiver ausfällt, als in klassischen Lohndumping-Länder.

Qualität statt Quantität

"Es ist die Qualität, die für die Entwicklung zählt", sagt Mouazam Mahmood von der ILO, einer der Hauptautoren der Studie im DW-Interview. Er räumt auch mit dem Mythos auf, dass sich allein durch die Ansiedlung von Exportunternehmen im Land ein breites Wirtschaftswachstum generieren lasse.

"Nicht der Export, sondern die Jobqualität erklärt, warum manche Länder längerfristig ein höheres Einkommen erreicht haben", bilanziert Mahmood und betont, dass bessere Jobs auch Bildung, höhere Produktivität und sichere Arbeitsbedingungen mit sich bringen. Das wiederum kurbele die gesamte Wirtschaftsentwicklung eines Landes an: "Wenn Wettbewerb auf Qualitätsbeschäftigung baut, wenn die nationale Wirtschaft auf fairen Löhne basiert, dann wird der Binnenmarkt für ein ähnliches Wirtschaftswachstum sorgen wie der Export", sagt Mahmood.

Tagelöhner in Indien warten auf ein Job

Fast 840 Millionen Menschen verdienen weniger als zwei Dollar pro Tag und müssen sich oft als Tagelöhner verdingen

Die Empfehlung der ILO-Experten ist deshalb klar: Nicht nur Exportwirtschaft, sondern die Kombination aus wachsender Nachfrage auf dem Binnenmarkt, mehr Kaufkraft der Arbeitnehmer, die in gesicherten Arbeitsverhältnisse leben, und der Export ist die Formel für eine gute Entwicklung und für Armutsbekämpfung.

Industrieländer auf dem falschen Weg

Der ILO-Experte Mouazam Mahmood berichtet außerdem von erfreulichen Fortschritten in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, wo sich die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt langsam anfangen würden zu verbessern. Dafür würden sich viele Industrieländer, zum Beispiel in Europa, in die falsche Richtung bewegen. Monika Kemperle, stellvertretende Generalsekretärin des

internationalen Gewerkschaftsbundes IndustriALL

in Genf, verfolgt diese Entwicklung seit Jahren:

"Die Unsicherheit am Arbeitsmarkt für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wächst zunehmend", sagt sie und verweist auf die vielen Beschäftigten auch in Europa, die sich mittlerweile in einer prekären Jobsituation befinden.

Erntehelfer auf dem Erdbeerfeld

Erntehelfer in Europa verdienen wenig und sind schlecht abgesichert

Im DW-Gespräch nennt die Österreicherin vor allem die weit verbreiteten befristeten Arbeitsverträge, die für viele Beschäftigte eine reelle Existenzbedrohung darstellen, da sie nicht wissen, ob der Vertrag beim nächsten Mal verlängert wird. Doch auch Lohndumping und Teilzeitbeschäftigungen, von denen der Arbeitnehmer nicht mehr leben kann, machen den europäischen Arbeitsmarkt immer unsicherer. "Es wird immer mehr, fast zur Normalität", sagt sie.

Immer mehr arbeitslose Jugendliche

Die ILO warnt im neuen Bericht auch vor der Jugendarbeitslosigkeit vieler Länder. In den nächsten fünf Jahren, so der Bericht, werden allein in den Entwicklungsländern aufgrund der Bevölkerungsentwicklung 200 Millionen mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Die Jugendarbeitslosigkeit in den Entwicklungsländern ist bereits heute mehr als drei Mal so hoch wie bei älteren Arbeitnehmern. In Nordafrika und Nahost findet jeder dritte Jugendliche keinen Job, so die internationale Arbeitsorganisation, die vor den sozialen Folgen der hohen Jugendarbeitslosigkeit warnt.

Dabei, so Monika Kemperle von IndustriALL, könnte man mehrere Probleme auf einmal lösen, wenn nur die ILO-Arbeitsnormen eingehalten würden.

Kinder in Mosambik - Arbeitnehmer von morgen

In vielen Entwicklungsländern wächst die Bevölkerung schneller als der Arbeitsmarkt

Heute, so Kemperle, sind in vielen Billiglohnländern Arbeitstage von 12, 14 oder gar 16 Stunden üblich, ohne dass die Überstunden bezahlt werden. Die ILO-Arbeitsnormen sehen höchstens 48 Arbeitsstunden pro Woche vor:

"Wenn ich die ordentlich bezahle, so dass die Menschen davon leben können, dann kann ich mit dem anderen Teil dafür sorgen, dass Jugendliche Arbeit bekommen oder dass Arbeit vorhanden ist", so die Gewerkschaftlerin.

Arbeitsrechte in Handelsabkommen verankern

Allerdings, sagt Monika Kemperle, können die Gewerkschaften die Forderungen nach fairen Arbeitsbedingungen nicht alleine durchsetzen. In vielen Ländern seien Gewerkschaften nicht einmal zugelassen.

"Viel besser wäre es, wenn solche Rahmenbedingungen und -regelungen auch bei der Welthandelsorganisation WTO Eingang finden würden", meint Kemperle und weist darauf hin, dass diese Forderung seit Jahren von den internationalen Gewerkschaften gestellt wird.

ILO-Experte Mouazam Mahmood ergänzt: "Der Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit geht nur über gute Arbeitsbedingungen und nicht über eine Abschwächung der Arbeitsrechte.“

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