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Afrika

Fair gehandelte Rosen helfen Kenianern

Fair Trade Produkte finden zunehmend mehr Kunden. Doch können sie wirklich etwas verändern? Auf einer Blumenfarm in Kenia setzen die Arbeiter große Hoffnungen auf den Fairen Handel.

Arbeiter mit Rosen in Gewächshaus auf kenianischer Rosenfarm (Foto: DW)

Hofft auf Fair Trade: Arbeiter auf einer kenianischen Rosenfarm

Rund 1500 Arbeiter sind bei "Van den Berg Limited" in Naivasha beschäftigt. Sie sorgen dafür, dass in Holland oder in Deutschland auch im Winter schöne und bezahlbare Rosen verkauft werden können. Diese wachsen in der kenianischen Sonne heran. In den Gewächshäusern von "Van den Berg" im Rift Valley bilden langstielige rote Baccara-Rosen mit kleinen orangen oder gelben Buschrosen zusammen ein Pflanzenfeld. Die Luft ist feucht. "Van den Berg" ist die kenianische Tochterfirma eines holländischen Unternehmens. In Kürze will das Unternehmen das "Fair Trade"-Label erhalten – dafür muss es sich schon vor der Zertifizierung anstrengen, soziale und ökologische Standards einlösen. Und es muss die Arbeiter mit einbeziehen.

Fair Trade macht einen Unterschied

Arbeiter bei Tätigkeiten im Gewächshaus auf Rosenfarm (Foto: DW)

Für die gleiche Arbeit bekommen die Arbeiter im Fairen Handel mehr Geld

Zu ihnen gehört auch Abil Massinde Nandi. Seit zwei Jahren arbeitet der 32-Jährige hier. Früher war er schon auf anderen Blumenfarmen beschäftigt. Abil kommt eigentlich aus dem Westen Kenias und hat im Rift Valley nach Arbeit gesucht. Er kann vergleichen und er weiß, wie die Arbeitsbedingungen auf den kenianischen Blumenfarmen normalerweise aussehen: "Auf den Farmen, auf denen ich zuvor gearbeitet habe, da musste ich ohne Gummistiefel arbeiten, ohne Handschuhe. Ich bekam keinen Schutzmantel, sondern musste mit meinen eigenen Kleidungsstücken arbeiten." Dass er nun die nötige Schutzbekleidung gestellt bekomme, das mache einen großen Unterschied für ihn, so Abil.

Der junge Arbeiter hat zwei Kinder, mehr möchte er nicht. So gut sei sein Gehalt nun auch wieder nicht, sagt Abil lachend. Doch es unterscheide sich sehr wohl von den Billiglöhnen, die auf konventionellen Blumenfarmen gezahlt würden: "Dort fingen manche mit 43.000 kenianischen Schilling an. Das entspricht knapp 350 Euro. Hier hingegen bekam ich direkt zu Beginn schon 47.000 Schilling, nach der Probezeit dann 52.000, was 420 Euro entspricht." Er sei hierher gekommen, weil beides gestimmt habe: guter Lohn und gute Arbeitsbedingungen.

Mehr Sicherheit, mehr Schutz, mehr Mitbestimmung

Tafel mit Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit Pestiziden (Foto: DW)

Die Sicherheitsvorschriften - wie hier zum richtigen Umgang mit Pestiziden - sind klar geregelt

Wer das "Fair Trade"-Logo auf seine Produkte kleben will, muss auch dafür sorgen, dass die Mitarbeiter vor Gesundheitsschäden geschützt sind. Und das habe ganz praktische Auswirkungen auf sein Arbeiten, erklärt Abil. So dürfen die Arbeiter von "Van den Berg" nicht in die Gewächshäuser gehen, in denen die Rosen gerade mit Sprays behandelt werden. Dafür gebe es strenge Regeln, die in konventionellen Firmen nicht existierten.

Abil arbeitet nicht nur bei "Van den Berg" - er gehört auch einem Fair-Trade-Komitee an, zu dem sich die Arbeiter zusammengeschlossen haben. Er will sich dafür engagieren, dass mit dem Geld aus dem Fair-Trade-Handel Projekte entstehen, von denen möglichst viele profitieren. Soviel Mitbestimmung sei woanders nicht erwünscht, erklärt Abil: "Ich habe mir gesagt: Wenn dieses Unternehmen meine Arbeitskraft als Wert begreift, warum sollte ich dann nicht mitmachen und das Fair-Trade-System in meinem Unternehmen auch mitgestalten?"

Auch Vorteile für das Unternehmen

Krankenschwester in Gesundheitsstation der Rosenfarm (Foto: DW)

Eine eigene Krankenschwester kümmert sich um die Gesundheit der Arbeiter

Auch Christabele Thanji ist vom Fairen Handel überzeugt. Sie ist die Unternehmensbeauftragte für Fair Trade und sorgt für die Abstimmung zwischen Geschäftsleitung und Arbeitern in diesem Bereich: "Die Fair Trade Prämie, die geht direkt an uns hier an der Basis, nicht an das Management." Diese Prämie, die einen Teil des Verkaufspreises pro Blume ausmacht, gehe statt dessen als "Extra-Beitrag" direkt an die Arbeiter. Und an Ideen mangelt es diesen nicht, was zukünftig mit solchen Beiträgen geschehen soll, wie Christabele hinzufügt: "Das kann zum Beispiel ein Brunnen für unsere Gemeinschaft werden. Wir können ein Stück Land kaufen, das wir gemeinsam nutzen." Vielleicht könnten mit dem Geld sogar Klassenräume, Stipendien für bedürftige Kinder oder Lehrer finanziert werden, schwärmt die Angestellte.

Fair Trade ist gut für die Mitarbeiter – aber ist es auch gut für das Unternehmen? "Van den Berg" beantwortet diese Frage mit einem klaren "Ja". Für den kenianischen Firmenchef Ong'any liegen die Vorteile von Fair Trade auf der Hand: Bei fairen und gleiche Bedingungen bliebe kein Platz für Neid und Steitereien unter den Arbeitern. Und auch die Kunden wüssten das zu schätzen, denn die meisten wollten doch lieber Produkte kaufen, die sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Mindeststandards genügen. "Mit Fair Trade hast Du ein internationales Gütesiegel. Es geht gar nicht darum, Märkte zu finden. Du findest den Markt über Fair Trade: Es gibt ihn schon!"

Autorin: Ute Schaeffer
Redaktion: Jan-Philipp Scholz

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