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Wirtschaft

Fair gehandelte Produkte immer beliebter

Beim Shoppen armen Bauern in Lateinamerika helfen - der faire Handel macht es möglich. Das Segment wächst rasant. Doch die Agrarspekulationen machen dem Markt zu schaffen.

Für Dionicia Miranda Mamani ist Quinoa ein wahres Wunderkorn (Foto: DW) Foto: DW/Elena Ern, Elena Ern, Peru

Peru: Das Quinoa kommt in den fairen Handel

Für die Deutschen wird das gute Gewissen beim Einkauf immer wichtiger. Sie kaufen Bioprodukte und hoffen, dass es ihnen und der Umwelt damit besser geht. Sie achten darauf, dass die Frühstückseier von Freilandhühnern gelegt werden und sie denken offenbar zunehmend an die Bauern und Handwerker in schwächer entwickelten Regionen dieser Erde. Das Forum Fairer Handel (FFH) – ein Dachverband von entwicklungsorientierten Organisationen - hat ausgerechnet, dass in Deutschland 2011 477 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben wurden. Bei denen wird damit geworben, dass ihre Erzeuger mit besonderer Fairness und Transparenz entlohnt werden. "Das Segment der fairen Waren hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt", sagt FFH-Geschäftsführerin Antje Edler zum Absatz in Deutschland.

Antje Edler, Geschäftsführerin des Forums Fairer Handel (Foto: DW)

FFH-Geschäftsführerin Antje Edler baut auf die bewussten Konsumenten

Kaffee, Südfrüchte und zunehmend auch Schnittblumen aus dem fairen Handel sind nach Angaben des FFH Hauptträger des Booms. "Die Leute kaufen schon sehr bewusst ein", sagt Edler, "und sie haben es immer leichter, fair gehandelte Produkte zu kaufen." Sogar große Discounter wie Aldi-Süd vertreiben inzwischen Waren aus fairem Handel und der Coffee-to-go mit dem entsprechenden Gütesiegel ist ohne große Probleme in fast jeder Fußgängerzone zu haben. "Es sind gut 3000 Geschäfte mehr als 2010, bei denen man die Sachen kaufen kann", freut sich Edler.

Ein kleiner, aber wachsender Markt

Mit 84 Prozent machten Lebensmittel den größten Teil des Absatzes aus. Insgesamt würden 12.000 verschiedene fair gehandelte Produkte in Deutschland vertrieben. Allerdings ist der Anteil der als fair deklarierten Produkte am Gesamtmarkt nach wie vor eher gering – selbst beim Kaffee geht das FFH von nur zwei Prozent aus, bei den Blumen sollen es immerhin 6,8 Prozent sein.

Nach Edlers Angaben profitieren über eine Million Kleinbauern, Arbeitnehmer und deren Familien von den Absatzerfolgen des fairen Handels. Er bedeutet mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen in Lateinamerika, Afrika und Asien. Aber Edler sieht die Strukturen der erzeugerfreundlichen Vermarktung in Gefahr. Sie verweist auf die teilweise extremen Preisschwankungen für Agrarprodukte auf den Weltmärkten. "Dadurch bekommen unsere Handelspartner und Kooperativen erhebliche Schwierigkeiten bei der Planung und Kalkulation."

Bedrohliche Situation durch Spekulation

FFH-Geschäftsführerin Edler sieht im Einfluss von Finanzinvestoren eine wichtige Ursache für die Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln. Es fließt viel Kapital in diesen Sektor und in der Folge entwickeln sich die Preise immer wieder losgelöst von der Realwirtschaft. Es sind dann nicht mehr die Jahrhundertdürre in den USA, oder die Nutzung großer Anbauflächen für Bioethanol, die zu Nahrungsmittelknappheit und hohen Preisen führen, sondern die Renditeerwartungen von Investoren. Marita Wiggerthale von Oxfam warnt vor einer Spekulationsblase mit tödlichen Folgen: "Es ist doch zynisch, dass mit Wetten auf hohe Preise Gewinne gemacht werden, denn schließlich müssen Millionen Menschen hungern, wenn die Lebensmittel teurer werden."

Marita Wiggerthale, Agrarexpertin der Entwicklungsorganisation Oxfam (Foto: DW)

Oxfam-Expertin Marita Wiggerthale ist besorgt über Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln

Wiggerthale fordert eine stärkere Regulierung des Warenhandels. Der Terminhandel sei dafür eingerichtet worden, um Hersteller und Händler mit Kapital zu versorgen. Sie fordert Obergrenzen für Spekulanten. "Die Politik muss verhindern, dass Finanzjongleure die Terminbörsen dominieren." Auf die Gewissensbisse der Anleger möchte sich die Oxfam-Mitarbeiterin nicht verlassen.

Trotzdem ist auch die Angst vor den moralischen Bedenken der Anleger durchaus wirkungsvoll. Unter dem Druck von Entwicklungsorganisationen erklärte die Commerzbank jetzt, dass sie aus dem Geschäft mit Agrar-Rohstoffen aussteigen will. Nun ist Wiggerthale gespannt, wie es weiter geht. "Wir warten noch auf ein Zeichen von der Deutschen Bank und der Allianz, weil das die beiden größten Akteure beim Handel mit Nahrungsmittelrohstoffen sind."