1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Fackel mit dunkler Vergangenheit

Mit einem Fackellauf der Rekorde wird die Welt auf die Olympischen Spiele 2004 eingestimmt. Mehr als 3600 Menschen tragen das olympische Feuer durch 27 Länder. Woher der Brauch eigentlich kommt, haben viele vergessen.

default

Der olympische Fackellauf - eine Erfindung der Nazis

Fackellauf: Olympisches Feuer im Olympiastadion Berlin

Ruderin Kathrin Boron trägt am 30. Juni 2004 die Fackel mit dem Olympischen Feuer aus dem Olympiastadion in Berlin.

Der Olympische Fackellauf führt in diesem Jahr erstmals durch alle fünf Kontinente. Monatelang, seit dem 25. März 2004 bereits, wird eine Idee um die Welt getragen. Dass dieses Schauspiel nicht aus der Antike stammt, sondern ursprünglich von den Nationalsozialisten eingeführt wurde, wissen die meisten nicht.

Es begann in Berlin 1936

Als Erfinder des Fackellaufs gilt im Allgemeinen Carl Diem. Der altgediente Sportwissenschaftler und Sportfunktionär war unter Hitler Generalsekretär des Organisationskomitees der Olympischen Spiele geworden. Diem hatte auf einer antiken Vase die Darstellung von Fackelläufern gefunden - daran orientierte er sein Projekt. "Angeregt" worden war er allerdings auch von Goebbels' Reichs-Propagandaministerium. Auch dies wird heute gern vergessen oder verschwiegen.

Von Olympia, der heiligen Stätte der Olympischen Spiele, hatte der Weg 1936 über Athen, Delphi und Saloniki geführt, nach Sofia, Belgrad, Budapest, Wien, Prag, Dresden und schließlich Berlin. Es ging durch sieben Länder, das waren mehr als 3000 Kilometer. Und genau 3075 Läufer waren an diesem Staffellauf beteiligt, denn jeder hatte eine Strecke von 1000 Metern zurückzulegen, um seine Fackel dann dem nächsten Läufer zu überreichen.

Siegfried Eifrig, heute 94 Jahre alt, trug die Fackel am 1. August 1936 ins Zentrum der Reichshauptstadt: "Ich habe die Fackel die Linden runter getragen, am Denkmal Friedrich des Großen und der Humboldt-Universität vorbei, weiter über die Schlossbrücke Richtung Lustgarten. Da war eine große Jugendveranstaltung mit etwa 30.000 Jugendlichen bis zum Alten Museum. Und ich bin durch ein Spalier dieser Jugendlichen gelaufen. Dann war da ein mannshoher Altar aufgebaut und dort habe ich die olympische Flamme entzündet."

Symbol des Friedens?

Das Internationale Jugendlager fand unter dem Zepter der Hitlerjugend statt, und Goebbels schmetterte zum Abschluss die Worte: "Heilige Flamme, glüh, glüh und erlösche nie!" Am Nachmittag dieses 1. August 1936 wurden die Olympischen Spiele dann im Berliner Olympiastadion von Hitler eröffnet. Und Goebbels hatte noch die Parole ausgegeben, Olympia habe selbstverständlich nichts mit politischer Propaganda zu tun.

Siegfried Eifrig erklärt: "Im Altertum war es so, dass während der Olympischen Spiele sämtliche Kriegshandlungen, die seinerzeit stattgefunden haben, zu ruhen hatten. So war während der Olympischen Spiele auf der ganzen Welt Friede. Und das symbolisiert man jetzt mit dieser Flamme, die dann weltumspannend den Frieden bringen soll. Ist natürlich Illusion, wenn man so die Zeitung aufschlägt heute."

Freudentaumel - aber kein echter Friede

Es war auch damals Illusion, denn als die Fackel am 20. Juli 1936 in Olympia entzündet worden war, beherrschte die Berichterstattung über den spanischen Bürgerkrieg die Frontseiten der Tageszeitungen. Hitler stand dem putschenden General Franco zur Seite, Spanien wurde zur Generalprobe für den Zweiten Weltkrieg. Doch die Begeisterung in Berlin kannte keine Grenzen: "Und dann bin ich mit meiner Begleitung wieder zurück zum Umkleideraum in die Friedrichstraße marschiert. Da waren noch sehr viele Menschen auf der Straße, und wir wurden beklatscht. Es war ein richtiger Freudentaumel, dass die Flamme in Berlin angekommen war."

Die Welt ist leider nicht viel friedlicher geworden seitdem. Die Waffen werden auch diesmal nicht ruhen, wenn es in Athen zu sportlichen Wettkämpfen kommt. Das Symbol einer friedensstiftenden Fackel hat noch immer keinen wahrhaftigen Inhalt.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links