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Lehrerverbände weltweit

Fachverband Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (FaDaF)

Eine besondere Situation: Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache in Deutschland unterrichten. Trotzdem sind auch hier die Bedingungen für DaF-Lehrer nicht immer die besten. Der FaDaF will das ändern.

Matthias Jung ist seit 2009 der Leiter des Fachverbands Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (FaDaF). Für den Fachverband ist er viel in der Welt unterwegs. Deutsch unterrichtet er selbst fast gar nicht mehr – auch wenn er den Unterricht oft vermisst. Neben seiner Tätigkeit im Verband leitet er das Institut für Internationale Kommunikation in Düsseldorf.

Deutsche Welle: Herr Jung, auf unserer Webseite stellen wir Deutschlehrerverbände aus der ganzen Welt vor. Sie leiten nun den deutschen Deutschlehrerverband. Was unterscheidet die Arbeit eines DaF-Lehrers in Deutschland denn von der eines DaF-Lehrer – sagen wir mal – in Frankreich?

Matthias Jung: Der Hauptunterschied ist, dass es bei uns überwiegend um Erwachsenenbildung geht. Wir sind nicht in der Schule, wo man es mit zwangsbeschulten Jugendlichen zu tun hat, sondern hier wird Deutsch meist freiwillig gelernt. Es gibt eine starke Motivation, zu lernen, um in Deutschland zu leben.

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Hören Sie rein: Matthias Jung erzählt, was er am Deutschunterricht besonders vermisst

Trotzdem: Ihr Verband ist auch sehr aktiv im Schulbereich und in der Lehrerausbildung. Wie wichtig ist Deutsch als Fremdsprache an den deutschen Schulen heute?

Deutsch als Fremdsprache ist kein Schulfach, aber wir können im Moment eine deutliche Entwicklung feststellen. In allen Schulformen, von der Grund- zur weiterführenden Schule, müssen Lehrer ein größeres Verständnis und Fachkenntnisse für Schülerinnen und Schüler, die nicht ursprünglich deutscher Muttersprache sind, mitbringen. Diese Notwendigkeit wird durch die Aufnahme zahlreicher Flüchtlingskinder in die Schulen immer dringlicher.

Setzen Sie sich als Verband auch wegen dieser wachsenden Bedeutung in diesem Bereich stark ein?

Ja, denn das Fach Deutsch als Fremdsprache – das in diesem Zusammenhang meist „Deutsch als Zweitsprache" genannt wird – hat keine richtige Lobby in der Schule, obwohl es alle Fächer betrifft. Oft wird es auch mit dem normalen Deutschunterricht zusammengeworfen. Aber ein Lehrer für Deutsch als Muttersprache ist nicht automatisch auch ein DaF-Lehrer. Er weiß nichts von der Vermittlung und den Besonderheiten des Deutschlernens, wenn man Deutsch nicht als Erstsprache von zu Hause mitbringt, sondern es erst ganz neu als Kind oder Jugendlicher lernen muss. Von daher sehe ich unseren Verband und eine Ausbildung oder Weiterbildung in unserem Fach heute gerade in der Schule als notwendiger denn je an.

Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache ist, wie Sie sagen, kein eigenes Schulfach in Deutschland. Welche Schwierigkeiten bringt diese Situation für die Lehrer mit sich?

Jahrestagung des deutschen Deutschlehrerverband FADAF 2017 in Berlin
(Joachim Pelikan)

Bei den Jahrestagungen des FADAF gibt es stets zahlreiche Angebote

Die meisten ausgebildeten Lehrer in diesem Fach sind bisher freiberuflich tätig. Auch ist der Unterricht auf Honorarbasis recht schlecht bezahlt. Das sind prekäre Verhältnisse für die Lehrer, die zum Teil auch durch den Staat – denken wir an die Integrationskurse – vorgegeben werden.

Wir werben, auch angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation, deswegen dafür, dass in der Schule ausgebildete DaF-Lehrer eingestellt werden. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass die Lehrer für Deutsch als Muttersprache das irgendwie mitmachen können. Ich denke, dass die neue Situation da jetzt noch einmal einen Anstoß geben wird, insgesamt das System der Integrationskurse und der schulischen Unterstützung von Migrantenkindern in Deutschland zu überdenken.

Sie sind seit 15 Jahren aktiv im Fachverband, was gefällt Ihnen so sehr an der Arbeit, dass Sie sich da so engagieren?

Ich glaube, am motivierendsten ist es, zu sehen, dass Deutschlernen eine neue Welt erschließt und das Leben verändert. Und wenn man z. B. junge Leute trifft, die noch von dem Sommerkurs, den sie vor Jahren in Deutschland gemacht haben, mit dem ganzen Enthusiasmus der Jugend schwärmen, das sei der der schönste Monat ihres Lebens gewesen, dann weiß ich, warum ich das mache.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Den Fachverband Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (FaDaF) gibt es seit 1990. Er hat knapp 800 Mitglieder. Die Jahrestagung bringt verschiedene Gruppen aus dem DaF-Bereich zusammen und zählt zu den größten Deutschlehrertagungen weltweit. Jedes Jahr kommen rund 400 Teilnehmer.

Vorstandsgremium:
• Dr. Matthias Jung (Vorstandsvorsitzender)
• Dr. Olaf Bärenfänger (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender)
• Prof. Dr. Gabriele Kniffka (Stellvertretende Vorstandsvorsitzende)
• Dr. Alexis Feldmeier
• Prof. Dr. Thorsten Roelcke
• Prof. Dr. Winfried Thielmann
• Dr. Mattheus Wollert

IDV-Kontakt: Matthias Jung; jung [at] fadaf.de

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