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Wirtschaft

Fachkräftemangel könnte Aufschwung bremsen

Von Ford bis HP, von McDonalds bis GM: Viele bekannte US-Firmen haben ein Standbein in Deutschland. Sie sehen Vorteile wie Probleme des Standorts mit eigenen Augen.

Logos von General Motors und Opel (Foto: AP)

Die GM-Tochter Opel war viele Monate in den Schlagzeilen

Ford, McDonalds, Exxon, IBM, HewlettPackard, General Motors oder Burger King: Es liest sich wie das Who is who der US-Wirtschaft - die Aufzählung von US-amerikanischen Firmen, die in Deutschland tätig sind. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) stellt diese Liste alljährlich vor - und macht damit zugleich auch deutlich, welche Bedeutung der Standort Deutschland für US-Unternehmen hat. Das aktuelle Ranking, vorgestellt am Donnerstag (30.09.2010) in Frankfurt am Main, macht deutlich: Auch die großen amerikanischen Unternehmen haben im vergangenen Jahr die Wirtschaftskrise in Deutschland gespürt: Mit knapp 150 Milliarden Euro haben die 50 größten in Deutschland aktiven amerikanischen Firmen ein Zehntel weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor. Aber Fred Irwin, Präsident der AmCham, der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, blickt nach vorn: "Es gibt Gott sei Dank im Jahr 2010 einen positiven Aufschwung."

Deutschland derzeit Konjunkturlokomotive

Fred B. Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Foto: dpa)

Fred Irwin sieht keinen nachhaltigen Aufschwung

Die Stimmung sei wesentlich besser als in den USA, gibt Irwin zu, die Amerikaner glauben, dass vor allem die Kurzarbeiterregelung dem deutschen Aufschwung geholfen habe – vorübergehend. Denn die Mehrheit der US-Firmen glaube, dass der momentane Boom nicht nachhaltig sei, so der US-Manager und liefert auch gleich den Grund dafür: "Es gibt keine strukturellen Änderungen in Deutschland." Derzeit aber habe Deutschland die Rolle als Konjunkturlokomotive übernommen.

Der Autobauer Ford ist in Deutschland mit einem Umsatz von knapp 17 Milliarden Euro im vergangenen Jahr Umsatzspitzenreiter gewesen, gefolgt von Opel - einer Tochter des US-Konzerns General Motors - mit 12 Milliarden Euro vor den europäischen Töchtern der Mineralölunternehmen Exxon Mobil und ConocoPhilips. Größter Arbeitgeber aber war weiterhin die Fastfood-Kette McDonalds mit 60.000 Beschäftigten, vor Ford mit knapp 24.000 und Burger King mit 23.000 Mitarbeitern. Nimmt man IBM und Opel dazu, dann beschäftigen diese Unternehmen fast 150.000 Menschen in Deutschland. Noch machen sich die Amerikaner keine Sorgen, dass sie nicht mehr genügend Fachkräfte finden: 70 Prozent der Top 50 der hier engagierten amerikanischen Unternehmen sehen derzeit noch keinen Mangel. Aber sie sorgen sich um die Zukunft, sagt Otmar Debald, Geschäftsführer Procter & Gamble Deutschland und Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fürchteten, das Fachkräftemangel für sie eine Wachstumsbremse in der Zukunft ist. "Die Sorge zeigt sich in dem bekannten Ingenieurmangel, den man im süddeutschen Raum bei Hochtechnologiefirmen und Automobilfirmen hat. Aber das Bild ist durchaus konsistent in Deutschland."

Deutschland muss mehr für Migration tun

Menschen unterschiedlicher Herkunft an einem Tisch (Foto: dpa)

Deutschland braucht eine bessere Integrationspolitik

Ursache dafür sei vor allem der demografische Wandel, meinen die amerikanischen Unternehmen, Deutschland werde seinen Bedarf an Fachkräften nur über Zuwanderung decken können, mahnt die amerikanische Handelskammer. "Da sind Politik und auch Gesellschaft gefordert, was die Integrationsfähigkeit, die Aufnahmefähigkeit der Gesellschaft für Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund anbelangt", sagt Debald.

Der aktuelle Wirtschaftsboom hat aber auch wieder Investoren aktiv werden lassen: In der Autoindustrie als auch in der Finanzbranche gebe es eine Menge Bewegung. Und die Investoren freuen sich vor allem über eine veränderte Einstellung der vielen Familienunternehmen in Deutschland, sagt Lutz Raettig, Aufsichtsratsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG. Das sei zu spüren im Zusammenhang mit der fehlenden Nachfolge auf vielen Chefsesseln von Mittelständlern. Und viele würden merken, dass sie sich lösen müssten von der reinen Kreditfinanzierung. "Das bedeutet, dass sie sich mehr in Richtung Kapitalmarkt öffnen müssen."

Autorin: Brigitte Scholtes
Redaktion: Henrik Böhme

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