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Sprachbar

Fachchinesisch

Für Jägerlatein braucht man keine Grammatik zu lernen und mit Seemannsgarn lässt sich keine Matrosenhose flicken. Dafür kann man auch in Deutschland reichlich Fachchinesisch sprechen, ohne jemals in Asien gewesen zu sein

Symbolbild Hacker Angriff. Illustration. hacker attack © almagami #23825530 - Fotolia.com, Undatierte Aufnahme, Eingestellt 16.11.2011

Übersetzung gefällig?

Der Konjunkturmotor brummt, auch wenn viele Börsianer mit ihren Voraussagen oft neben der Ziellinie liegen. Schon dieser eine Satz zeigt: Die Umgangssprache ist reich mit Sprachbildern bestückt und jede Berufsgruppe hat ihr Scherflein dazu beigetragen. Spätestens seit der globalen Finanzkrise, die im Jahr 2008 begann, sind Aktienhändler, die an der Börse arbeiten, als Börsianer bekannt. Die Konjunktur als Motor zu sehen, ist hingegen schon länger beliebt. So ins anschauliche Bild gerückt, lassen sich reichlich Parallelen zeichnen: der Konjunkturmotor ist ins Stocken geraten, er stottert, ihm fehlt der Treibstoff. Im besten Falle brummt er eben, was bedeutet, der Wirtschaft geht es gut, die Auftragslage ist positiv, die Umsätze bescheren vielen Firmen gute Gewinne und sichern ihren Angestellten ihre Arbeitsplätze.

Analysten und Analytiker

Ein Börsianer ist unzufrieden mit der Kursentwicklung des DAX, der abgestürzt ist

Ziemlich neben der Ziellinie!

Die Wirtschaftswelt hat in den vergangenen Jahren die Sprache um mindestens einen neuen Fachbegriff bereichert. Er taucht seitdem regelmäßig in Zeitungen, Radio und Fernsehen auf, man könnte auch sagen, ein Begriff, der Karriere macht: Statt vom Analytiker, der meist mit Psychologie und therapeutischer Hilfe in Verbindung gebracht wird, ist da vom Analysten die Rede, also von dem Börsenprofi, der die Wirtschaftslage analysiert und Tipps für die Aktienentwicklung abgibt – und sich die Tipps natürlich gut bezahlen lässt.

Viele der positiven Voraussagen von Analysten lagen in der Vergangenheit leider neben der Ziellinie, und landeten, wie die Sportler sagen würden, im Aus. Im Sport würde das einfach keine Punkte geben. In der Finanzwelt aber bedeutet es oft große Verluste für die Anleger, die den Analysten vertraut haben.

Reset für Gescheiterte

Drei leere Haken an einer Wand, an einem vierten hängt ein Hut

Ich bin dann mal weg - zum Reset!

So mancher Analyst muss dann zum Analytiker, Systemabsturz sozusagen. Der Therapeut versucht dann durch einen geistigen Reset den Denkapparat des Bankers wieder zum Laufen zu bringen. Reichlich lässig könnte man so mit Begriffen von Computerspezialisten ausdrücken, dass der gescheiterte und deprimierte Aktienspezialist psychotherapeutische Hilfe sucht und vom Fachmann psychisch wieder aufgebaut wird.

Computerspezialisten benutzen ihre technische Fachsprache gerne für andere Lebensbereiche, sprechen von Reset, wenn es um einen Neubeginn geht, verwenden abgespeichert, um auszudrücken, dass sie sich etwas merken werden oder sagen, dass ihre Festplatte voll ist, wenn sie erschöpft sind und nicht mehr fähig, Neues aufzunehmen. Diese Redeweise, Begriffe in einem anderen Kontext zu verwenden, wirkt immer etwas ironisch, ein Stilmittel, das deshalb auch gerne von Kabarettisten verwendet wird.

Unverständliches Fachchinesisch

Ein Winzer bei der Weinverkostung: Er riecht an einem mit Wein gefüllten Glas

Was für eine Nase!

Wenn Fachleute nur noch Ausdrücke ihrer Berufsgruppe benutzen, wird das oft zum Fachchinesisch, also zu einer Ausdrucksweise, die für die meisten Deutschen so unverständlich wie die Sprache Chinas ist. Bei Medizinern ist noch weitgehend anerkannt, wenn sie von Oesophagus statt Speiseröhre und Thorax statt Brustkorb sprechen. Die Fachbegriffe gelten als notwendig und sorgen meist für Ehrfurcht bei den Patienten.

Wenn Weinliebhaber dagegen von Nase statt Geruch sprechen, den ersten Geschmackseindruck als Attacke bezeichnen und die Intensität des Nachgeschmacks als Abgang, dann wirkt das auf Nichtkenner schnell etwas abgehoben. Erst recht, wenn die Kenner Ausdrücke aus der Kellertechnik benutzen und den probierten Wein nach Säuregraden, Gärverfahren und Bodeneinfluss analysieren.

Wenn die Spontanvegetation um sich greift

Eine Biene auf einer Löwenzahnblüte

Unbeliebte, aber nützliche Spontanvegetation

Besonders, wenn Beamte und Politiker versuchen, etwas ganz genau in Worte zu fassen, kommt oft reichlich entstelltes Deutsch dabei heraus. Da wird das Unkraut in der Sprache der Stadtplaner zur Spontanvegetation und die Erfüllung der Schulpflicht wird zur Beschulung. Sogar vor einer Beelterung schrecken die Bürokraten nicht zurück, um die Suche einer Pflegefamilie für ein Kind auszudrücken.

Viele Begriffe wirken dabei unfreiwillig komisch. Legendär geworden ist die in der früheren DDR übliche Bezeichnung für Engel als Jahresendflügelfigur. Besonders im Amtsdeutsch neigt man zu Substantiven statt Verben, oft auch aneinandergereiht. Ein Begriffsmonstrum wurde so 1999 im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern geboren: das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz, abgekürzt RflEttÜAÜG. Es war Teil eines Gesetzesvorhabens, das der damalige Landwirtschaftsminister Till Backhaus einbrachte. Die Abgeordneten des Landtags brachen darauf in lautes Gelächter aus. Der Titel wurde verändert.

Munter erfunden und dreist behauptet

Symbolbild eines Piraten

Ich liebe Seemannsgarn!

So ziemlich jede Berufsgruppe hat ihre Fachsprache, auch die Jäger und Seefahrer. Das Seemannsgarn hat damit aber nichts zu tun, genauso wenig wie das Jägerlatein. Davon spricht man, wenn Jäger ihre Jagderfahrungen und -erfolge blumig ausschmücken, dabei gerne übertreiben und so manches Detail hinzuerfinden.

Das tatsächliche Seemannsgarn wurde aus abgenutzten Tauen hergestellt. Dieses herzustellen war eine langweilige Arbeit, die viel Zeit kostete, bestens geeignet also, um den Schiffskollegen Erlebnisse zu erzählen und auch einfach nur zu erfinden. Diese Art von Geschichten wurde dann zum umgangssprachlichen Seemannsgarn, das in etwa dieselbe Qualität besaß wie Jägerlatein.

Geschwurbeltes

Nun gibt es aber auch Geschichten, die weniger unterhaltsam sind als Seemannsgarn und Jägerlatein. Wer sich – ob als Politiker in der Talkshow oder als Stammtischbruder in der Kneipe – mit bloßen Behauptungen in den Vordergrund spielen will, der hat eben nichts als Geschwafel zu bieten. Geschwätz könnte man auch sagen. Und wenn der Angeber versucht, seine Gesprächspartner mit verwirrend komplizierten Sätzen zu täuschen, dann hat man in einigen Teilen Deutschlands auch dafür ein Wort parat. Das ist dann nämlich Geschwurbel: also viel Wort-Getöse, aber nichts dahinter.

Fragen zum Text

Wenn ein Computer sich nicht mehr bedienen lässt, ist er …

1. im Aus.

2. abgestürzt.

3. abgegangen.

Beschulung bedeutet: …

1. die Erfüllung der Schulpflicht.

2. die Errichtung von Schulen.

3. der Betrieb und Unterhalt von Schulen.

Seemannsgarn und Jägerlatein haben eins gemeinsam: …

1. Es wird immer die Wahrheit gesagt.

2. Es ist eine berufsgruppenspezifische Sprache.

3. Der Inhalt des Erzählten ist erfunden.

Arbeitsauftrag

Denken Sie sich eine Geschichte aus, in der sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen unterhalten. Formulieren Sie einen Dialog, in dem jeder der beiden verschiedene Begriffe aus seinem Fachbereich verwendet und sie erklärt. Verwenden Sie bei der Recherche auch Alltagsdeutsch- oder Sprachbarfolgen der Deutschkurse.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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