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Wirtschaft

Facebook und die Mär vom freien Internet

Mark Zuckerberg versucht mit emotionalen Worten sein kostenloses Internet zu verteidigen. Doch wie frei kann ein Netzzugang sein, der nur eingeschränkte Inhalte ermöglicht?

Morgens gleich nach dem Weckerklingeln die WhatsApp-Nachrichten durchforsten, auf dem Weg zur Uni oder Arbeit das Neueste vom Tag direkt auf dem Smartphone lesen: Für viele ist das Alltag. Das gilt jedoch nicht für die zwei Drittel der Weltbevölkerung, die ohne Internet leben müssen.

Facebook will diese Menschen erlösen: Das von dem sozialen Netzwerk initiierte Projekt Internet.org will mit der Initiative Free Basics der armen Bevölkerung - etwa in afrikanischen Ländern oder Indien - das World Wide Web zum Nulltarif ermöglichen. Einziger Haken dabei: Die zukünftigen Nutzer bekommen nicht das gesamte Angebot des Netzes, sondern vor allem Dienste von Facebook wie die Messenger-Anwendung WhatsApp.

Smartphone-Nutzerinnen in Kalkutta - foto: Piyal Adhikary (EPA)

Smartphone-Nutzerinnen in Kalkutta: Zwei Drittel der Weltbevölkerung ohne Internetzugang

Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieb erst vor Kurzem in der Zeitung "Times of India" einen emotionalen Appell an die Inder. Das kostenlose Angebot enthalte auch Informationen zu Wetter und Bildung und sei genauso wichtig wie öffentliche Bibliotheken und Schulen, so der Gründer des sozialen Netzwerks.

Ein Verstoß gegen die Netzneutralität

In Indien hat die Telekom-Aufsicht TRAI den einzigen Telekombetreiber von Free Basics aufgefordert, das Angebot erst einmal zu stoppen. Kritiker bemängeln, Facebooks Projekt verstoße gegen die Netzneutralität. Für Stephan Urbach - Netzaktivist und Mitglied des Chaos Computer Clubs - ist Zuckerbergs Vorstoß "unglaublich schlimm". "Menschen, die sich keinen Internetzugang leisten können, setzen damit Facebook und das Netz gleich. Inhalte, die nicht dort oder auf WhatsApp sind, finden nicht mehr statt. Das bedeutet eine Monopolisierung von Meinungen", sagte Urbach der DW.

Deutschland Stephan Urbach

Netzaktivist Urbach: "Monopolisierung von Meinungen"

Zuckerberg selbst behauptet, Free Basics sei netzneutral, weil ja theoretisch jeder mitmachen könne. Mit dem Angebot wolle er eine Milliarde Menschen in Indien online bringen. "Wenn die Menschen Zugang zum Internet haben, haben sie auch Zugang zu Jobs, Bildung, Gesundheitspflege und Kommunikation."

Ist ein bisschen Facebook und WhatsApp also vielleicht doch besser als gar kein Netzanschluss? Das sei eine netter Gedanke, findet Urbach. "Aber Facebook macht das nicht aus altruistischen Gründen." Es gehe dem Unternehmen nicht darum, Menschen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, sondern seine Inhalte zu monetarisieren und den Werbemarkt Indien mit seinen vielen Millionen Bewohnern zu erschließen, so der Netzaktivist.

Facebook rührt währenddessen auf doppelseitigen Anzeigen in den größten englischsprachigen Zeitungen, auf Plakatwänden und in Mitteilungen auf dem sozialen Netzwerk kräftig die Werbetrommel. Der Konzern fordert die Menschen in Indien auf, an die Telekom-Aufsicht TRAI zu schreiben. In dem südasiatischen Land leben Hunderte Millionen Menschen unter der Armutsgrenze - von weniger als 1,90 US-Dollar am Tag. Für sie sind ein regulärer Internetanschluss oder Datenpakete unerschwinglich.

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