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Soziale Netzwerke

Facebook plant zweites deutsches Löschzentrum

Freie Meinungsäußerung - oder strafbare Hassrede? Ob Einträge in sozialen Netzwerken entfernt werden müssen, ist oft nicht leicht zu entscheiden. Die Arbeit ist aber auch aus einem anderen Grund äußerst belastend.

Deutschland Facebook gibt Einblick ins Berliner Löschzentrum (picture alliance/dpa/S. Stache)

Mitarbeiter im bereits bestehenden Facebook-Löschzentrum in Berlin (Archivbild)

Facebook will im Herbst ein zweites Löschzentrum eröffnen, das seinen Sitz in Essen haben und mit 500 Mitarbeitern ausgestattet sein soll. Wie das weltgrößte Online-Netzwerk mitteilte, wird die Einrichtung vom externen Dienstleister Competence Call Center betrieben. In Berlin stockt das Unternehmen gerade die Zahl der Mitarbeiter im ersten Löschzentrum von 500 auf 700 auf. Dieser Standort läuft unter Federführung der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato.

In beiden Zentren sollen strafbare oder beleidigende Einträge entfernt werden. Das vor kurzem im Bundestag angenommene Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internetplattformen, strafbare Hassrede schneller zu löschen. In eindeutigen Fällen soll das binnen 24 Stunden passieren, bei schwieriger Sachlage innerhalb einer Woche.

"Unternehmen bekommen die Deutungshoheit"

Kritiker, auch aus der Internetbranche, bemängeln unter anderem, dass damit Unternehmen eine Deutungshoheit über Meinungsäußerungen bekämen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig - um vor Geldstrafen sicher zu sein, die das neue Gesetz vorsieht.

Facebook gewährt Journalisten bisher keinen Einblick in die Arbeitsweise der Löschteams. Bei einem Pressetermin im Juli waren nur streng reglementierte Gespräche mit ausgewählten Mitarbeitern des Berliner Zentrums möglich. Das Unternehmen nennt weder konkrete Zahlen zur Fehlerquote bei Löschentscheidungen noch zum Anteil jener Mitarbeiter, die sich konkret um deutschsprachige Inhalte kümmern.

Tierquälerei, Totschlag, Enthauptungen

Die Arbeit in den Löschzentren gilt als psychisch belastend. Wer Einträge der Nutzer bewertet, muss auch Videos mit abscheulichen Inhalten ansehen, unter anderem schwere Fälle von Tierquälerei und Gewaltverbrechen bis hin zu Totschlag und Enthauptungen.

jj/sti (dpa, facebook)

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