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Wirtschaft

Facebook: Der Börsenflop des Jahres?

Facebook sollte einer der größten und glanzvollsten Börsengänge aller Zeiten werden. Daraus wurde nichts. Auf Euphorie folgte Ernüchterung, nun herrscht blankes Entsetzen. War die Gier zu groß?

Television correspondent Sabrina Quagliozzi reports from inside the Nasdaq MarketSite in New York's Times Square, Monday May 21, 2012. Facebook's stock is tumbling well below its $38 IPO price in the social network's second day of trading as a public company on Monday. (AP Photo/Richard Drew)

Symbolbild Facebook

Monatelange hatten Anleger dem Börsengang von Facebook entgegen gefiebert, doch statt eines guten Geschäfts gab es ein Desaster: Die Aktie hat in wenigen Tagen fast ein Fünftel ihres Werts verloren. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. "Viele vernünftige Leute haben erkannt, dass Facebook völlig überteuert ist und zu diesem Zeitpunkt nicht bereit war, die Kassen von professionellen Investoren zu füllen", so Oliver Roth, Chefhändler der Close Brothers Seydler Bank AG.

Anleger, die zum Augabepreis von 38 Dollar bei Facebook eingestiegen sind, verloren bis zum dritten Handelstag (Dienstag, 22.05.2012)  gut 18 Prozent ihres Geldes, so tief ging es in den Keller. Damit legt das soziale Netzwerk mit seinen inzwischen mehr als 900 Millionen Mitgliedern einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hin. Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das "Wall Street Journal" veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen.

Von insgesamt 24 solchen Börsenstarts standen demzufolge nach drei Handelstagen nur acht im Minus. Die Negativliste führt jetzt klar Facebook an. Das nächst schlechtere Unternehmen, der Vermögensverwalter Och-Ziff, kam auf ein Minus von 13 Prozent. Unter den Verlierern findet sich auch der Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga mit minus acht Prozent.

Nasdaq in New York (Foto: dapd)

Der Facebook-Börsengang war keine Sternstunde an der US-Technologiebörse Nasdaq.


Morgan Stanley in der Kritik

Vor allem die Investmentbank Morgan Stanley, die den Facebook-Börsengang federführend organisierte, steht nun unter Beschuss. Die sogenannten "Lead Underwriter", also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs, hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen, lautet der zentrale Vorwurf.

Zum Börsendebüt am Freitag hatten die Banken um Morgan Stanley massiv versucht, den Kurs noch hoch zu halten. Das Papier wurde mit Zukäufen über dem Ausgabepreis von 38 Dollar gehalten. Das, so Robert Halver, Chefanalyst der Baader Bank, sei aber ein üblicher Vorgang: "Das macht man natürlich bei den Konsortialbanken, wenn die Kurse nicht stimmen, dann sorgt man dafür, dass die ersten Kurse natürlich gut aussehen." Anleger sollten nun erst einmal abwarten, rät Halver.

Nadaq mit peinlichem Patzer

"Es war nicht unsere beste Stunde", so entschuldigte sich der Chef der New Yorker Technologiebörse Nadaq für eine der peinlichsten Pannen, die es je bei einem Börsengang gegeben hat. Stundenlang konnten am Freitag keine Kurse festgestellt werden. Händler mussten dem Treiben tatenlos zu sehen: "Ein klassischer Fehlstart. Absolut unmöglich. Das darf im Land des Kapitalismus nicht passieren", so Robert Halver von der Baader Bank.

An der Nasdaq gab es große Probleme mit den Bestellungsbestätigungen. Die Computer waren dem Ansturm offensichtlich nicht gewachsen. Anleger wussten teilweise Stunden lang nicht, ob ihre Kauforder überhaupt durchgeführt worden war. Die US-Börsenaufsicht leitete bereits eine Untersuchung der Vorgänge ein. Die ersten Sammelklagen gegen die Nasdaq werden schon vorbereitet.

Facebook erzielt Vergleich in Sachen Datenmissbrauch

Doch es gibt auch eine gute nachricht für Facebook: Das Unternehmen hat in einem Rechtsstreit um den Missbrauch von Nutzerdaten für Werbezwecke einen Vergleich erzielt. Dies geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die am Dienstag in San Francisco öffentlich wurden. Die Kläger hatten dem sozialen Netzwerk vorgeworfen, "Gefällt-mir"-Hinweise von Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung für Werbung missbraucht zu haben.
      
Demnach wurde der "Gefällt-mir"-Hinweis von Facebook-Nutzern zu Unternehmen oder Produkten an Freunde des jeweiligen Mitglieds weitergeleitet. In einigen Fällen war sogar das Profil oder Foto des Mitglieds in die sogenannten "sponsored stories" eingefügt, die den Klägern zufolge Anzeigenformat hatten.
      
Das Verfahren war in den USA als Sammelklage angelegt, der sich zahlreiche Mitglieder hätten anschließen können. Einzelheiten des Vergleichs wurden nicht bekannt. Das soziale Netzwerk steht wegen seines Umgangs mit den Mitgliederdaten seit langem im Visier von Datenschützern.

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