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Fokus Osteuropa

Für wen der Drogenhandel in Zentralasien ein einträgliches Geschäft ist

Aus der alten Seidenstraße ist eine Rauschgiftroute geworden. Der russische Experte Lew Korolkow erklärt der Deutschen Welle, wie und warum die zentralasiatischen Staaten zu Transitländern des Drogenschmuggels wurden.

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Drogenvernichtung in Tadschikistan

Jährlich werden schätzungsweise 7.000 Tonnen Drogen von Afghanistan nach Europa transportiert. Die Wege der Schmuggler führen über die alte Seidenstraße - durch Tadschikistan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan über Russland und von dort weiter nach Westeuropa. Warum der Schmuggel über diese Route überhand nimmt, analysiert der russische Experte Lew Korolkow in einem Interview mit der Deutschen Welle.

DW: Wie kann man die Tatsache erklären, dass die zentralasiatischen Staaten nicht in der Lage sind, die Schmuggelwege effizient zu kontrollieren?

Korolkow: Zunächst kann man das dadurch erklären, dass die Grenzen zwischen den zentralasiatischen Staaten und Afghanistan in sehr schlechtem Zustand sind, da man nicht genug Geld für ihre Überwachung hat. Zweitens haben diejenigen, die für die Kontrolle des Drogenschmuggels zuständig sind, kein Interesse daran, weil sie davon profitieren. So kommt es, dass nicht selten Grenzsoldaten oder Zollbeamte einfach die Augen verschließen. Die Hauptroute der Schmuggler führt über Tadschikistan und Kirgisistan nach Russland. Da in Kirgisistan die Bevölkerung stark wächst und Arbeitsplätze fehlen, fällt es den kriminellen Banden dort leicht, immer wieder neue Schmuggler zu rekrutieren. Im Vergleich dazu gibt es weniger Drogenschmuggel via Kasachstan. Zu Turkmenistan gibt es keine statistischen Angaben. Obwohl wir eine Reihe von Abkommen zur Bekämpfung des Drogenhandels mit verschiedenen zentralasiatischen Staaten geschlossen haben, bleibt dieser Kampf nach wie vor erfolglos.

Wer unterstützt die Drogenbosse in Zentralasien?

Es sind genau diejenigen, die den Kampf gegen den Drogenhandel führen müssten. In Tadschikistan sind das zum Beispiel Polizisten, die konfiszierte Drogen nicht vernichten, sondern weiterverkaufen. Sogar in Russland wurden einige Beamte der Behörde zur Kontrolle über den Handel mit Rauschmitteln entlassen und verurteilt. Aber es handelte sich dabei bisher nur um untergeordnete Beamte. In Zentralasien sind allerdings Beamte auf Regierungsebene in den Drogenhandel verwickelt. Die Informationen, die wir aus Tadschikistan bekommen, belegen, dass viele korrupte Gouverneure und hohe Beamte am Drogenhandel beteiligt sind. Sie erzielen daraus große Gewinne und verwenden das Geld primär dafür, neue Technologien des Drogenschmuggels zu entwickeln oder kriminelle Gruppen zu unterstützen.

Wie ist die Situation in Kirgisistan?

Die Gegner des kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew behaupten, dass Personen aus seinem Umfeld den Drogenhandel unterstützten. In Kirgisistan existieren viele Fabriken, die Morphin für medizinische Zwecke herstellten. Nach dem Zerfall der UdSSR wurden diese Fabriken von Personen aufgekauft, die alle auf die eine oder andere Art mit der organisierten Kriminalität verbunden sind. Die Grenzen zwischen Russland und Kirgisistan sind durchlässig, und diese Tatsache begünstigt die Verbreitung der Kuriernetze.

Welche Maßnahmen ergreifen die Behörden in Kasachstan und Usbekistan, um die Drogenflut einzudämmen?

In Kasachstan legt man in letzter Zeit großen Wert darauf, den Drogenhandel zu bekämpfen. Die Kooperation mit der russischen Behörde zur Kontrolle über den Handel mit Rauschmitteln hat sich deshalb verbessert. Im Zeitraum von 2008 bis 2009 wurden große Drogenlieferungen gestoppt. Aufgrund des rigiden politischen Regimes in Usbekistan wird dort der Kampf gegen den Drogenhandel auf Regierungsebene kontrolliert. Hier muss man den traditionellen Konflikt um Wasservorkommen zwischen Kirgisistan und Usbekistan in Betracht ziehen. Deshalb bewacht Usbekistan die Grenze zu Kirgisistan sehr genau. Aber trotz des harten Vorgehens sind die Erfolge bei der Drogenbekämpfung gering.

Autoren: Vitali Wolkow, Marina Baranowska
Redakteur: B.Görtz

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