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"Für umme"

Wenn die Wirtschaft lahmt und bei den Menschen das Geld nicht locker sitzt, locken viele Geschäfte mit "Preishämmern" und "Tiefpreisalarm". Und manchmal gibt es sogar etwas gratis dazu. Und siehe da: Es funktioniert!

Ein 30-Prozent-Rabatt-Werbung an einem Kaufhaus

Viele bunte Schilder locken Kunden an

Was, bitte sehr, ist ein "Tiefpreisalarm"? Von grell rot-gelben Plakaten an den Schaufenstern und gläsernen Doppeltüren einer Kaufhauskette springt dieses bemerkenswerte Wort gleichsam ins Auge: "Tiefpreisalarm"! Mit Ausrufungszeichen! Da gehen wir doch besser in Deckung, oder? Schließlich bedeutet "Alarm" Gefahrenmeldung, Warnung. Sollen wir uns also bei "Tiefpreisalarm" schützen, uns an einen sicheren Ort flüchten, wo uns die tief fliegenden Preise nicht finden können?

Billig, aber nicht geschenkt

Nicht nur von Tiefpreisen droht Gefahr, man muss aufpassen, dass einen in den Innenstädten nicht ein "Preishammer" erschlägt oder man unversehens in den "Preiskeller" stürzt. Welcher Werbestratege auch immer sich den "Tiefpreisalarm" hat einfallen lassen, man muss ihm oder ihr – auch wenn's schwer fällt – eines zugute halten: Ein Alarm ist eben auch die Aufforderung, sich bereitzuhalten. Also Leute: "Aufgepasst, bei uns gibt's vieles zum kleinen Preis." Das ist gemeint, das ist die Botschaft; verknüpft mit der Hoffnung, sie möge möglichst viele erreichen.

In Zeiten allgemeiner Kaufzurückhaltung wird mit allen Mitteln um den Kunden geworben. Das Wörtchen "nur" vor der Preisangabe ist inzwischen selbstverständlich. "Nur geschenkt ist billiger", heißt es in Inseraten und Postwurfsendungen. "Als Dank für Ihr Interesse wartet ein praktisches Präsent auf Sie, das Sie in jedem Fall behalten dürfen." Schon das kleine Probe-Abo sichert dem Besteller die wertvolle Armbanduhr im Retro-Design. Gratis natürlich.

Kundenfang

Zugegeben – es gibt da Uhren, die inzwischen zu begehrten Sammlerobjekten geworden sind, aber auch sie sind nur der Köder, mit dem man Kunden fängt. Ebenso das dreiteilige Luxus-Sommelier-Set, das "als Dankeschön gratis zu Ihrer ersten Bestellung ab 12 Flaschen" mitgeliefert wird. Das Wort "gratis" ist übrigens lateinischer Herkunft und heißt eigentlich "zum Dank". "Als Dankeschön gratis" ist somit doppelt-gemoppelt.

Fast überall und zu allem gibt's noch etwas dazu, und wenn es nur "ein kostenloses Heißgetränk Ihrer Wahl" ist. Bemerkenswerterweise erscheint das Wort "umsonst" kaum in der Werbung. Grund dafür mag sein, dass es auch die negative Bedeutung "vergeblich" hat. So wie man sagt, "er hat sich umsonst bemüht".

Ein kleiner, aber feiner Unterschied

Ein sprachlich etwas holpriges Beispiel, das aber genau den Unterschied zwischen umsonst und kostenlos deutlich macht, ist dieses: "Meine Ausbildung war kostenlos. Deine aber umsonst." Dennoch ist "umsonst" in der Alltagssprache im Sinne von "das kostet nichts" durchaus geläufig. Allerdings in der Wendung "für umme". Man könnte auch sagen "geschenkt".

"Zwee Äppl fer die Kinner", sagt der Mann am Marktstand und will kein Geld dafür. Die sind geschenkt. "Fer umme". Miesepeter würden jetzt sagen, das ist seine Form der Rabattgewährung, weil die Mama seit Jahr und Tag bei ihm kauft; aber die richtigen Rabattgeschäfte sehen anders aus. Rabatt ist ein Preisnachlass, der in aller Regel in Prozent ausgedrückt und vom Netto-Preis abgezogen wird.

Schwindlig vor lauter Rabatten

Aber Rabatt ist nicht gleich Rabatt! Da gibt es zum Beispiel den "Aktionsrabatt". Nur für kurze Zeit. Oder den "Treue-Rabatt", wenn der Kunde immer wieder brav im selben Laden etwas gekauft hat. Allerdings muss das nachgewiesen werden. Früher gab es dafür die Rabattmarkenheftchen. Wenn sie voll waren, konnten sie direkt gegen Bares im Geschäft eingetauscht werden.

Heute gibt es die Payback-Card, beziehungsweise das Payback-System. Viele Unternehmen unterschiedlichster Branchen sind daran beteiligt. Je nach Punktestand auf der Karte gibt's dann Gutscheine. Zum Beispiel für "mehr 'miles and more'-Meilen" bei einer überaus renommierten deutschen Fluglinie. Es gibt "Sonderrabatte" bei Geschäftsjubiläen oder anderen Anlässen; beim "Mengenrabatt" reduziert sich je nach Vereinbarung der Stückpreis.

Knallrot als Signalfarbe

Das Wort "reduziert" ist in der Kauf- und Warenwelt allgegenwärtig; das knallrote Prozentzeichen zum Signal für Preisnachlässe geworden. Und tatsächlich: Da gab es in einer südwestdeutschen Großstadt das Inserat: "Rausverkauf! Vieles fast für umme!" – Was die Sprache so alles mit sich machen lassen muss …

Autor: Michael Utz

Redaktion: Shirin Kasraeian

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