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Kultur

Für sie soll's rote Rosen regnen

Hildegard Knef, die große alte Dame des Nachkriegsfilms, ist tot. Die Schauspielerin und Sängerin starb in der Nacht zum Freitag (01.02.) im Alter von 76 Jahren in einer Berliner Lungenklinik.

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Hildegard Knef

Dort war sie am Donnerstagvormittag aufgenommen worden. In der Nacht hatte sich ihr Zustand durch eine akute Lungenentzündung verschlechtert. Hildegard Knef litt seit vielen Jahren an einem chronischen Lungenemphysem, einer Überblähung der Lunge. Seit einer Notoperation im Frühsommer vergangenen Jahres, bei der sie einen Teil ihrer Lunge einbüßte, bekam sie nur noch mit einem Sauerstoffgerät genügend Luft und musste im Rollstuhl sitzen.

Zur drastischen Verschlimmerung ihres Lungenleidens kam es nach einem Langstreckenflug im letzten Jahr, bei dem ihr Sauerstoffgerät fehlte. Dieser Flug hatte nicht nur ihre Lunge irreparabel geschädigt, sondern ihr auch ein dreiwöchiges Koma und 100 Tage Aufenthalt auf der Intensivstation eingebracht. Unmittelbar vor ihrem 76. Geburtstag am 28. Dezember berichtete die Knef in Interviews, sie habe im vergangenen Jahr "mehr durchgemacht, als ein Mensch sich vorstellen könne". Ihren letzten Geburtstag feierte sie im kleinen Kreis mit ihrem dritten Ehemann Paul von Schell. Knefs Pläne, sich nach einem bewegten Leben auch von einem schwereren Lungenleiden nicht unterkriegen zu lassen und auf die Bühne zurückzukehren, blieben Träume.

Hildegard Knefs Karriere

Die Knef war als Tochter eines Prokuristen am 28. Dezember 1925 unter dem Taufnahmen Hildegard Frieda Albertine Knef in Ulm auf die Welt gekommen. In Berlin wuchs sie auf, machte eine Ausbildung als Trickzeichnerin bei der Ufa und besuchte die Filmhochschule in Babelsberg. Das Kriegsende erlebte die Knef auf der Flucht. In Männerkleidern versteckte sie sich mit ihrem damaligen Freund vor den Russen. Das Paar wurde gefasst und in ein russisches Lager gebracht. Dort stellte sich heraus, dass der Geliebte ein hoher Nazi war.

1946 spielte sie im ersten deutschen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte als KZ-Insassin ihre erste Hauptrolle. Bekannt wurde sie 1951 in Willi Forsts Film "Die Sünderin": die kurze Nacktszene in diesem Film löste damals einen Skandal aus, nicht nur bei Vertretern der katholischen Kirche.

Der internationale Durchbruch gelang Hildegard Knef bald darauf am Broadway: Insgesamt 675 Mal begeisterte die junge deutsche Künstlerin mit den großen Augen die verwöhnten New Yorker Zuschauer als "Ninotschka" in dem Musical "Seidenstrümpfe". Danach drehte sie Filme in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA. 1963 startete sie ihre Karriere als Chansonsängerin. Nebenbei schrieb sie mehrere autobiographische Bücher ("Der geschenkte Gaul", 1970). Das Multitalent spielte, sang, tanzte und schrieb sich in die Herzen eines internationalen Publikums.

Kein leichter Weg

Gratis war die mehr als 50-jährige Karriere leider nicht zu bekommen: Künstlerisch wie privat ist sie aus den höchsten Höhen immer wieder tief gefallen. Es sei es nicht leicht gewesen, als erste deutsche Schauspielerin nach dem Krieg nach Amerika zu kommen, berichtete sie einmal: "Das war erst mal Prügel, Prügel, Prügel. Und wirkliche Ablehnung". Mit eiserner Disziplin jedoch hat sie den Widrigkeiten des Lebens immer wieder getrotzt, ihren Brustkrebs besiegt, unzählige Operationen überstanden und Niederlagen und Enttäuschungen weg gesteckt. Ihre Berufswahl habe sie nie bereut, sagte sie, nur andere Betreuer hätte sie gerne gehabt.

Reaktionen auf ihren Tod

Die Schauspielerin Inge Meysel hat mit großer Bestürzung auf den Tod von Hildegard Knef reagiert. "Die Todesnachricht hat mir einen Schock versetzt. Für mich ist Hildegard Knef noch eine junge Frau gewesen", sagte die 91-jährige Meysel in Hamburg. Sie trauere vor allem mit Knefs Ehemann Paul von Schell: "Der Mann bleibt übrig, der tut mir Leid." Knef habe in der letzten Zeit sehr viele Schmerzen gehabt, sagte Meysel. Letztlich sei sie davon "erlöst" worden.

Der Sänger der deutschen Rockgruppe "Extrabreit", Kai Havaii, erinnert sich mit Wehmut an seine musikalische Zusammenarbeit mit der verstorbenen Film-Diva Hildegard
Knef. Sie sei "eine klasse Frau" gewesen, sagte Havaii in einer ersten Reaktion auf die Todesnachricht Knefs. 1992 hatte sie zusammen mit "Extrabreit" ihr Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen" neu aufgelegt. (fro)

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