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Asien

Für Pakistan war NATO-Angriff vorsätzlich

Die Fronten zwischen Pakistan und der NATO verhärten sich. Islamabad erhebt nach dem Angriff auf pakistanische Grenzposten schwere Vorwürfe gegen das Militärbündnis. China positioniert sich: auf die Seite Pakistans.

Pakistanische Soldaten versperren NATO-Transportern den Weg (Foto: dapd)

Reaktion: Pakistanische Soldaten versperren NATO-Transportern den Weg

Pakistan hat nach dem NATO-Luftangriff auf zwei Militärbasen im Grenzgebiet zu Afghanistan weitere schwere Vorwürfe gegen das Militärbündnis erhoben. Islamabad gehe inzwischen von einem vorsätzlichen Angriff aus, sagte Militärsprecher, Generalmajor Athar Abbas, am Montag (28.11.2011) dem Sender Geo TV. Die NATO-geführte Afghanistan-Schutztruppe ISAF sei über den Standort jedes pakistanischen Armeepostens informiert.

Bei dem Angriff habe es sich nicht um ein Missverständnis gehandelt. "Zu sagen, das sei keine vorsätzliche Handlung gewesen, heißt, die Tatsachen zu verdrehen", sagte Abbas. Die Operation am Samstagmorgen habe zudem mehr als zwei Stunden gedauert und die Soldaten der NATO hätten das Feuer selbst dann nicht eingestellt, als örtliche Kommandeure sie dazu aufgefordert hätten, klagte der Militärsprecher weiter.

Karte Pakistan und Afghanistan (DW-Grafik: Peter Steinmetz)

Der Vorfall ereignete sich in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan

Abbas wies auch die Darstellung der afghanischen Armee zurück, wonach die ISAF zuerst von Pakistan aus beschossen worden sei und daraufhin Luftunterstützung angefordert hätte. "Dies ist falsch, sie suchen nur Entschuldigungen", sagte der Militärsprecher. Er forderte die internationalen Truppen auf, die Opfer dieses vermeintlichen Beschusses zu zeigen: "Was sind denn ihre Verluste?" Abbas sagte dem Urdu-Dienst der BBC, in den vergangenen drei Jahren habe die NATO mindestens sieben Mal pakistanische Posten angegriffen. Dabei seien 72 Soldaten getötet und 250 weitere verletzt worden.

China unterstützt Pakistans Kritik

China hat sich "tief geschockt" über den Angriff von NATO-Kampfhubschraubern auf den pakistanischen Militärposten geäußert. China übermittele Pakistan sein aufrichtiges Beileid, teilte das chinesische Außenministerium am Montag mit. Der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, sagte, die "Souveränität und territoriale Integrität" Pakistans müsse respektiert werden. China sei sehr besorgt über den Zwischenfall, der genau untersucht werden müsse. Peking pflegt traditionell ein enges Verhältnis zu Pakistan, das im Zuge der Verschlechterung seiner Beziehungen zu den USA eine größere Nähe zu der aufstrebenden asiatischen Macht sucht.

Bei dem ISAF-Luftangriff auf die beiden Vorposten im Nordwesten Pakistans waren am vergangenen Samstag 24 pakistanische Soldaten getötet worden. Die NATO hat sich für die Opfer entschuldigt und eine Untersuchung angekündigt. Auch die USA wollen den Vorfall aufklären.

Vorfall schadet Beziehungen erheblich

Demonstration in Lahore gegen die USA und die NATO (Foto: dapd)

Demonstration in Lahore gegen die USA und die NATO

Der Tod der Männer werde Konsequenzen haben, hatte die pakistanische Regierung am Sonntag angekündigt. Sie werde ihre Zusammenarbeit mit der NATO und den USA überprüfen. Unmittelbar nach dem Vorfall hatte die Regierung bereits die wichtigsten Routen für Nachschub der NATO in Afghanistan gekappt. Die NATO transportiert etwa 40 Prozent ihres Nachschubs für den Kampf gegen die Taliban in Afghanistan über das Nachbarland Pakistan. Zudem forderte Islamabad die USA auf, eine Luftwaffenbasis in Shamsi im Südwesten des Landes innerhalb der kommenden 15 Tage zu räumen. Von dem Stützpunkt starten US-Drohnen.

Das Verhältnis zwischen Islamabad und Washington ist seit längerer Zeit zerrüttet. Vor allem die US-Drohnenangriffe auf angebliche Taliban-Stützpunkte in Pakistan rufen in der Bevölkerung große Ablehnung und Wut hervor. Die Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden im Mai in der pakistanischen Stadt Abbottabad durch US-Einheiten verschlechterte das Verhältnis weiter.

Der Angriff auf den Stützpunkt war der schwerste Zwischenfall, seit die Regierungen in Washington und Islamabad Ende 2001 eine Allianz gegen den Terrorismus gebildet haben. Die Bergregion zwischen Pakistan und Afghanistan gilt als Hochburg der Taliban.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, rtr, afp, dapd)

Redaktion: Annamaria Sigrist

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