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Fokus Osteuropa

Für Letten ist Deutschland eine Option

Ab Mai gilt auch für die Bürger Lettlands die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Wer in Deutschland Arbeit sucht, bereitet sich mit Deutschkursen darauf vor. Job-Chancen haben vor allem Fachkräfte.

Blick auf die lettische Hauptstadt Riga (Foto: RIA Novosti)

Blick auf die lettische Hauptstadt Riga

Valdis Dombrovskis winkt ab: Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes werde keine gravierenden Abwanderungsbewegungen lettischer Arbeitskräfte zur Folge haben, meint der Regierungschef Lettlands. "Für diejenigen, die über Auswanderung nachdenken, wird Deutschland nur eine von vielen Optionen sein", sagte er. Denn wer im Ausland arbeiten wolle, der hat den Schritt längst vollzogen und arbeitet bereits in Ländern, die ihren Arbeitsmarkt früher geöffnet hätten, glaubt Dombrovskis.

Lettlands Premier Valdis Dombrovskis (Foto: RIA Novosti)

Lettlands Premier Valdis Dombrovskis

In Lettland leben knapp 2,5 Millionen Menschen. 50.000 von ihnen arbeiten im Ausland, heißt es in offiziellen Statistiken. Laut inoffiziellen Angaben sind es aber doppelt so viele. Vor allem Großbritannien, das seine Grenzen 2004 direkt nach der EU-Erweiterung geöffnet hatte, wurde zu einem wichtigen Ziel der Letten. Ab dem 1. Mai gilt die Freizügigkeit für Arbeitnehmer in nahezu allen EU-Staaten. So werden von nun an auch Bürger der acht neuen EU-Staaten - Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, der Slowakei sowie der drei baltischen Staaten - Zugang zu den Arbeitsmärkten der anderen EU-Mitglieder haben. Ab 2013 entfallen alle Begrenzungen auch für Rumänien und Bulgarien.

Jobs im Ausland gefragt

Die Nachfrage nach Auslandsjobs ist bei den Letten groß. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Europäische Arbeitnehmerdienst EURES in Lettland mit über 20.000 Bewerbungen sogar einen Rekord. Das EURES-Netz bietet Informationen, Beratung und Vermittlung für Arbeitskräfte und Arbeitgeber. EURES wurde 1993 gegründet und ist ein Kooperationsnetz zwischen der Europäischen Kommission und den öffentlichen Arbeitsverwaltungen der EU-Staaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein.

Logo von EURES

Logo von EURES

"Im Durchschnitt fragen bei uns pro Monat 1000 bis 1200 Menschen an", berichtet die EURES-Mitarbeiterin Ivona Dejsone. 26 Prozent interessierten sich für Großbritannien, an zweiter Stelle stehe Norwegen. Dort seien die Löhne höher als in den andern skandinavischen Ländern. "Zunehmendes Interesse besteht auch an offenen Stellen sowie Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland. Aber man kann nicht sagen, dass das Interesse wirklich groß ist, oder dass sich jetzt alle nur noch für Deutschland interessieren", unterstreicht Dejsone.

Sprechen Sie Deutsch?

Das könnte sich ändern. Denn spürbar ist ein zunehmendes Interesse an Deutschkursen in dem baltischen Land. So bietet die lettische Sprachschule Lingua+Riga inzwischen an sieben Tagen pro Woche Deutschkurse an. Die meisten Teilnehmer sagen, sie wollten Deutsch lernen, um in Deutschland arbeiten zu können. "Wenn man in Deutschland anruft und Englisch spricht, bekommt man als Antwort zu hören, man müsse Deutsch sprechen", berichtet eine Kursteilnehmerin. Darauf müsse man sich einstellen. "Ich bin Fahrer und würde gerne auch in Deutschland arbeiten", wünscht sich ein anderer Kursteilnehmer. Er habe bereits viele Freunde in Deutschland. Einer arbeite dort als Friseur, ein anderer habe ein eigenes Geschäft. "Ich bin von Beruf Kartograph und hoffe, dass wenn ich die Sprache erlerne, ich es dann auch in Deutschland versuchen kann", so ein anderer Kursteilnehmer.

Es gebe zwei Kategorien von Schülern, erläutert die Leiterin der Sprachschule, Daria Nechepurenko: "Die erste Gruppe sind diejenigen, die sehr schnell die Sprache lernen wollen, weil sie schon in zwei, drei Monaten nach Deutschland gehen. Die andere Gruppe sind diejenigen, die es nicht so eilig haben. Das sind hauptsächlich Medizinstudenten." Sie hätten meist ein oder zwei Jahre Zeit, um Deutsch zu lernen.

Geringere Lohnforderungen

Arbeit in Deutschland suchen vor allem lettische Ärzte, Ingenieure und Techniker. Die Leiterin der Personalfirma Talentor Latvia, Katrina Oshlaja, ist überzeugt: Qualifizierte Fachkräfte haben die besten Chancen, einen Job in Deutschland zu bekommen. "Spezialisten aus unserem Land stellen geringere Lohnforderungen als in Deutschland üblich", sagt sie. Viele gut ausgebildete Ingenieure sind in Lettland zur Zeit nämlich arbeitslos.

Autor: Aleksej Romanow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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