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Kultur

Für einen Drink sterben

Die Zahl der Todesopfer durch Leberzirrhose ist in Großbritannien dramatisch angestiegen. Wissenschaftler sehen die Ursache im Exzesstrinken. Weintrinkern soll es europaweit besser gehen.

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Britische Trinkfreude - nicht für die Leber

Die Briten trinken sich immer öfter in ihr Grab. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer Studie, über die britische Mediziner im Fachmagazin "Lancet" berichten.

David Leon von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und Jim McCambridge vom Psychiatrischen Institut des Londoner King's College verglichen dazu die Anzahl von Todesfällen durch Leberzirrhose in insgesamt 13 europäischen Ländern. Langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum gilt als Hauptverursacher der Krankheit.

Schottische Trinker rekordverdächtig

Hatten die Briten in den 1950er Jahren noch die geringsten Todesraten durch alkoholbedingte Krankheiten in ganz Europa, stieg die Mortalität gerade in den 1980er und 1990er Jahren stark an. Die Todesrate in England und Wales ist nun vergleichbar dem westeuropäischen Schnitt, schreiben die Autoren.

Auch das Klischee von den besonders trinkfreudigen Schotten entbehrt anscheinend nicht jeder Grundlage. Im Norden der Insel sterben jeweils mehr als doppelt so viele Männer und Frauen an der Leberkrankheit wie in England und Wales. Das ist eine der höchsten Raten in Westeuropa.

Bechern bis zum Abwinken

Eine Ursache sehen die Forscher in der britischen Vorliebe für das "Binge Drinking" - das Trinken bis zum Exzess. Das ist der Alkoholkonsum von mehr als vier Litern Bier bei Männern - oder mehr als drei Litern bei Frauen - an einem Tag. Einer von fünf Männern und jede zehnte Frau in Großbritannien tut sich dies jede Woche an. Nach einer Erhebung des Institute for Alcohol Studies sind unter den 18 bis 24 Jahre alten Frauen auf der Insel sogar knapp ein Drittel Exzesstrinkerinnen.

"Eine Hauptursache für die stetig wachsende Zahl der Todesfälle ist aber der stark gestiegene Gesamtkonsum von Alkohol", schreibt Professor Robin Room von der Universität Stockholm in einem Kommentar ebenfalls im "Lancet". Der Studie zufolge trinken die Briten heute doppelt so viel wie 1960.

Weniger Tote in Weintrinkernationen

Weinglas und Karaffe

Weniger Alkoholtote unter Weintrinkern

Die im November 2005 von der britischen Regierung abgeschaffte langjährige Vorschrift, nach der in Pubs die Bar ab punkt 23 Uhr schließen musste, hat übrigens bisher nicht zu einer dramatischen Explosion des Trinkproblems geführt. Dies war zuvor von Kritikern der liberaleren Öffnungszeiten vorhergesagt worden.

In ganz Europa machen die Forscher darüber hinaus einen interessanten Trend aus. Während in Ländern, die mit Vorliebe Bier und Schnaps konsumieren, ständig mehr Tote durch Leberzirrhose zu beklagen sind, geht die Zahl der Opfer in Weintrinkernationen - zumeist in Südeuropa - zurück. Teilweise hat sich hier die Todesrate durch Zirrhose um bis zu 30 Prozent verringert. (rri)

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