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GMF15

Für eine bessere Welt

Bildung ist eines der wesentlichen Zukunftsthemen, um den Herausforderungen der Globalisierung zu begegnen. Allerdings sind die Möglichkeiten davon zu pro-fitieren ungleich verteilt.

Franz Josef Radermacher, Professor für Informatik an der Universität Ulm, Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW/n) und Mitglied des Club of Rome, im Interview mit der Deutschen Welle.

Die hochentwickelten Industrienationen müssen ihrer Verantwortung beim Thema Chancengleichheit nachkommen, davon ist Prof. Franz Josef Radermacher überzeugt. Für ihn sind „balancierte Bildungschancen“ ein zentrales Thema für das gesellschaftliche Wohlergehen: Eine gute Bildung für alle ist ein Kernbereich sozialen Ausgleichs. Es ist eines der Millenniums-Entwicklungsziele, dass alle Kinder auf diesem Globus, insbesondere auch alle Mädchen, zumindest einen ersten Schulabschluss erreichen sollten. Auch an dieser Stelle müssen die wohlhabenden Staaten sehr viel mehr bewegen, zum Beispiel was den Transfer von Finanzmitteln angeht.“

Das hohe Konfliktpotential, das sich aus den ökonomischen, ökologischen und sozialen Ungleichheiten in unterschiedlichen Konstellationen zwangsläufig ergibt ist für Radermacher eine wichtige Thematik. Er sieht Konflikte zwischen der reichen und der sich entwickelnden Welt, innerhalb des OECD Verbundes ebenso wie der Entwicklungsländer untereinander: „Die letzten 20 Jahre sind weltweit durch nur geringe Zuwächse und Stagnation bei der großen Mehrheit der Bevölkerung in der reichen Welt und massive Wohlstandssteigerungen bei einer kleinen Spitzengruppe überall auf dem Globus gekennzeichnet. Dies ist das zentrale Thema der Occupy-Bewegung.“

In einer Abwägung der Einflusspotentiale aller wirksamen Kräfte, Interessen und Marktmittel blickt Radermacher, engagierter Verfechter einer gerechteren Globalisierung, eher skeptisch auf die weitere Entwicklung, vor allem wenn der Status quo durch Privatisierungsbestrebungen zementiert werde: „Vom Konflikt zur Kooperation zu gelangen ist schwierig, national und global. Vor allem ist die Philosophie des Marktfundamentalismus an dieser Stelle ein Problem. Er setzt primär auf Konkurrenz, weniger auf Kooperation. Die Staaten sollen möglichst bei allen ökonomisch relevanten Prozessen außen vor gehalten werden. Erfolg und insbesondere auch Ausbildungs- und Bildungserfolg werden privatisiert, die Eltern sollen die Schule und die Ausbildung ihrer Kinder vollumfänglich privat finanzieren. Daraus resultiert unvermeidbar eine deutliche Zwei-Klassen-Struktur, national und international.“

Kooperation in der Globalisierung finde zwar statt, so Radermacher, aber meist zum Vorteil kleiner Gruppen und nicht zugunsten der großen Mehrheit der Menschen. Er plädiert für eine deutliche Regulierung, um Chancengleichheit zu befördern: „Dies erfordert starke staatliche Strukturen und handlungsfähige Institutionen sowie die Vereinbarung und Durchsetzung adäquater ökologisch-sozialer Standards und dazu korrespondierend auch Querfinanzierung. Aber das ist dann nicht nur eine finanzielle Frage, es ist auch die Frage einer vernünftige Kontrolle der Leistung von Beamten auf allen Ebenen und eben auch die Leistung der Lehrer in den Schulen.“

Die Rolle der Medien hält Franz Josef Radermacher in diesem Kontext für ausbaufähig: „Medien können und sollten einen größeren Beitrag leisten als bisher.“ Und mit Blick auf die – verkürzte – Fragestellung des Mediengipfels zum Auftakt des Deutsche Welle Global Media Forum 2012 - „Quote oder Qualität“ - müsste das öfter auch zu Lasten der Quote gehen, meint Radermacher. „Besonders attraktiv ist natürlich die Sicherung von Quote bei Qualität durch ein Angebot, das Menschen motiviert. Erforderlich sind Märkte für Qualität oder anders ausgedrückt, die Verunmöglichung von Prozessen, bei denen Quote mit einem immer inhaltsschwächeren Programm generiert wird, das eher an „Lust auf Brot und Spiele“ appelliert als an das Interesse an einer neuen Aufklärung.“ Nach Radermacher seien die Medien in ihrem Handeln allerdings nicht frei. Deshalb plädiert er für entsprechende Rahmenbedingungen, insbesondere mit dem Blick auf Qualitätsanforderungen und appelliert an Medienverantwortliche, diese einzufordern. Radermacher verweist auf das Deutsche Welle Global Media Forum 2012, das genau dieses versuche: „Qualitativ hochwertige Aufklärung in Zeiten der Globalisierung für Erfordernisse einer Global Governance zugunsten einer besseren Welt.“