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Deutschland

Für eine bessere Kirche

Hans Küng genießt weltweites Ansehen. Der Theologe ist einer der bekanntesten Kirchenkritiker und setzt sich für eine Verständigung zwischen den Religionen ein. Nun ist er 85 Jahre alt.

 Auch Hans Küng hat gespannt nach Rom geschaut. Die Wahl von Jorge Bergoglio zum neuen Papst hat ihn gefreut und überrascht. "Da kommt ein Mann ohne das berühmte christliche Pathos, einer, der ganz andere Gesten macht als sein Vorgänger. Ein Lateinamerikaner, der nicht verwickelt ist in die Klüngel und Machtkämpfe der Kurie", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Küng weiß, wie es im Vatikan zugeht. Von 1948 bis 1955 hat der gebürtige Schweizer an der päpstlichen Universität in Rom studiert. Dort sei er zum Insider geworden, erzählt der Theologe. Dort wurde er aber auch zum Kritiker der Kirche. Mitte der fünfziger Jahre war das, als Papst Pius XII. die sogenannten Arbeiterpriester verbot. Ausgehend von Frankreich sammelte sich damals eine Bewegung von Priestern, die kein Kirchengehalt beziehen, sondern ihren Unterhalt selbst verdienen wollten. Sie suchten die Nähe von Arbeitern, um sie für die Kirche zu gewinnen. Die Geistlichen engagierten sich zunehmend auch in Gewerkschaften für die Rechte der Arbeiter. "Als diese Arbeit verboten wurde, begann ich daran zu zweifeln, dass der Papst auf dem richtigen Weg ist", blickt Küng heute zurück.

Veränderung von innen

Eine Priesterin in Finnland bei der Feier des Abendmahls Photo: Jussi Nukari +++(c) dpa -

Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche: für Küng ebenso notwendig wie die Abschaffung des Zölibats

Aber Hans Küng bleibt dem Glauben und seiner Kirche treu. Er wird Priester und 1960 Professor für Katholische Theologie in Tübingen. Er will die Kirche von innen verändern und entwickelt dafür ein Programm mit Reformschritten, die nach wie vor aktuell sind: die Abschaffung des Zölibats, eine weitreichende Ökumene und die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirchenarbeit. Gemeinsam mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI, ist er einer der beiden jüngsten offiziellen Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). Hans Küng ist Joseph Ratzinger damals freundschaftlich verbunden. Heute indes gehört er zu seinen größten Kritikern.

Nach Küngs Meinung ist die Katholische Kirche zu einer "Machtkirche" geworden, die vor allem eigene Interessen verfolgt und nicht dem Evangelium Jesu Christi entspricht. "Wir haben eine mittelalterliche Liturgie, auf die Joseph Ratzinger wieder zurückkommen wollte, eine mittelalterliche Theologie und Kirchenverfassung. Wir müssen loskommen von diesem römischen System!"

Besonders kritisiert Küng, dass Ratzinger als Papst Benedikt XVI. antisemitisch gesinnte Bischöfe der orthodoxen Pius-Bruderschaft rehabilitierte, darunter den Holocaust-Leugner Richard Williamson.

Eine Aufnahme von Hans Küng und Joseph Ratzinger (Foto: dpa)

Hans Küng hat Joseph Ratzinger wegen seiner konservativen Haltung oft kritisiert

Spektakulärer Bruch

Bereits in den 1970er Jahren veröffentlicht Hans Küng mehrere Schriften, in denen er die Grundhaltungen der Kirche in Frage stellt. Was die Kurie verärgert: Er zweifelt an der Unfehlbarkeit des Papstes. Küng wird von Rom gerügt und zur Stellungnahme aufgefordert. Er lässt sich nicht beirren. 1979 folgt der Bruch, die Vatikanische Glaubenskongregation entzieht Hans Küng die kirchliche Lehrerlaubnis. Der Theologe kämpft - gegen den Papst und gegen die eigene Fakultät, die bis dahin hinter ihm gestanden hat. Küng erlebt, wie er heute sagt, die vier schlimmsten Monate seines Lebens. Kurz darauf wechselt Küng auf einen Lehrstuhl für ökumenische Theologie. Dort bleibt er bis zu seiner Emeritierung 1996.

Alle Religionen achten

Hans Küng bei einem ökumenischen Gottesdienst 1984

"Kein Friede unter den Völkern ohne Frieden unter den Religionen" vertritt Hans Küng

Hans Küng möchte nicht nur die beiden großen christlichen Glaubensrichtungen miteinander versöhnen. Er ist der Auffassung, dass alle Religionen - ob Judentum, Islam, Buddhismus oder andere - gemeinsame Grundwerte haben. Er grenzt sich damit ab von den Beschwörern eines "Zusammenpralls der Kulturen", eines "clash of civilizations". Küngs Credo "Kein Weltfriede ohne Religionsfriede" wird 1989 zum Thema eines großen UNESCO-Symposiums. In seinem Buch "Projekt Weltethos" und in einer Rede vor den Vereinten Nationen 2001 untermauert er seine These.

Bereits 1995 geben Küngs Gedanken den Anstoß zur Gründung der Stiftung Weltethos, die sich den Austausch und die Verständigung zwischen den Religionen auf die Fahnen geschrieben hat und internationale Lehrprogramme verbreitet. Auch per Internet: "Das digitale Zeitalter hat für die Stiftung Weltethos längst angefangen", sagt Hans Küng, Modernisierer aus Leidenschaft.

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