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Fußball

Für die Zukunft ist es noch zu früh

Die Nationalelf der Zukunft wirkt in der Gegenwart noch wie ein Rohbau. Beim torlosen Spiel gegen Polen überrascht keines der DFB-Talente, sondern der Trainer - mit einem übermäßig positiven Fazit eines mauen Spiels.

Am Ende dieses historischen Abends bildete der Bundestrainer einen Ein-Mann-Abwehrriegel. Nachdem die jüngste Startelf in der 106-jährigen Länderspiel-Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen Polen

weder mit Toren, noch mit tollen Spielzügen

beeindruckt hatte, nahm Joachim Löw auf dem Podest der Pressekonferenz platz und ging in Verteidigerpose: "Mir hat das Spiel auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Ich fand, das war ein sehr unterhaltsames Spiel", sagte Löw den an dieser Stelle etwas verdutzt dreinschauenden Journalisten mit etwas trotzigem Ton und fuhr fort: "Wir hatten viele Spieler dabei, die ihr erstes Länderspiel gemacht haben. Die Mannschaft hat mutig gespielt und war läuferisch unheimlich sehr gut. Von daher war ich sehr zufrieden." Die Botschaft war klar: Auf sein junges Perspektivteam ließ Löw an diesem Abend nichts kommen. Kritik war fehl am Platze.

Nicht einmal die Pfiffe der Zuschauer nach dem Schlusspfiff hatte Löw bewusst wahrgenommen. "Ich glaube, dass das Publikum ein sehr gutes Gespür dafür hatte, wie sie mit der Mannschaft umzugehen haben. Ich glaube nicht, dass sie unzufrieden waren." Tatsächlich verließen aber einige Zuschauer die Hamburger Arena noch vor dem Abpfiff und wirkten wenig angetan von der Darbietung auf dem Rasen. Zumindest in Sachen Engagement hatten sich die Anhänger der Nationalelf doch etwas mehr erwartet von der Generation Sturm und Drang.

Julian Draxler und die Last der Kapitänsbinde

Vermutlich war es schlicht die Nervosität, die den einen oder anderen hemmte. Die durchschnittlich 21,45 Jahre junge Startelf enthielt acht Debütanten, zwölf waren es inklusive der später eingewechselten Spieler. Dass diese Mannschaft so noch nie zusammengespielt hat, muss somit gar nicht erwähnt werden. Kein Wunder also, dass viele Laufwege und Passstafetten ins Leere gingen - es fehlte an Verständnis untereinander. Das konnte auch Julian Draxler nicht ändern. Der Kreativspieler des FC Schalke 04 lief mit seinen 20 Jahren und zehn Länderspielen als jüngster Kapitän in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft auf. Das Spiel der jungen Elf vermochte er nur phasenweise zu lenken, Impulse für Torchancen gingen zu selten von ihm aus.

Vielleicht lastete eine (noch) zu schwere Bürde auf Draxlers Schultern, dennoch war es ein außergewöhnlicher Abend für ihn: "Für mich war es natürlich etwas ganz Besonderes, eine große Ehre (als Kapitän auflaufen zu dürfen, Anm. d. Red.). Aber ich weiß es richtig einzuschätzen, da wir fast mit einer U21-Mannschaft gespielt haben."

Perspektive WM 2018

Da hat er recht. Nur zwei Spieler, die gegen Polen aufliefen, wurden vor 1990 geboren. In Abwesenheit der großen Namen, die für Pokal- und Champions-League-Finale geschont wurden, spielte in Hamburg eine Perspektivmannschaft, die eher für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland aufgebaut werden soll. Nur wenige der Spieler dieser Elf dürfen sich berechtige Hoffnungen auf die WM in Brasilien machen.

Joachim Löw (Foto: dpa)

Auch ohne Tore ein gutes Spiel für Löw: "Dieses Spiel hat mir persönlich viele Erkenntnisse gegeben."

Dennoch war die Partie gegen Polen für Löw eine Begegnung mit hohem Informationswert. "Dieses Spiel hat mir persönlich viele Erkenntnisse gegeben. Dieses Spiel war ein großer Gewinn. Was mir gut gefallen hat war, dass wir im Zentrum gut gespielt haben. Das betrifft die Innenverteidiger und das zentrale Mittelfeld", meinte Löw, der anschließend den erst 18-jährigen Offensivspieler Max Meyer für seine sehr gute Ballbehandlung und Stürmer Kevin Volland für seine Laufbereitschaft lobte. "Mir haben eigentlich alle neuen Spieler gut gefallen. Sie haben ihre Aufgaben gut gemacht."

Defensiv gut, Offensiv mit viel Luft nach oben

Dennoch fiel auf, dass sowohl bei den Polen,

die ebenfalls auf ihre besten Spieler verzichten mussten,

als auch bei der von Löw in taktischen und technischen Belangen so hochgelobten deutschen Perspektivelf kaum etwas aus dem Spiel heraus lief. Fast nur Standards und Fernschüsse sorgten in der ersten Halbzeit für Gefahr - ein klares Zeichen dafür, dass es beim Kombinationsspiel haperte. Viele Anspiele des DFB-Mittelfeldes waren für die polnische Elf vorhersehbar und somit leicht abzufangen. Über die Außen kamen nur wenige Flanken ins Zentrum. Und das Umschalten von Abwehr auf Angriff dauerte teilweise zu lange.

Defensiv funktionierte die Nachwuchsmannschaft - bis auf bei zwei Fehlern von Shkodran Mustafi und Antonio Rüdiger - gut, offensiv blieb viel Luft nach oben. Das lag auch daran, dass Kevin Volland trotz vieler Laufwege weitgehend von der polnischen Verteidigung abgemeldet wurde. Erst als André Hahn seine Position nach 70 Minuten übernahm, entstand etwas mehr Gefahr für das polnische Tor: Der Augsburger sorgte mit einem Seitfallzieher für die schönste Aktion des Spiels, auch wenn sein Schuss kein großes Problem für Polens Keeper Artur Boruc darstellte.

Wer darf mit nach Südtirol?

Nun muss Löw die Konsequenzen aus der Partie ziehen und seinen Kader fürs Trainingslager in Südtirol (ab 21.05.2014) benennen. 25 bis 26 Spieler will er dorthin mitnehmen. Ein großer Teil der jungen Talente des Polen-Spiels wird dann in den Sommerurlaub gehen können. Denn Brasilien kommt für die meisten von ihnen - trotz des Lobes durch den Bundestrainer - noch zu früh.

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