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Politik

Für die Türkei steht viel auf dem Spiel

Zum wiederholten Mal wurde die Türkei Ziel terroristischer Anschläge. Ein Kommentar von Peter Philipp.

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Wer auch immer hinter den Anschlägen von Istanbul steckt - er dürfte das Land nur tiefer in einen Konflikt hinein bomben, aus dem es sich in den letzten Monaten weitgehend herauszuhalten versucht hatte: Während des Irak-Krieges hatte die Türkei sich schwer getan mit der ihr abgeforderten vorbehaltlosen Unterstützung der amerikanischen Politik gegenüber Bagdad. Die türkische Weigerung, das eigene Territorium als Aufmarsch-Gebiet der Alliierten zur Verfügung zu stellen, hatte das amerikanische Konzept empfindlich gestört. Als Ankara dann doch Truppen zur Verstärkung der Alliierten anbot, zog das Land dieses Angebot aus Rücksicht auf irakische Empfindlichkeiten rasch wieder zurück.

Rücksicht und Zurückhaltung haben der Türkei nichts genutzt: Sie ist zum Schauplatz einer hier bisher unbekannten Welle von Terrorismus geworden. Terrorismus, der blind zuschlägt und Unschuldige trifft, obwohl die eigentlichen Ziele offensichtlich sind: erst jüdische, jetzt britische Einrichtungen. Und morgen?

Die Gegner entzweien

In ihrer kranken Logik wollen die Hintermänner der Anschläge einen Keil treiben zwischen die Türkei und jene, die sie für den Krieg im Irak verantwortlich machen: Amerikaner, Briten und Israelis. Wenn stellvertretend türkische Passanten sterben, dann stört das solch ein Konzept nicht. Oder die Terroristen rechnen sogar mit einer "Solidarität der Angst" aus den Reihen der Bevölkerung gegen die eigene Regierung - die nun jede Unterstützung für die Amerikaner und jede Zusammenarbeit mit Israel einstellen solle.

Genau das aber wird nun mit Sicherheit nicht geschehen. Die türkische Regierung wird durch solche Anschläge herausgefordert und sie wird nicht bereit sein, klein beizugeben. Sie war dazu nicht bereit, als es um den Konflikt mit der Kurden-Organisation PKK ging und alle Welt Ankara zum Einlenken aufrief. Warum sollte sie jetzt nachgeben, wo die Türkei mitten auf die Bühne des Anti-Terror-Kampfes gebombt wird und das Ausland von Ankara Standhaftigkeit fordert?

Viel steht auf dem Spiel

Gelingt es der Türkei nicht, sich klar und eindeutig gegen solchen Terror zu stellen, dann werden Skepsis und Ablehnung gegen eine türkische Annäherung an die EU wachsen. Eine Reaktion, die vielleicht verständlich, aber trotzdem von Grund auf falsch wäre. Nicht von der Türkei droht Europa neuer Terrorismus, sondern die Gefahr des Terrorismus ist in Europa latent vorhanden und das nicht erst seit dem 11. September 2001.

Aus Europa - und auch aus Deutschland - sollen jetzt Freiwillige in den Irak gegangen sein, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Andere Gleichgesinnte sind sicher in Europa geblieben und es darf nicht überraschen, wenn morgen auch dort Bomben detonieren.

Fanatiker gibt es auch in Deutschland. Es wäre fatal, jetzt gegenüber der Türkei zu mauern. Ankara braucht die Unterstützung all derer, die den Terrorismus ablehnen. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Kalkül der Mörder von Istanbul nicht aufgeht.

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