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Afrika

Für die Menschenrechte in den Tod

Der Nigerianer Ken Saro-Wiwa kämpfte seit den späten 1980er Jahren an der Spitze der Widerstandsbewegung gegen die Folgen der Ölförderung im Niger-Delta. Für sein Engagement bezahlte er 1995 mit dem Leben.

Ken Saro-Wiwa (Foto: picture-alliance dpa/epa)

Ken Saro-Wiwa bei einer Demonstration (1993)

Ken Saro-Wiwas Roman Sozaboy (Foto: Pearson Longman)

Der Roman "Sozaboy" erschien 1985

Bis in die späten 1980er Jahre war Ken Saro-Wiwa lediglich ein recht erfolgreicher Schriftsteller in Nigeria, der insbesondere mit seiner Fernsehserie Basi & Company seinen Landsleuten den Spiegel vorhielt. Der 1941 geborene Schriftsteller stellte schon in seinen Büchern das Schicksal der kleinen Leute in den Mittelpunkt. So auch in seinem Hauptwerk, dem 1985 erschienenen Roman "Sozaboy". Hauptfigur ist ein Junge der in die Wirren eines Krieges gerät.

Vom Schriftsteller zum Widerstandskämpfer

Ölförderanlagen im Niger-Delta (Foto: dpa)

Ölförderanlagen prägen das Bild im Niger-Delta

Zum politischen Führer wurde Ken Saro-Wiwa, als er 1990 zusammen mit anderen führenden Persönlichkeiten die "Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes" (MOSOP) gründete. Ihr nur 500.000 Menschen zählendes Volk sollte endlich einen fairen Anteil an den Einnahmen erhalten, die die Ölkonzerne in ihrer Heimat im Niger-Delta erwirtschafteten. Ken Saro-Wiwa sagte dazu Ende 1993 in einem Interview mit der Deutschen Welle die Ogoni hätten klar gemacht, dass die Einnahmen aus dem Ölgeschäft ihnen gehören sollten. "Wir brauchen angemessene Maßnahmen, um die von der Ölförderung verursachten Schäden einzudämmen, denn es gibt dort eine schlimme Umweltverschmutzung."

Friedlicher Aufstand

General Sani Abacha (Foto: AP)

Ließ Saro-Wiwa verhaften: Diktator Sani Abacha

Das Ogoni-Volk wagte den Aufstand gegen die Militärregierung Nigerias und gegen den Shell-Konzern – vollkommen friedlich. 1993 zog sich Shell aus dem Ogoniland zurück und ist bis heute nicht wiedergekommen. Mit diesem Erfolg wurden Saro-Wiwa und seine Mitstreiter zu einer ernsten Bedrohung für das Militärregime unter General Sani Abacha, der im November 1993 die Macht in Nigeria an sich gerissen hatte. Nur wenige Tage vor dem Putsch hatte Ken Saro-Wiwa im DW-Interview die politische Lage des Landes analysiert. Das Öl sei der Kern der Krise. Das Militär habe ein zentralistisches System aufgebaut und den Völkern des Niger-Deltas 97 Prozent der Öleinnahmen weggenommen. "Sie schicken das Geld in die Hauptstadt Abuja und derjenige, der an der Spitze steht, kann es an seine Freunde verteilen und an die Bundesländer und Gemeindeverwaltungen, die allein wegen des Ölgeldes geschaffen wurden. Ja, das Öl steht eindeutig im Zentrum der Krise."

Hingerichtet von der Militärdiktatur

Proteste gegen Shell 1996 (Foro: AP)

Demonstranten geben Shell die Schuld am Tod von Saro-Wiwa

Abacha ließ Saro-Wiwa 1994 verhaften – unter dem Vorwand, er stecke hinter dem Mord an einigen gemäßigten Ogoni-Führern. Als ein Sondergericht ihn 1995 zum Tode verurteilte, wurde Saro-Wiwa auch international zur Ikone der Umweltschutz- und Menschenrechtsbewegung. Viele Nigerianer warfen den Ogoni dagegen vor, sie wollten das Land spalten. Dabei sah sich Saro-Wiwa selbst immer als Teil einer Reformbewegung für das ganze Land, das sich seiner Meinung nach in einer Nationalkonferenz neu gründen sollte: "Wir müssen über die Bedürfnisse jeder einzelnen ethnischen Gruppe sprechen. Was wollen diese Gruppen selbst? Wer leistet welchen Beitrag zum Ganzen? Wie wollen wir dieses Land organisieren?"

Allen internationalen Protesten zum Trotz ließ das Abacha-Regime Saro-Wiwa am 10. November 1995 hinrichten. Der Widerstand im Niger-Delta ging danach erst richtig los. Gewaltfrei ist er seitdem nicht mehr.

Autor: Thomas Mösch
Redaktion: Katrin Ogunsade

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