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Wirtschaft

Für die GLS Bank ist Profit nur Nebensache

Ein gutes Gewissen ist wichtiger als satte Gewinne: Die Gemeinschaftsbank GLS setzt seit 50 Jahren auf ethisch-ökologische Werte. Nach der Finanzkrise entscheiden sich immer mehr Deutsche für eine nachhaltige Geldanlage.

Gebäude der GLS Bank in Bochum (Foto: GLS)

GLS Bank in Bochum. In dem Gebäude ist auch die Stiftung untergebracht.

Auf den ersten Blick hat das dreistöckige Gebäude in Bochum nichts mit einer herkömmlichen Bank gemein. Weit und breit kein Geldautomat und schon gar keine Werbung für eine lukrative Finanzanlage in Sicht. Stattdessen sticht an der Fassade der Gemeinschaftsbank GLS ein großformatiges Transparent ins Auge. Dort steht zum Beispiel: "Mach Geld zu deinem Gott - und es wird dich plagen wie der Teufel." Ein Zitat des Schriftstellers Henry Fielding. Oder ein anderes von Henry Ford: "Ein Geschäft, das nichts als Geld verdient, ist kein gutes Geschäft."

Finanzkrise unbeschadet überstanden

Vorstandssprecher Thomas Jorberg (Foto: GLS)

GLS Vorstandssprecher Thomas Jorberg

Werbeaktionen von Banken, die Kunden satte Anlagegewinne versprechen, sehen anders aus. Doch die Geschäftsphilosophie des größten ethisch-ökologischen Geldinstituts der Republik basiert auf sozial verantwortlichem Umgang mit Geld. Insofern fällt diese Bank aus dem Rahmen. Und das, so Vorstandssprecher Thomas Jorberg, nicht erst seit heute: "Jegliche spekulativen Geldgeschäfte, ob das nun Derivate, Kreditverbriefungen oder was auch immer sind, machen wir nicht."

Aufgrund dieser Geschäftspolitik blieb die GLS auch von den Folgen der internationalen Finanzkrise verschont, wie Thomas Jorberg erläutert: "Das Problem entsteht dort, wo Banker und Finanzmarktaktive nicht mehr realwirtschaftliche Vorgänge finanzieren, sondern nur spekulativ Geld mit Geld verdienen wollen." Und genau dieses Geschäftsgebaren habe zu der Krise geführt, ist sich Jorberg sicher.

Am Anfang stand eine gemeinnützige Stiftung

Die Wurzeln der GSL Bank reichen 50 Jahre zurück zu der im Juni 1961 gegründeten "Gemeinnützige Treuhandstelle". Ihr Zweck: mit Schenkungs- und Stiftungsvermögen ökologische und sozial orientierte Einrichtungen zu unterstützen. Daran hat sich auch unter dem 2005 geänderten Namen GLS Treuhand bis heute nichts geändert.

Kein Geld für Rüstung oder Gentechnik

Mochte die GLS einstmals auch von Großbanken belächelt worden sein, so hat sie in der früh erkannten und besetzten Marktnische stark expandiert. In diesem Jahr hat das Bilanzvolumen erstmals die Zwei-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Und mit Filialen in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart betreut die GLS bundesweit über 100.000 Kunden. Kunden, die gerade nach der Finanzkrise alternative Angebote suchen, wie Anlageberaterin Christine Bartsch feststellt. "Diese Menschen wollen nicht, dass das Geld in die Rüstung fließt oder in die Gentechnik - das ist auch ein sehr wichtiges Thema."

Zinsverzicht zugunsten nachhaltiger Projekte

Wie andere Banken auch bietet die GLS als Universalbank ihren Kunden zwar branchenübliche Zinsen, aber ebenso die Möglichkeit, darauf zu verzichten und das Geld zu spenden. Das heißt: Wenn Anleger auf Zinsen verzichten, entsteht erst gar kein Zins. Ein Verzicht, den die GLS nicht als Subvention einstreicht, sondern in Form verbilligter Kredite an gemeinnützige Projekte weiter gibt.

Unter diesem Aspekt des sozial verantwortlichen Umgangs mit Geld vertrauen Kunden wie die Kunsttherapeutin Johanna Sandau ihr Geld gezielt der GLS an. Sie will mit ihrem Geld nicht noch mehr Geld erzielen, sondern es gut angelegt wissen. Gut angelegt heißt, die Verantwortung für das arbeitende Geld nicht anonym abzugeben. "Ich kann auch ganz bewusst entscheiden, für was mein Geld verwendet wird. Und das war mir ganz wichtig", stellt die Kunsttherapeutin mit Genugtuung fest.

Die GLS Bank vergibt besonders günstige Kredite für nachhaltige Projekte. So finanziert sie beispielsweise Bildungseinrichtungen, aber auch Vorhaben in ökologischer Landwirtschaft. Ein anderer Schwerpunkt liegt im Bereich der regenerativen Energien. Bereits Ende der 80er Jahre hat die GLS den ersten Windkraftfonds aufgelegt.

Autor: Klaus Deuse
Redaktion: Klaus Ulrich