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Asien

Für die eigene Sicherheit sorgen

Eine neue Zeitrechnung beginnt in Afghanistan. Die internationale Schutztruppe ISAF gibt schrittweise die Verantwortung über die Sicherheit einzelner Regionen an afghanische Behörden ab. Der Prozess soll bis 2014 dauern.

Afghanische Sicherheitskräfte in Masar-i-Scharif (Foto: DW)

Afghanische Sicherheitskräfte sollen mehr Verantwortung übernehmen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle und sein afghanischer Amtskollege Salmai Rassul haben in Kabul politische Schritte eingeleitet, um den Weg zur Selbständigkeit Afghanistans zu ebnen: die Versöhnung der Bevölkerungsgruppen, den Wiederaufbau sowie die Transformation des Landes zu einem sicheren, von den Afghanen selbst verantworteten Land.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Ehrenhain in Masar-i-Scharif (Foto: dpa)

Außenminister Westerwelle gedachte gefallener deutscher Soldaten am Ehrenhain in Masar-i-Scharif

Es sind ehrgeizige Ziele, die allein mit politischen Mitteln umgesetzt werden müssen. Denn bis 2014 sollen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF abgezogen werden. Westerwelle versprach seinem Amtskollegen Rassul und der afghanischen Bevölkerung allerdings, dass sie sich auf Deutschland verlassen könnten: "Wir sind in Solidarität unseren Freunden in Afghanistan verbunden - heute und auch in Zukunft."

Übergabe ohne Feierlichkeiten

Das Motto in Afghanistan heißt also künftig: mehr Politik, weniger Soldaten. Dafür sollen die internationalen Truppen raus, die afghanischen rein - in die Verantwortung für die Sicherheitslage im eigenen Land. In Masar-i-Scharif, dem deutschen Verantwortungsbereich im Norden des Landes, beginnt dieser historische Schritt an diesem Samstag (23.07.2011). Gleiches gilt auch für die Provinzen Lashkar Gan, Bamian und Herat.

Nach und nach soll aus den Fragmenten eigenständiger afghanischer Enklaven ein selbstverantwortetes Afghanistan entstehen. Es ist ein Wandel, der tiefgreifender nicht sein kann. Einen offiziellen Akt soll es aber nicht geben, erklärt der deutsche General Carsten Jacobson, Sprecher der internationalen Schutztruppe ISAF: "Die Führungsverantwortung geht an die afghanische Seite über - ohne Durchschneiden von Bändern und ohne einen großen Flaggenwechsel."

Nächster Schritt im Herbst

Anschlag auf Bundeswehrkonvoi in Kundus (Foto: dapd)

Noch immer sind weite Teile Afghanistans unsicher

Im Oktober soll die afghanische Regierung weitere Regionen selber verwalten. Eine Prüfung erfolgt vorher von ISAF und den afghanischen Partnern, erklärt Jacobson: "Der Prozess beginnt von unten nach oben. Es wird zunächst auf der regionalen Ebene, dann auf der Provinzebene bewertet, ob die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage sind, diese Sicherheitsverantwortung zu übernehmen. Das richtet sich je nach Sicherheitslage vor Ort."

Und diese ist teilweise immer noch fragil. Das haben die letzen Wochen gezeigt. Zwar ist eine Sommeroffensive der Taliban in diesem Jahr ausgeblieben. Dafür haben sie mit der Ermordung weiterer einflussreicher afghanischer Politiker gedroht. Ihr Ziel ist es, die Bevölkerung in einen Zustand der ständigen Unsicherheit zu versetzen. Schon einmal haben die Taliban ein Regime aus Angst und Schrecken errichten können. Gerade demokratisch orientierte Afghanen fürchten, dass mit dem ISAF-Abzug das Land wieder im Chaos versinken wird.

Ängste ernst nehmen

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: AP)

Deutschland beteiligt sich mit bis zu 5000 Soldaten am ISAF-Einsatz in Afghanistan

"Wir werden in Bereichen, in denen Transformation stattfindet, ISAF-Kräfte nicht sofort zurückziehen", beschwichtigt Jacobson. Er ergänzt mit Blick auf ein Drittel aller amerikanischen Soldaten, die nach dem Willen von Präsident Barack Obama bis zum kommenden Sommer abgezogen werden sollen: "Nicht immer wird die Reduzierung der Kräfte mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung in diesem Bereich identisch sein." Auf diese Weise soll es den Aufständischen erschwert werden, Lücken im Sicherheitsnetz der Afghanen und der internationalen Truppen auszumachen.

Dabei hat Jacobson einen Wunsch, den viele Afghanen, Entwicklungshelfer und Nicht-Regierungsorganisationen mit ihm teilen. Dass die internationale Gemeinschaft ihre Verantwortung tatsächlich übergibt - und sich nicht einfach aus ihr stiehlt. "Ich wünsche mir, dass wir ein Afghanistan verlassen, das in der Lage ist, auf eigenen Füßen zu stehen, und dass die Menschen, die hier in größter Rücksichtslosigkeit Bomben legen, keine Heimat finden." Denn nur, wenn diese gesichert sei, mache der Einsatz in Afghanistan überhaupt einen Sinn, so General Jacobson. Unabhängig vom endgültigen Abzugsdatum.

Autor: Ute Hempelmann
Redaktion: Ratbil Shamel





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